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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-12-01 · 12 (12.1927) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
12 (12.1927)
Date
1927-12-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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und nicht zuletzt dem „Wormser Kinde", daß diese Aufführung des zweiten Tages bei ausverkauftem Hause stattfand. Man war von der Komposition und dem meisterhaften Dirigieren Gernsheims hingerissen und man merkte es ihm an, daß diese Beifallskundgebungen ihn besonders erfreuten, denn sie kamen von seiner Vaterstadt Worms, an der er mit allen Fasern seines Herzens hing. .— Anläßlich seines 75. Geburtstages habe ich im Verein mit einem Freunde beim Vorstande den Antrag eingebracht, eie musikalischen Aufführungen im Herbste mit einem G e r n s -- h e i in - A b e n d zu beginnen. Der Antrag fand einstimmige freudige Annahme und auch Gernsheim, den ich davon unterrichtete, war sehr erfreut; leider hat der unglückselige Krieg, der wenige Monate nach dem Beschlüsse hereingebrochen, auch diese beabsichtigte Ehrung vereitelt. Sein letzter Briefwechsel mit mir behandelte den „Wormser Judenbischof Gernsheim". Es interessierte ihn zu erfahren, ob er mit demselben verwandt sei. Während der Briefwechsel recht lebhaft geworden, trat plötzlich eine Stockung ein. Ich konnte mir die Ursache nicht erklären, bis die Leitungen die Nachricht brachten, daß eine Tochter Gernsheims tödlich verunglückt sei. Das warf den gefühlvollen Vatr aufs Krankenbett, das er auch nicht mehr verließ; er starb 1615. Gernsheim wurde auf dem jüdischen Friedhofe begraben; einer letztwilligen Verfügung entsprechend wurde bei der Beerdigung das von ihm komponierte „Kol Nidre" gespielt; Nabb. Dr. Weiße hielt vor einem zahlreichen auserlesenen Publikum die Gedächtnisrede. Ein Fürst im Reiche der Töne ist mit chm dahingegangcn, ein anspruchloser, bescheidener Mann, der, was man ihm in heutiger Zeit nicht hoch genug anrechnen konnte, immer ein treuer Sohn des Judentums geblieben ist. Geschichte des Chanukkahfestes nach Flavins Josephus, Geschichte des Jüdischen Krieges, 1. Buch, 1. Kapitel, 1—4, übersetzt von Dr. Heinrich Clementz. Zu der Zeit, als Antiochus Epiphanes mit Ptolemaeus dem Sechsten wegen des Besitzes von Gesamtshricn im Streite lag. entstanden unter den vornehmen Juden Zwistigkeiten über den Machtvorrang, da niemand von denen, die in Würden standen, sich seinesgleichen unterordnen wollte. In diesem Zwiste gewann Onias, einer von den Hohepriestern, die Oberhand und vertrieb die Söhne des Tobias aus der Stadt (Jerusalem). Letztere nahmen nun ihre Zuflucht zu Antiochus, den sie baten, in Judaea cinzurücken und dabei ihre Dienste als Heerführer anzunehmen. Ter König ließ sich um so leichter hierzu bereden, als er sich schon lange mit dieser Absicht trug. Er drang daher mit großer Streitmacht ins Land ein, nahm die Stadt mit stürmender Hand, ließ eine große Menge der Anhänger des Ptolemaeus niedcrmachen, verstattete seinen Soldaten uneingeschränktes Plündern, beraubte selbst den Tempel und brachte die Abhaltung der täglichen Opfer auf die Dauer von drei Jahren und sechs Monaten zum Stillstand. Der Hohepriester Onias aber floh zu Ptolemaeus und erhielt von ihm einen Platz im Bezirke von Heliopolis, wo er ein Jerusalem ähnliches Städtchen und einen Tempel nach dem Muster des zu Jerusalem befindlichen erbaute. Dem Ant^'chus indes genügte weder die unverhoffte Einnahme der Stadt, noch d'e Plünderung, noch das gewaltige Blutbad, sondern im Taumel seiner Leidenschaft und im Andenken an seine während der Belagerung bestandenen Strapazen zwang er die Juden, im Widerspruch mit den heimischen Gesetzen ihre Kinder unbeschnitten zu lassen und Schweine auf dem Altar zu opfern. Gegen diese Verordnungen lehnte sich das ganze Volk auf; die angesehensten Bürger aber erlagen dem Nichtschwert. Bakchides vollends, der von Antiochus geschickte Kommandant der Besatzungstruppen, verschärfte die gottlosen Befehle noch durch seine natürliche Grausamkeit und überschritt jedes Maß des Frevels, indem er die vornehmen Juden der Reihe nach foltern ließ und der gesamten Bürgerschaft tagtäglich mit Zerstörung der. Stadt drohte, bis endlich das Uebermaß seiner Greuel die Bedrängten zu einem Nacheversuch trieb. Matthias nämlich, der Sohn des Asamonaeus, ein Priester aus dem Dorfe Modein, bewaffnete sich und die Seinigen (er hatte fünf Söhne) und erdolchte den Bakchides, worauf er aus Furcht vor der zahlreichen Besatzung zunächst sich ins Gebirge zurückzog. Als aber eine Menge Volkes sich um ihn scharte, faßte er Mut, stieg von den Bergen herab, schlug die Heerführer des Antiochus in förmlicher Schlacht und vertrieb sie aus Judaea. Dieses sein Waffenglück verschaffte ihm Macht und Ansehen, und gern wählten ihn seine Landsleute aus Dankbarkeit für die Befreiung vom Joche der Frenidcn zum Herrscher. Bei seinem Tode hinterlicß er den Oberbefehl seinem ältesten <-ohne Judas. Dieser lebte nun in der Voraussetzung, daß Antiochus nicht ruhig bleiben werde, aus seinen Landsleuten ein Heer zusammen, schloß — der ciite, der dies tat, — ein Freundschaftsbündnis mit den Römern und ichlug den Epiphanes, als derselbe wiederum ins Land einfiel, mit großem Verlust zurück. Im frischen Vollgefühl seines Sieges stürzte er sich alsdann aus die in der Stadt befindliche Besatzung, die noch nicht vernichtet war, warf sie aus der oberen Stadt und drängte sie nach der unteren — Akra genannt — zusammen, bemächtigte sich des Tempels, reinigte den ganzen Platz, umgab ihn mit einer Mauer, ließ, weil die früheren gottesdienstlichen Geräte unrein geworden, neue anfertigen und in den Tempel schaffen, errichtete einen anderen Altar und ließ die Opfer wieder ihren Anfang nehmen. Aus unseren Verbandsgemeinden. Tarmstadt. Ende dieses Jahres verläßt Herr Rabbiner Dr. Italiener unsere Gemeinde, um einem ehrenvollen Rufe der Tempelgemeinde in Hamburg Folge zu leisten. 20 Jahre hat er mit Erfolg und zum Segen seine seelsorgerische Tätigkeit in Darmstadt und dem ihm angeschlossenen Rabbinatsbezirk entfaltet. Herr Dr. Italiener'ist auch durch viele wissenschaftliche Veröffentlichungen hervorgetreten, so neuerdings durch die „Tarmstädter Haggadah", deren Herausgabe er besorgt bat. Er war bisher der Vorsitzende des hessischen Rabbinerverbandes und hat auch als Mitglied dem Oberrat des Landesverbandes hessischer Religionsgemeinden angehört. Friedberg i. H. Ter diesjährige Winter brachte erfreulicherweise bisher reckt angenehme Abwechslung in unser Gemcindeleben. Am Schabbes Nauach weilte Herr Prov.-Rabbiner Dr. Sander aus Gießen in unserer Gemeinde. In einer tiefdurchdachten Predigt gab uris der Herr Rabbiner am Samstag morgen an der Hand der ^idrah treffliche Erklärungen. Der Abend vereinigte die Gemeinde nahezu vollzählig in den Restaurationsräumen des „Hotel Trapp", wo uns Herr Dr. Sander in mehr als einstündigem freien Vorträge ein packendes Lebensbild seines S^hohoiade MAUXIOÜ tkostlicl?/ Begshr-t und Berühmt 5 5899999

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