Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 12 (12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9582242-9623183-9620365--0198-9620371- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
einstigen Lehrers Heinrich Grätz gab. Am folgenden Teige fand die Prüfung des unter Leitung des Lehrers Seelig stehenden Religionsunterrichts statt. — Am vergangenen Sonntag hatten wir nun das Vergnügen, Herrn Rabbiner Dr. Levi aus Mainz, der uns bereits durch das „Mitteilungsblatt" nicht mehr unbekannt war, persönlich kennen zu lernen. Herr Tr. Lev: referierte über das interessante Thema: „Was eint die Judenbeit". Der Redner entledigte sich seiner Ausgabe meisterhaft, die Rede hinterließ bei allen Zuhörern einen tiefen Eindruck. — Am kommenden Dienstag findet die Aufführung des bekannten Filmes „Ein Freitag Abend" mit einem Begleitvortrag durch Lehrer Seelig statt. _ Harxheim. In der Gemeinde Ebersheim-Harxhcim, mit dem <-ynagogensitz in Ebersheim, bestand feit 1879 eine Chewra Kadischa. Durch die Verhältnisse der Kriegszeit ist sie leider zusammcngebrocken, doch durch wiederholtes stetes Aufmuntcrn ist es möglich geworden, dieselbe zu neuem Leben zu erwecken. Von den 12 Mitgliedern der Gemeinden Ebersheim-Harrbeun haben bereits zwei Drittel ihren Beitritt zur genannten Vereinigung erklärt und hofft man, dast auch der restliche Teil nicht länger iernblc'ben wird. — Zu unserer Freude dürfen wir auch berichten, dast es trotz der schwierigen Verhältnisse bis fetzt noch möglich war, allsabbatlich sowie an sämtlichen Fest- und Feiertagen und wenn familiäre Veranlassungen Vorlagen, unsere Gottesdienste abzuhalten. Hierbei sei auch erwähnt, dast die Gemeinden ihren eigenen Friedhof in Würde unterhalten, sowie für Renovation und Instandhaltung der Shnagoge Sorge tragen. —• In früheren Jahren mitcirTiieft die Gemeinde einen eigenen Lehrer, aber feit fast 82 Iabren liegen Gottesdienst und sonstige religiöse Belange in den Händen des Gemeindemitgliedes Ferdinand Meyer-Harxhcuu. Dan die Gemeinde fast 190 Jahre besteht, läßt sich aus dem Hess. Amtsblatt vom Jahre 1854 Nachweisen, in welchem die Gemeinde die Neubesetzung der Lehrerstelle ausgeschrieben hat. Langen (Hessens. Am Samstag, den 22. Oktober d. I., fand geleaentlich des 25jährigen Bestehens der Shnagoge die Einweihung einer Gedenktafel für die aus dem Weltkriege nicht heimaekebrten Söhne der israelitischen Gemeinde statt. Ten Höhepunkt des Tages bildete die an den sabbatlichen Morgengottesdienst sich anschliestende religiöse Feier in der renovierten und festlich geschmückten Svnagoge. Rabbiner Dr. Italiener aus Darmstadt hielt die Weiherede; im Namen des evangelischen Kirchenvorstandes überbrachte der 1. Pfarrer, Herr Weber, im Namen der politischen Gemeinde Bürgermeister Herr Zimmer die Glückwünsche. Das sehr herzlich gehaltene Glückwunschschreiben des katholischen Geistlichen. sowie des Landesverbandes der israelitischen Religionsgemeinden Hessens wurden zur Verlesung gebracht. Umrahmt wurde die Feier von zu Herzen gehenden Gesängen des Kantors E. sanier, Tarmstadt Die israelitische Gemeinde Langen ist mit ReckK stolz auf das Fest, das von dem Opfersinn der Mitglieder, sowie von dem schönen Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden beredetes Zeugnis ablegte. Mainz. Tie Altertumssammlung der israelitischen Gemeinde bat durch eine neuerliche Zuwendung des Herrn Kommerzienrat Kranenberger eine wertvolle Bereicherung erfahren. Tie interessante Schenkung besteht in einem in Oktavform auf Pergament geschriebenen Büchlein. Dasselbe enthält, wie dies auf dem Titelblatt angegeben ist, die Gebräuche und Gebete der israelitischen Beerdigungsbruderschaft in Mainz. — Es trägt an der Spitze eine Zeichnung, die jüngeren Datums sein dürfte. Das Titelblatt schließt mit M'Magenze; unmittelbar vorher stand also der Name des Schreibers oder der des Besitzers. Auf der letzten Seite ist als Jahreszahl 486 (1726) angegeben. Tie schöne Ouadratschrift — nicht die Form der Buchstaben — erinnert an die im Gemeindebesitz in größerem Format befindliche, ebenfalls auf Pergament geschriebene Schir Hajichudgesänge. Letztere liest die Mainzer Beerdigungsbruderschaft 1733 schreiben und die Kosten aus ihren Ereb Rösch chodefchspenden bestreiten. Aus der letzten Seite steht Kaddisch d'rabbonon, lautend: . J'he 1'hon ul'chon sch'lomoh w’chino w'chißdo w'rachamin um'sone r'wochin uphurkono min kodom more sch'majo w'aro . Geschrieben ist das Büchlein von Samuel (Sanwil), Sohn des verlebten Vorbeters Mord'chai, aus Mannheim, jetzt Vorbeter und Schreiber, vorher Vorbeter und Gemeindebeglaubter der Gemeinde Mainz. Feststellungen, wie die vorgenannte, anscheinend aus dem Machsor lib'ne' Rom herrührende Fassung hier Eingang gefunden und wieder in Wegfall gekommen ist, wären interessant. Die graste Sulzbacher T'philla (auf Pergament 1709, bzw.... gedruckt) wurde der Gemeinde erst 1792 von Iizchok, Sohn des Josef (Jefel), Nachkomme von Samson Wertheim zugewendet. In der großen Snlzbacher T'philla steht übrigens auch lono ul'hon, auch hat hier das Wort chino nicht das vav kopulativ. Mainz. Die Sammlung des Vereilis zur Pflege jüdischer Altertümer hat in den jüngsten Tagen durch Einfügung des vorgenannten Büchleins und durch einige ihr zugewendeten Bilder weiteren Zuwachs erfahren. Dem Vorstaiid des Vereins ist es eine Freude, dast fcine Sammlung bei den Besuchern uiid den Schenkgebern stets mehr Interesse findet. Mainz. Ter rührige Volksbildnngsverein Mainz hatte am 6. Nov. 1927, vormittags 11 Uhr, seine Mitglieder _ 311 einer Besichtigung der Hauptspnagoge und des jüdischen Museums eingeladcn. Tie Führung erfolgte durch Herrn Rabbiner Dr. Levi. der den n.ahezu 600 Anwesenden durch seine inhaltreichen, formvollendeten und aufklärendcn Ausführungen ein anschauliches Bild über Gotteshaus, Gottesdienst und Gebete der Israeliten zu geben wußte. Seine interessanten Darlegungen und überzeugenden Erklärungen nnichten auf die Zuhörer einen sichtlich tiefen Eindruck und waren besonders geeignet, bei vielen Nichteingeweihten den Glauben an irgendwelche Geheimnisse bei den gottesdienstlichen Handlungen der Juden zu beseitigen. — Orgelvorträge und Gesänge von Musikdirektor Hackebeil und Oberkantor Jonas umrahmten in würdiger Weise die wohlgelungene Veranstaltung in der Svnagoge, an die sich alsdann die Besichtigung der reichhaltigen Sammlung der jüd. Altertümer anschlotz. Worms. Am Samstag, den 4. Dezember, feierte der hiesige Shnagogenchorverein das Jubiläum seines 60jährigen Bestehens in überaus würdiger und erhebender Weise. Beim feierlichen, durch Chor- und Sologesänge verschönten Gottesdienst in der festlich geschmückten, altehrwürdigen Synagoge gab Herr Rabbiner Dr. Holzer in einer Festpredigt der Stimmung des Tages den rechten Ausdruck. Er schilderte die Verhältnisse in Gotteshaus und Gottesdienst, wie sie vor der Gründung des Ehorvereins hier bestanden sowie die gottesdienstlichen Formen und Einrichtungen, wie sie sich seitdem dank der Tätigkeit des Chorvereins zum Segen und zur Ehre des Judentums entwickelt haben. Er würdigte das große Verdienst der Gründer und späteren Leiter des Verciils, die sich von jeder radikalen Einseitigkeit ferngchalten und eine selten schöne und harmonische Vereinigung des ehrwürdigen Alten und des geschmackvollen Neuzeitlichen in Gesang und Gebetsvortrag geschaffen haben und schloß mit pietätvollem Gedenken der Heimgegangenen Gründer und ihrer Mitarbeiter und einem Segen für die derzeitigen Mitglieder des Vereins. Am Abend fand im großen Festsaal der hiesigen Dalbcrgloge des Ordens Bne Bries das Festessen statt, zu dem außer den Mitgliedern des Chorvereins mit ihren Angehörigen der Rabbiner und sämtliche Mitglieder des Gemeindevorstandes mit ihren Tarnen erschienen waren. Nach einer kurzen und eindrucksvollen Begrüßung seitens des Vorsitzenden, Herrn Adolf Kehr, rrahm Herr Kantor Rosenthal das Wort zu einer längeren Festrede, die die Geschichte des Vereins im Rahmen der Zeitgeschichte behandelte. Ungeteilter, lebhaftester Beifall der Zuhörer lohnte den Redner für die ganz ausgezeichnete Arbeit, die er geleistet hat, und die von bleibendem Werte ist. Nachdem der erste Vorsitzende der Gemeinde die Grüße und Glückwünsche des Vorstandes in trefflichen und gedankenreichen Ausführungen überbracht hatte, bereitete Herr Isidor Kiefer, Mitglied des Vorstandes, der Festversammlung eine große und freudige Ueberraschung. Er überreichte nämlich dem Verein m einer geschmackvollen Mappe als Geschenk des Vorstandes die seit Jahrzehnten verschollenen und verloren geglaubten und nunmehr von ihm im Archive entdeckten Mitgliederlisten und Urkunden des Vereins aus den ersten Jahren nach der Gründung. An Hand derselben konnte .Herr Kiefer, ohnedies einer der besten Kenner der Geschichte der hiesigen Gemeinde, ein packendes und interessantes Bild der verflossenen Jahrzehnte entrollen, über J. Knewitz, Mainz Höfchen 4 Telefon 1092 Tuwelen, Gold- und Silberwaren Tafelsilber, Uhren mi\'i m Moderne Beleuchtungen Fabrik und großes Lager Speisezimmer-, Herrenzimmerliister Schlafzimmer-Ampeln, Nachttischlampen Tel. 1204. — Heidelbergerfaßg. 167io 6