Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 2 (2.1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Verbände und Vereine. Tie Führer der Junggruppen des Verbandes der jüdischen Fugendvereine Deutschlands trafen sich an den beiden letzten Chanukkahtagen in Düsseldorf zum ersten Male zu einer Tagung, die für die Arbeit des gesamten Verbandes von wesentlicher Bedeutung sein wird. Tenn in den Junggruppcn baut sich ganz besonders die Zukunft dieser großen Gemeinschaft jüdischer Jugend auf. Außer dem Leiter" des Dezernats für Junggruppen. I. Rapbael, Beckum i. W. und dem Dezernatsmitglied Jetta Mamlock-Wesermünde, waren n. a. Jungfi'chrer aus den Gruppen Chemnitz, Türen, Düsseldorf, Euskirchen, Gelscnkirchen, Trier anwesend, die Verbandsleitung selbst war durch Rabb. Tr. Klein, Herbert Felscnthal, Edith Goldberg und Ernst Holzer, Frankfurt a. M. vertreten und hat damit am besten dokumentiert, welche Bedeutung sie der Junggruppcnarbeit bcimißt. Zu erwähnen ist, daß die Synagogengemeinde Düsseldorf ihr Vorstandsmitglied, Herrn Leyser entsandt hatte, um die Tagung zu begrüßen und dem Gang des Tagungsprogramms beizuwohncn. Alle notwendigen Vorarbeiten waren in mustergültiger Weise vom Bund jüdischer Schüler Düsseldorfs, Leitung Gert Wehl, geleistet worden. Jungens und Mädels wetteiferten in der Sorge und Betreuung der auswärtigen Gäste. Der erste Tag brachte zwei Referate, die das Thema »Junggruppen und Verband" behandelten, Arthur Hermanns, Düsseldorf und Seligmann, Chemnitz waren die Referenten. In der ebenso lebhaften wie einzigartig interessanten Aussprache — viele der jungen Menschen diskutierten hier zum erstenmal — wurde vor allen Dingen der unbedingte Wille zum Verband immer wieder festgestcllt. Es wurde ohne Einschränkung anerkannt, daß die Junggruppen in ideologischer und organischer Beziehung einheitlich der neutralen Organisation des Verbands angehören, und daß die Junggruppen im Verbände allein die einzig wahrhaft überparteiliche, neutrale Gemeinschaft der jüdischen Jugend Deutschlands sehen. — Am zweiten Tage stand das Gebiet „Junggruppen und Judentum" zur Debatte. Hierüber referierten I. Raphael, Beckum und Manfred Altmann, Trier. Erst wurde generell nachgewiesen, daß unser Ziel der jüdischen Gemeinschaft ohne Rücksichtnahme auf den Wust der Parteien, Weltanschauungen und Judentums-Splitter, nur erreicht werden kann auf dem Wege des Verbandsgedankens, der geeignet ist, die Tragik der jüdischen Zwiespalte zu überwinden. Hier ist das Wort von der Neutralität keine Larve oder Schuhmaske, auch nicht das Pseudonym einer Demagogie, sondern Wille zur Einheit, im Sinne der prophetischen Unerbittlichkeit und Reinheit. Sodann wurden von Manfred Altmann Wege gewiesen, die zum Jüdisch-Erzieherischen innerhalb der Junggruppe führen. — Dem allgemeinen Tätigkeitsbericht ist zu entnehmen, daß im Verbände 30 Junggruppen mit etwa 850 Mitgliedern bestehen, in einigen Landesverbänden befindet sich bereits ein Junggruppier im Vorstande. Tie Verbandszeitschrift (»Der Jugendbund") enthält eine eigene Rubrik für die Junggruppen. — Das Ergebnis der offiziellen und inoffiziellen Aussprache wurde zum Schluß in folgender Kundgebung zum Ausdruck gebracht, die einmütige Zustimmung faub: „Nach eingehender Aussprache bekennen sich die in Düsseldorf am 25. und 26. Dezember 1927 versammelten Führer der Junggruppen des Verbandes zur unbedingten Notwendigkeit, ihre Gruppen unter Wahrung echter Ueberparteilichkeit zu führen, und sie damit zu starken Mitträgern der Verbandsidee zu machen. Aus dieser Einordnung in das Verbandsganze erheben die Führer der Junggruppen die Forderung an die Führer des Verbandes und der Vereine, es als eine ihrer vornehmsten Aufgaben zu betrachten, den Junggruppen die Selbständigkeit und Freiheit innerhalb ihrer Arbeit zu geben, die ihnen allein die Möglichkeit zu gedeihlicher Entwicklung bietet." Die Israelitische Taubstummenanstalt für Deutschland, Berlin- Weißensee, bittet uns, darauf hinzuweisen, daß taubstumme Kinder im Alter von 6 Jahren zu Beginn des neuen Schuljahres (15. April) ausgenommen werden. Anträge nebst Geburtsschein, Impfschein und ärztlichem Attest sind bis zum 20. Februar dem Direktor Tr. F. Reich einzureichen. Das erste FUhrerlager des Kadimah fand in Schmiedeberg im Riesengebirge in der Zeit vom 25. Dezember bis 1. Januar statt. An ihm nahmen ca. 60 Führer und Führerinnen des Bundes teil. Entsprechend der außerordentlichen Wichtigkeit, die der Bund der planmäßigen Durchbildung seiner Führer zumißt, war das Lager mit größter Sorgfalt vorbereitet und befriedigte nach seinem inneren und äußeren Verlauf sämtliche Teilnehmer. Im Gegensatz zu früheren Tagungen wurden bundesideologische Fragen nicht besprochen; da'gegen standen im Mittelpunkt der geleisteten Arbeit pädagogische Fragen. Für die Behandlung des allgemeinen pädagogischen Teiles hatte sich der Privatdozent der Hamburger Universität, Dr. Curt Bondy, zur Verfügung gestellt. In dreitägiger. 6 intensivster Arbeit im Plenum und in kleineren Kreisen wurde unter der Leitung Dr. Bondhs zu folgenden Fragen Stellung genommen: Grundfragen der Pädagogik und Psychologie, Grenzen der Erziehung, der Führer, der Zug, Lebenshaltung, die sexuelle Frage, Probleme der geistigen Erziehung, Erziehungsziel und Bildungsideal, Zwang und Freiheit in der Erziehung. Außer den einleitenden Referaten Dr. Bondhs wurden eine Anzahl Sonderreferate von Führern des Bundes gehalten. Der ausgezeichneten, straffen und sachlichen Leitung dieses Teiles durch Dr. Bondy, der es verstand, sich dem besonderen Charakter des Bundes aiizupassen, und die wirklichen Fragen eines Jugcndbundes in den Vordergrund zu stellen, ist das Gelingen der Tagung zu einem sehr großen Teile zu verdanken. Besonderes Gewicht wurde auch auf die Behaiidlung der Fragen jüdischer und hebräischer Arbeit gelegt. Hier war es gelungen, für das Hauptreferat Herrn Dr. Mayer, Zwickau, zu gewinnen, dessen lebendige Ausführungen stärkstes Interesse fanden und auf die Weiterführung der jüdischen Bildungsarbeit des Kadimah außerordentlich anregend wirkten. In diesem Teile wurden u. a. folgende Themata behandelt: Grundsätzliches zum Hebräischen, Methodik des Hebräischen. Die besonderen Ausgaben der jüdischen Erziehung bei Jüngeren von 12—15 Jahren und Uebersicht über die für dieses Alter zur Verfügung stehenden Stoffe. — Die Tagung war auch insofern erfreulich, als eine große Anzahl von Jungführern sich in aktivster Weise an ihr beteiligten. —■ Der Bundesrat trat im Laufe der Tagung zur Besprechung von bundesorganisatorischen Fragen zusammen; u. a. wurde die Bundesleitung mit Bernhard Bamberger, Hans Kaufmann, Kurt London und Erich Sonntag bestätigt. — Das Führerlager des Kadimah hat durch seinen Verlauf bewiesen, daß der Glaube. der Führer, mit der Gründung des Bundes neue Wege jüdischer Jugenderziehung beschritten zu haben, durch die Tatsachen gerechtfertigt worden ist. Ter neue Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland wird Mitte März d. I. erscheinen. Redaktionsschluß ist am 15. Februar. Es liegt im eigenen Interesse aller Einrichtungen, daß der neue Führer lückenlos und neueste Angaben bringt. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden bittet daher dringend, alle Gemeinden, Wohlfahrtsorganisationen, Anstalten usw., von denen etwa noch irgendwelches Antwortmaterial auf die Anfrage fehlt, es bestimmt bis zu dem genannten Tag einzusenden, an die Adresse: Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin, X 24, Oranienburgerstraße 69. Auf der 9. Berbandstagung des Reichsverlmudes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche vom 26. bis 28. Dezember 1927 in München, wurde ein Sozialer Ausschuß, der den Charakter einer Arbeitsgemeinschaft tragen soll, mit dem Heilpädagogen Georg Sawady als 1. Vorsitzenden, begründet. Dieser Ausschuß will das' Interesse des jüdischen Lehrers an der Jugendwohlfahrtspflege wecken, fördern und wacherhalten, und ihm Rat und Hilfe in allen Fragen der Jugendwohlfahrtspflege erteilen. Er will dahin streben, daß die jüdische Schule und mit ihr die jüdische Lehrerschaft stärker Mitwirken bei der pädagogischen Ausgestaltung der gesamten Jugendwohlfahrtsarbeit. Zur Mitarbeit ist jeder jüdische Lehrer willkommen. — Zuschriften sind zu richten an: Georg Sawady, 1. Vorsitzender des Sozialen Ausschusses des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche, Geschäftsstelle: Berlin X 24, Oranienburgerstraße 69, II. Bücherschau. Petersen, William Waldemar, „Das Tier im alten Testament. Ein Beitrag zur modernen Tierschuhfrage", erschienen 1928 bei I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 83 Seiten, Preis brosch. Ji 2.—, gebunden Jl 3,50. Diese Untersuchung hat nichts mit philologischer oder theologischer Behandlung der genannten Frage zu tun und will auch nichts damit zu tun haben. Auf tierärztlicher Vorbildung fußt vielmehr der Verfasser dieser Schrift aus Skelskör (Dänemark), die auf der Bibel und ihrem Material aufgebaut ist und die aus komparativ-religiösem Wege dartun will, daß der Mensch nicht nur sittlich und rechtlich, sondern auch in religiösem Sinn Pflichten gegen jedes lebende Wesen hat. Der Verfasser geht sämtliche hierfür in Frage. kommenden Bücher des alten Testaments durch, trägt die beweisenden Stellen gewissenhaft zusammen und bewertet sie unter dem genannten Prinzip seiner Arbeit, die in weitesten Kreisen gelesen zu werden verdient. Unna, Tr. Jsak, Rabbiner in Mannheim, „Ticrschuh im Judentum", erschienen 1928 bei I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 24 Seiten, broschürt JH 0,80. Diese Broschüre stellt nach zwei Sei-