Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 3 (1928)
- Issue
- 1 (1.1928)
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus unseren Verbandsgemeinden. Alsfeld. Am Sonntag, den ll. Dezember, fand hier eine Versammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens statt, die einen sehr starken Besuch aufwies. Der stellvertretende Svndikus des Landesverbands, Herr Erwin B a e r , Frankfurt a. M. sprach über das Thema „Vor Reichstagswahlen". Er schilderte eingehend die Vorbereitungen, die von den judengegnerischen Parteien heute schon für die Wahlen getroffen werden und berichtete über Erfahrungen bei den letzten Landtagswahlen. Ein besonders eingehendes Bild gab er von der nationalsozialistischen Propaganda, die heute in Hessen und Hessen-Nassau allein durch fünf Wochenblätter planmäßig hetricben wird. An der Aussprache beteiligte sich der Vorsitzende, Herr Sally Adler. Herr Sally Strauß-Lauterbach, Sallh-Flörsbeim, Isaak Strauß und Katz-Alsfeld. Besonders gerügt wurde die Gleichgültigkeit und mangelnde Opferwilligkeit eines großen Teils unserer Glaubensgenossen, die leider aus dem Ernst der Lage noch nicht die notwendigen Folgerungen gezogen haben. Darmstadt. Am letzten Sabbat des Dezember nahm Herr Rabbiner Dr. Italiener im Verlauf des Gottesdienstes überaus würdigen Abschied von seiner Gemeinde, die sich vollzählig in der Synagoge eingefundcn hatte, um den Worten des scheidenden Führers zu lauschen. Auf eine zwanzigjährige segensreiche Tätigkeit in Synagoge, Schule, Familie und Wohlfahrtspflege, in Freud und Leid, in der Heimat und im Felde, konnte er einen Blick zurückwerfen. So wie Juda zu Joseph von seiner Bürgschaft spricht, die er für den jüngsten Bruder dem Vater gegenüber eingegangen sei, so konnte auch Herr Rabb. Dr. Italiener sagen, daß sein Wirken immer von dem Bewußtsein der Verantwortung vor Gott getragen gewesen sei, daß er sich Gott gegenüber stets als Bürge für die Gemeinde gefühlt habe. „Seele verbunden mit Seele", so habe er den Zugang zum Innerlichsten der Menschen gesucht und gefunden. Mit dem Dank an alle, die willig und helfend in den zwanzig Jahren mit ihm den Weg gegangen seien, an die Lebenden und an die, welche nicht mehr sind, verknüpfte er die Bitte, das Vermächtnis der großen Ueberlieferung des Judentums allzeit zu hüten und zu währen. Alle Verehrung und Darkbarkeit, die dem Scheidenden entgegengebracht werden, fanden ihren rührenden, vielleicht sinnfälligsten Ausdruck, als nach dem Gottesdienste alle die einzelnen hintraten, um ihm noch einmal die Hand zu reichen. Die besten Wünsche der ganzen Gemeinde, die in seltener Einmütigkeit ihm zugetan ist, begleiten ihn in seinen neuen Wirkungskreis. Harxheim. Herr Gottschalk Maver beging am 25. Dez. 1927 seinen 75. Geburtstag. Derselbe ist schon lange Vorstand der Ehewra Kadischah von Ebersheim-Harxheim. Er erfreut sich noch einer guten Gesundheit. Heppenheim. Der jüd. Frauenbund veranstaltete eine Chanukkahfeier. Einige Damen des Bundes übten den Kindern zwei Theaterstücke ein, die allgemeinen Beifall fanden. Abends war geselliger Familienabend. Die Vorsitzende des Frauenbundes, Frau Dr. Frank, begrüßte die Anwesenden in herzlichen Worten. Herr Zigarrenfabrikant Blum beglückwünschte den Frauenbund zu seiner ersten Veranstaltung und drückte den Wunsch aus, daß öfters solche Familienabende stattfinden möchten. Mainz. Am 27. und 28. Dez. 1927 tagte das Kuratorium des Iudaistischen Institutes der Jerusalemer Universität im Sitzungszimmer des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde. In Vertretung des verhinderten Vorsitzenden, Herrn Kommerzienrat B. A. MayeL, begrüßten die Herren Kommerzienrat Lud. Kranenberger und Rechtsanwalt Dr. Paul Simon namens der Gemeinde und Rabbiner Dr. Levi für das Rabbinat Mainz die Teilnehmer der Konferenz. Zu derselben waren nachfolgende hervorragende Persönlichkeiten erschienen: Chiefrabbi Dr. Josef Hertz-London, als Vorsitzender, Prof. Balaban-Warschau, Oberrabbiner Chann Brody- Prag Dr Martin Buber-Heppenheim, Prof. Büchler-London, Dr. Diesendruck - Wien, Prof. Dr. Aron Freimann-Frankfurt, Pros. Dr. Krauß-Wien. Grandrabbin Israel Levy-Paris, Rabbiner Lieber-Paris. Dr Schlößinger-Den Haag. Oberrabbiner Professor Dr. Schorr-Warschau, Dr. Magncs, Kanzler der Universität Jerusalem und Generalsekretär Dr. Kohn-London. In den Sitzungen des Kuratoriums wurden eine Reihe von Neuernennungen von Dozenten vorgenommen, die Frage der Augliederung einer allgemein geisteswissenschastlichen Abteilung erörtert sowie der Vorschlag, einen Lehrstuhl für jiddische Sprache, Folklore und Literatur zu errichten, im Prinzip einstimmig angeiiomnien. Ueber diese Sitzung und ihren Verlauf hatte der „Mainzer Anzeiger", welcher — wie er selbst von sich rühmend erwähnt — die „weitaus höchste Auflage aller in Hessen erscheinenden Zeitungen" aufweist, und von dem man infolgedessen einen zuverlässigen und geschichtlichen Tatsachen entsprechenden Bericht erwarten sollte, in seiner Nummer 802 vom Donnerstag, den 29. Dezember 1927 ein recht seltsames Bild entworfen. Zunächst hatte er diese Sitzung in einem Gemeindehaus stattfindcn lassen, welches in der Bonifaziusstraße gelegen ist. Daß aber das Gemeindeverwaltungsgebäude sich in der Straße befindet, welche seit den ersten Kriegsjahren „Hindenburgstraße" heißt, und daß in der heutigen Bonifaziusstraße ein Verwaltungsgebäude der israelitischen Religionsgemeinde nicht aelegen ist, dürfte auch einem Berichterstatter eines Mainzer Blattes bekannt sein. Danii war in der lleberschrift dieses Berichtes von einer Zusammenkunft „internationaler jüdischer Gelehrten" die Rede. Ahnungslose oder wenig gutgesinnte Leser könnten aus dieser Fassung sehr leicht den Sinn!,der vaterlandslosen Gesellen" herauslesen, während doch gesagt werden sollte, daß führende jüdische Persönlichkeiten aus den verschiedensten Reichen sich zur Besprechung über eine allgemein jüdische wissenschaftliche Angelegenheit zusammenfanden. Es trifft auch nicht zu, daß diese Versammlung von der israel. Religionsgemeinde nach Mainz eingeladen war; der Vorstand der israel. Religionsgemeinde hatte lediglich seine Sitzungsräume den hier zusammengetretenen Herren zur Verfügung gestellt. Und schließlich stand diese Versammlung in keinerlei Beziehung mit dem 600. Todestag des Mainzer Gelehrten Maharil. Zeitungsberichte sollen doch als grundlegendes Material für künftige geschichtliche Verarbeitung der Zeitereignisse Verwendung finden können. Leider mußten wir wiederholt die Wahrnehmung machen, daß die Berichte über jüdische Angelegenheiten gerade im „Mainzer Anzeiger" nur mit Vorbehalten zu gebrauchen sind. Für die Abstellung dieses Mißstandes dürfte es sich empfehlen, in Zukunft vor Aufnahme derartiger Berichte mit den maßgebenden Stellen in Verbindung zu treten. Niederohmen. Am Sonntag, den 11. Dezember 1927, sprach in der hiesigen Synagoge der stellvertretende Syndikus im Landesverband Hessen-Nassau und Hessen des Zcntralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Herr Erwin B a e r, Frankfurt a. M. über „Geheime antisemitische Propaganda". Der Redner benutzte die Gelegenheit, uns besonders interesiante Mitteilungen über den heutigen Stand der Schächtfrage und die Arbeit des Zentralvereins auf diesem Gebiete zu geben. Neuanmeldungen von Mitgliedern erfolgten, weitere werden erwartet. Es wurde verabredet, die zur Aufklärung bestimmte Einmonatsausgabe an weitere Empfänger zu versenden. . Pfnffenbcerfurth. Vor einigen Wochen starb nach langem Leiden in Pfaffenbeerfurth i. Odenwald Herr Moses Oppenheimer. Er war früher tüchtiger Musiker, der mit der „Bund'schen" Kapelle Sämtliche Papier- und Schreibwaren für Privat und Geschäftsbedarf * Geschäftsbücher - Büromaschinen Büromöbel. MoryS, G. m. b. H., Mainz, Christophstr. Telephon’4610 / 4611 Für alle elektrotechnischen Installationen u. Reparaturen empfiehlt sich Peter Zenkert hint. Synagogenstr 32 Fernsprecher 2359 ©Treffpunkt nach der Börse Konditorei und Cafe L, Sieiermann jfrfainZ Fladismarkisir. 3° Fernsprecht c 1ZS3 P. A. Sloss Nachf., Mainz Ludwigsira&e 22/10 / Fernruf 4107 * Gummiwaren * Bandagen aller Art Sämtliche Artikel zur Kranken- und Gesundheitspflege ¥ Damen- und Herren-Bedienung Mafcabteilung 4