Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1928-01-01 · 1 (1.1928) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
3 (1928)
Issue
1 (1.1928)
Date
1928-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9582242-9623184-9620378--0209-9620381
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Gestalten nns -er alten Wormser jn-ischen Gemeinste. Von S. Rothschild, Worms. IX. Juspa Schamesch (Shnagogendiener). 1634—1678. Juspa schreibt in seinem Minhagbuche, daß er 1617 zu n'ixr'fc Bar Mizwoh werden sollte. Als dies die Rabbiner hörten, erlaubten sie es nicht, da er 13 Jahre und einen Tag sein und deshalb Nti’n *0'£ vortragen müsse. Hieraus entnehmen wir, daß er 1604 geboren wurde. Sein vollständiger Name lautete: Jiphtach Joseph Juspa; er war der Sohn von Napbtali Herz Levi aus der Familie Manzpach. Juspa verblieb in Fulda, seinem Geburtsorte, bis zu seinem 19. Jahre. 1620 studierte er auf der Jeschibah des Fuldaer Rabbiners Pinchas Levi. 1623 ging er nach Worms, zunächst, um dort die Jeschiba des Elia Loanz zu besuchen. Dort vervollständigte er seine Kenntnisse auf dem Gebiete des Talmuds und der indischen Literatur. Von Elia, dem vielgereisten Gelehrten und Wunder-Kabbalisten hörte Juspa auch die Wormser Wunder und Legenden, die er in seinen Werken im Namen des Lehrers erzählte. Juspa fühlte sich in Worms behaglich und kehrte nicht mehr nach Fulda zurück. 1625, also in seinem 21. Lebensjahre, war Juspa noch ledig und wohnte als Gast bei dem durch seine Wohltätigkeit bekannten Wormser Vorsteher David Joschua ben Joseph Oppenheim, dem Erbauer der Raschikapelle. Später heiratete Juspa die Frau Peierchen und fand bei der Gemeinde eine Anstellung für das ganze Leben. Juspa scheint in Worms zuerst die Stelle eines bekleidet zu haben, denn er spricht von Scheidebriefen, die er 1634, 1638, 1640 und 1647 angefertigt hatte. Seit 1648 war er Shnagogendiener l'^"') Vertrauensmann (JE#:) und Schreiber der Gemeinde. In dieser Stellung diente er der Gemeinde 30 Jahre, bis er 1678 in seinem 74. Lebensjahre starb. Juspa binterließ 3 Söhne und 2 Töchter. Juspa war das Muster eines treuen, bescheidenen Gemeindebeamten. Er kannte keine andere Welt als die Gemeinde, der er sein ganzes Leben widmete. Sein Gesichtskreis ging nicht über seinen Wirkungskreis hinaus, und er lebte in Worms in voller Zufriedenheit mit sich und den anderen. Die Amtstätigkeit Juspas brachte es mit sich, daß er mit der Bevölkerung, der er diente, wie verwachsen wurde. Er nahm überall, bei freudigen, wie bei traurigen Gelegenheiten, lebhaften Anteil und wurde von allen geliebt und geachtet. Während der Pest, die 1666 in WormS wütete und durch die manchmal 5 Personen an einem Tage beerdigt wurden, zeigte sich Juspa als edler Mann. Nichts konnte ihn abhalten, sich der Kranken und Leichen anzunehmen. Eine Beschneidung, die vorzunehmen alle Mohelim sich geweigert hatten, vollzog er trotz größter Lebensgefahr. Juspa war auch schriftstellerisch tätig und verfaßte: Maaseh N i s s i m (Legenden). Dieses bekannte Wormser Wunderhuch schrieb Juspa wohl, wie seine übrigen Werke, in hebräischer Sprache. Wir besitzen es aber nur in der jüdisch-deutschen Uebersetzung seines Sohnes Elieser Liebermann. Er verfaßte ferner: Memorbuch, auf Pergament, nach 1630 geschrieben, im Besitze der jüdischen Gemeinde Likute Joseph, Kommentar zu den Gebeten, im Besitze von Herrn Bondi in Mainz. Schir Mussar, Moralgedicht. Techina bischfil Chefras Kabronim, Gebet, welches die hiesige Chewrg Kadischa am Eref Rosch Chodesch Adar beim Setzen der Leichensteine verrichtet und das Minhagb u ch. Hiervon gibt es 3 Ausgaben. Die erste, Autograph, ist die ausführlichste. Sie wurde von Juspa 1648 auf 165 Papierblätter in Quart sauber geschrieben. Juspa's Mitteilungen reichen bis 1647. Am Rande befinden sich hier und da Nachträge Juspa's, Anmerkungen des Jair Chajim Bacharach und solche von einer späteren unbekannten Hand. Die Handschrift war im Besitze des Sanwel Bacharach, und eines Israel Binga. Die Namen dieser Besitzer sind auf dem ersten Blatte verzeichnet. Seite 75a oben ist Simon Ulma, der Name eines dritten Besitzers eingetragen. Die Handschrift ging dann an die Familie Lehren in Amsterdam über. Epstein in Wien erstand sie bei der Versteigerung der Lehren'schen Bibliothek 1899, nachdem auch der hiesige Vorstand der jüdischen Gemeinde und Prof. Kaufmann in Budapest Auftrag zur Ersteigerung des wertvollen Manuskripts gegeben hatten. Meinen Bemühungen gelang es, daß Epstein die Schrift 1909 der hiesigen jüdischen Gemeinde als Geschenk überwiesen hatte. Es würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten, wollte ich über den Inhalt derselben näheres mitteilen. Wer sich dafür interessiert, findet Ausführliches in der Schrift Epsteins, „Die Wormser Minhagbücher, Sonderabdruck aus dem Gedenkbuche zur Erinnerung an David Kaufmann". Die Worte, die Juspa's Grabstein zieren: m'nr? nji nnx „Bescheiden und fromm, geliebt von seinen Mitmenschen", sagen nicht zu viel. Die jüdische Bevölkerung in Hessen nach Alter und Familienstand. In Fortsetzung der in der Oktobernummer unseresMitteilungsnach dem Stande vom 16. Juni 1926, wollen wir heute unseren blattes veröffentlichten statistischen Angaben über die jüdischen Lesern ein Zahlenbild über die jüdische Bevölkerung Hessens nach Haushaltungen und die Größe der jüdischen Familien in Hessen Alter,Familienstand und Staatsangehörigkeit geben. Die Schrift!. Alter in Dessen : ledig : verheiratet: verwitwet : geschieden: Die jüdische Bevölkerung in Dessen nach der Staatsangehörigkeit: Jahren m. w. zus. m. w. | zus. m. w. Zusm. i i w. zus. m. : w. iauj. Staatsangehörigkeit I m.! w. unt. 1 127 155 282 127 155! 282 Deutsches Reich . 9034 10039 1- 6 694 j 711! 1405 694 711 1405 — _ I _ — _ — — — — Gesterreich . . . 32 32 6-12 565 548 | 1113 565 548! 1113 1 — — | — — — — — — — Ungarn .... Dschecho-Slovakei . 23 24 9 11 12—14 321 321 * 642 321 , 321 1 642 — — — — — — — Rumänien . . 14 16 14-18 645 642 : 1287 645 641 ' 1286 — 1! l — — — — — — Bulgarien . . . 4 2 18-21 483 477 960 482 i 464 , ’ 946 1 12! 13 — l i — — — Surop. Türkei . . 2 1 Zuj. 2835 | 2854 5689 2834 j 2840 1 5674 1 , 13 14 — : l l — —! — Schweiz .... Frankreich . . . 8 10 8 8 unter 5 699 732 1431 699 i 732 1431 — i — — — — | — Belgien .... Dollanö .... 5 14 2 12 5-10 394 387 781 394; 387 781 — — — — — — — 1 — — England . . . . 9 10 10-15 772 776 1548 772; 776 1648 — — 10 — — — — — — Norwegen . . . 1! _ 15-20 821 797 | 1618 820! 788 1608 1 9 —! —; — — _ — Schweden .... 1 _ 20—25 780 820! 1600 763 665 1428 17 152 169 j 2 i 2 — 1 i Estland . . . . — 1 25—30 701 779 1480 531 359 890 166 409 575 2; 7! 9 2 6 Lettland .... 18 7 30—40 1333 1608 2941 377 389! 766 945 1155 2100 8 | 49 i 57 3 15 18 Litauen .... 13 5 40—50 1563 1674 3237 172; 270 442 1373 1259 2632 14 i 129 143 4 16 20 Polen. 433 403 50—60 1254 1424 2678 93 236 329 1089 909 1998 67 274 341 5 5 10 Rustland .... Aeggpten .... Marokko .... 47 37 60—70 912 1001 1913 68 | 172 240 717 425 1142 124 401 525 3! 3 6 1 2 70—80 410 508; 918 28 j 63 1 91 241 128 369 140 316 456 1 1 1 2 Südafrika». Union . 2 2 80-90 108 141 249 5 | 23 j 28 41 28 69 62 | 90 i 152 — : — — Ver.Sraat. v.Nordcrm. 3 10 90 und Südamerika . . . 1 mehr 1 6! 7 — 1 i 1 — | 1 1 1 4 5 — — j — Staatenlos . . . 47 38 Zuj. 9748 10653 120401 4722 | 4861 j 9583 4590 i 4475 9065 | 418 1272 1690 18 45 | 63 Zusammen . . .! 9748 10653 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.