Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 1 (1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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bei Kirchweihen in vielen Orten des Odenwalds zum Tanze aufspielte. Herr Rabbiner Dr. Italiener (Darmstadt) und Herr Lehrer Goldstein (Reichelsheim) widmeten dem wackeren Künstler vor der zahlreichen Trauerversammlung ehrende Nachrufe. Worms. Herr Rothschild, der verdienstvolle Lehrerveteran, feiert am 12. Januar seinen 80. Geburtstag. Verbände und Vereine. Der Nabbinervcrband in Deutschland wird am 29. und 30. Mai in Berlin seine satzungsgemäße Hauptversammlung abhalten. Die Sitzung soll in ihrem nichtgeschäftlichen Teil unter dem einheitlichen Gesichtspunkt „Die Forderung des Judentums für die Gestaltung des öffentlichen Lebens" stehen. Ein Referat über den Sabbatgedanken wird diesen Teil der Tagung einleiten; es sind dann ferner vorgesehen Referate über „Wirtschafts-Ethik", „Bodenreform" und „Bevölkerungspolitik". Für die Wahl des die Tagung beherrschenden Themas war der Gedanke maßgebend, daß das religiöse Judentum nicht darauf verzichten darf, eine Ordnung des gesamten Lebens anzustreben, und nicht darauf verzichten darf, seine Stimme, zu erheben und in dem Chaos unserer Tage von seiner Idee aus Gestaltung zu versuchen. Am 13. und 14. November 1927 tagte in Frankfurt a. M. der soziale Ausschuß des allgemeinen Nabbinerverbandcs in Deutschland. Zu den Verhandlungen waren erschienen die Herren Rabbiner Dr. Baerwald-München, Dr. Eschelbacher-Düsseldorf, Dr. Horowitz- Frankfurt a. M., Dr. Joseph-Berlin, Dr. Lazarus-Wiesbaden, Dr. S. Levi-Mainz, Dr. E. Levy-Berlin, Dr. Neufeld-Elbing, Dr. Neumark-Duisburg. Dr. Steinthal-Münster als Mitglieder des Ausschusses. Von benachbarten Rabbinern beteiligten sich die Herren Dr. Gradenwitz-Hanau, Dr. Hoffmann-Frankfurt a. M., Tr. Lazarus- Frankfurt a. M., Dr. Oppenheim-Mannheim und Dr. Wreschner- Homburg v. d. H. Als Gäste waren bei den Verhandlungen zugegen die Herren Adler-Rudel-Berlin für das Arbeitsamt und Dr. Ollendorf-Berlin für die Zentralwoblfahrtsstelle der deutschen Juden. Zu den letzten Verhandlungen über soziale Gerichtshilfe und Gefängnisfürsorge waren außerdem vier Damen des jüdischen Frauenbundes unter Führung der Frau Paula Ollendorf-Breslau erschienen. Als Referent hatte sich in dankenswerter Weise Herr Justizrat Dr. Gröschner-Frankfurt a. M. zur Verfiigung gestellt. Auf der Tagesordnung dieser Zusammenkunft, welche von Herrn Rabbiner Dr. Horovitz geleitet wurde, standen folgende Punkte: 1. Allgemeiner Geschäftsbericht (erstattet von Levi-Mainz), 2. Organisationsfragen (erstattet von Horovitz-Frankfurt a. M.), 3. Die Mischehe (Referat Eschelbacher-Düsseldorf), 4. Maßnahmen gegen die freiwillige Beschränkung der Kinderzahl bei den deutschen Juden (Referat Dr. Emil Levy-Berlin), 5. Der Mädchenhandelskongreß in London (Referat Goldmann- Leipzig, in dessen Verhinderung vorgelesen von Dr. Levi- Mainz), 6. Soziale Gerichtshilfe (Referat Herr Justizrat Dr. Gröschner- Frankfurt a. M.), 7. Gesangenenfürsorge vom Standpunkt des Gefängnisgeistlichen (Referat Joseph-Berlin). An alle Referate und Tagesordnungspunkte knüpfte sich eine lebhafte, ergebnisreiche Aussprache an, an welcher sich auch die Gäste beteiligten. Ueber verschiedene Punkte wurden Beschlüsse gefaßt, welche als Richtlinien für die soziale Arbeit der Rabbiner Verwendung finden sollen. Die Büroräume der Zentralwohlfahrtsstellc der deutschen Juden, soweit sie sich bisher in Berlin 0 2, Rosenstraße 2/4 befanden, sind am 1. Januar 1928 nach Berlin N 24, Oranienburqerstraße 69, II. verlegt worden. Fernsprecher Amt Norden 12770. Die Geschäftsstellen des Reichsausschusses der jüd. Jugendverbände, sowie der Arbeitsgemeinschaften für Jüdische Tuberkulosefürsorge und Jüdische Gefährdetenfürsorge sind ebenfalls nach Berlin N 24, Oranienburgerstraße 69 II. verlegt worden. Der neue Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege, der einen Ueberblick über sämtliche Anstalten wie Krankenhäuser, Altersheime, Waisenhäuser, Kindergärten, Kinderhorte usw., ferner Jugendpslegeeinrichtungen, Wohlfahrtsvereine und Organisationen in allen jüdischen Gemeinden Deutschlands geben soll, wird jetzt in Druck gegeben. Leider fehlen noch immer von einer ganzen Anzahl von Wohlfahrtseinrichtungen die notwendigen Angaben (ausgefüllte Fragebogen, Satzungen, Berichte usw.). Da es im größten Interesse der jüdischen Öffentlichkeit liegt, daß der Führer vollständig und mit den neuesten Angaben erscheint, bittet die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin X 24, Oranienburgerstraße 69, dringend, um umgehende Uebersendung oder Ergänzung des Materials. Jüdischer Frauenbund Mainz. Der Verein veranstaltete eine Wäschesammlung, die so reichlich aussiel, daß wir nicht nur dem Jsenburger Heim, Kinderheim in Hofheim, Waisenhaus in Diez, sondern auch dem hiesigen Spital und Pfründnerhenn sowie der Zentralwohlsahrtsstelle viele gute Sachen zukommen lassen konnten. — Allen Spendern sagen wir auf diesem Wege unseren allerherzlichsten Dank. — Am 23. Januar, nachmittags 4 Uhr, findet geselliges Beisammensein statt, Frau Dr. N. Frank aus Heppenheim wird an diesem Nachmittag einen Vortrag halten über „Die rechtliche Stellung der Frau". Vücherschau. Tie Familiennamen der Juden unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in Baden zu Anfang des 19. Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Geschichte der Emanzipation von Dr. Erwin Manuel Dreifuß. I. Kaufsmann Verlag (Frankfurt a. M.) 143 S. Preis br. 6,—, geb. 8,— RM. Hier werden auf Grund weitgreifender Aktenstudien die Familiennamen der Juden in ihrer Entstehung aus der kulturellen und politisch-historischen Entwicklung in übersichtlicher Anordnung und Darstellung beleuchtet und erklärt. Die verschiedenen Einflüsse aus die Namengebung, wie Landschaft, Wohnort und -statte und sonstige mannigfache Milieubedingtheiten werden aufgezeigt. Die Herkunftsnamen im besonderen (Blumen, Pflanzen, Jahreszeiten, Berufe) erfahren eine eingehende Behandlung. Besondere Kapitel über Eigenschafts- und Uebernamen, Auszeichnungs- und Phantasienamen usw. fordern gleichfalls großes Interesse. Kurz, möge jeder, der etwas über die jüdischen Namen, vielleicht auch seinen eigenen Namen erfahren möchte, nach diesem wissenschaftlich wertvollen Buch greifen, das eine weitgehende Ergänzung zu dem Zunz'schen Werk (die Namen der Juden) bildet. N. Hartogs. Arnold Zweig, Juden auf der deutschen Bühne. 302 Seiten, 16 Bildtafeln. Dieses in jeder Beziehung geschmackvolle Buch, das der Heinebund (Berlin) herausgibt, bietet einen klaren, grundsichtenden Einblick in die menschlich-wesenhafte und künstlerische Bedeutung und Aufgabe des jüdischen Menschen auf der deutschen Bühne. Der Name des Verfassers bürgt siir eine tiefgehende, sprachlich sein stilisierte Formung dieses so außerordentlich interessanten Stoffes. Aus dem Zeitlich-Bedingten der Bühne und ihrer Menschen werden die Ewigkeitswerte der künstlerischen Gestaltungskraft gesichtet. Prinzipielle, der geistigen Wirklichkeit zwar nicht immer entsprechende Erörterungen über den jüdischen Faktor in Drama und Theater, über Direktoren, Dramaturgen, Kritiker, Regisseure usw., gehen den charakterologischen Künstleranalvsen von Mar Pallenberg, Fritzi Massarh, El. Bergner, Irene Triesch, Ernst Deutsch usw. voran. Es folgen kürzere essayistische Bemerkungen über jüdische Dramatiker wie R. Beer-Hofmann, Alfred Wolsenstein, Ernst Toller usf., über Palästinatheater und Habimah usw. Dieses „schöne und gute" Buch, dem der Verfasser im Schlußwort seine Ausgabe und Wirkungsmöglichkeitcn bestimmt, ist durch 5