Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 11 (11.1927)
- Date
- 1927-11-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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gebeten, sich schriftlich an uns zu wenden. Zwecks Vertretung der Ansprüche ist uns außer der genauen Adresse anzugeben: 1. Staatsangehörigkeit vor dem Kriege, 2. Jetzige Staatsangehörigkeit, 3. Ob gültiger Paß oder Paßersatz borhanden ist, ' 4. Ob Sterbe-, Geburts- oder Trauurkunde vorhanden sind und » wo dieselben ausgestellt worden sind. 5. Ob bereits Ansprüche geltend gemacht worden sind." Der Landesverband Hessen-Nassau und Hessen des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erläßt folgenden Aufruf: Es ist Pflicht jedes wahlberechtigten jüdischen Einwohners des Freistaates Hessen am Sonntag, den 13. November d. I., seine Stimme zu den hessischen Landtagswahlen abzugeben. Wer der Wahlurne fernbleibt, unterstützt diejenigen politischen Parteien, die ihrem Programm oder ihrer Betätigung nach sich gegen die Gleichberechtigung der deutschen Juden wenden. Die Vertrauensmänner unserer Ortsgruppen im Freistaat Hessen wollen ihre Gemeindemitglieder nachdrücklichst auf diese Wahlpflicht Hinweisen. Die Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen Landesverbände hat sich nun auch in einer gemeinsamen wissenschaftlichen Unternehmung auszuwirken begonnen. Der Oberrat der Israeliten Badens hatte auf Anregung des badischen Rabbinerverbandes, an dessen Spitze Herr Bezirksrabbiner Dr. Pinkus, Heidelberg, stehi, zu einer wissenschaftlichen Tagung der in den süddeutschen Landesverbänden amtierenden Rabbiner für die Zeit vom Sonntag, den 30. Oktober, bis einschließlich Dienstag, den 1. November d. I. nach Karlsruhe eingeladen. An dieser erstmaligen Veranstaltung nahmen etwa 40 Rabbiner aus Baden, Bayern, Hessen und Württemberg teil. Die Tagung wurde am Sonntag nachmittag um 4 Uhr durch eine wissenschaftliche Vorlesung des Herrn Dr. Eugen Täubler, Professor der Geschichte an der Universität Heidelberg, über das Thema: „Das textliche und literarische Problem von 2. Samuel, Kapitel 5" eingeleitet. Am Abend dieses Tages wurden die Teilnehmer im Namen des Oberrats der badischen Israeliten durch dessen Vorsitzenden, Herrn Professor Dr. Stein, Karlsruhe, in den Räumen des Oberratgebäudes, die für die erste Tagung zur Verfügung gestellt waren, in gastlicher Weise begrüßt, nachdem Herr Professor Stein, die Tagung selbst am Nachmittag eröffnet und deren Leitung an Herrn Bezirksrabbiner Dr. Pinkus übergeben hatte. Am Montag vormittag sprach dann Herr Direktor Dr. Ott, Professor der Pädagogik an der technischen Hochschule Karlsruhe, über: „Einige Gegenwartsfragen der Erziehung, des Wissens und der Bildung". Am Nachmittag dieses Montag gab Herr Dr. Julius Lewy, Professor an der Universität Gießen, einen umfassenden Ueberblick über: „Die Amoriter und die Chabiru der keilschciftlichen Quellen und die Bibel". Die Teilnehmer der Tagung, soweit sie Logenbrüder sind, batten am Montag abend Gelegenheit der feierlichen Einweihung der Räume beizuwohnen, welche die Karlsruher Karl-Friedrich-Loge, des Ordens B'ne bris im Oberratsgebäude bezog. Der Dienstag brachte dann noch zwei Vorlesungen, und zwar des Herrn Dr. Wohlgemuth, Dozent am Rabbinerseminar in Berlin, über: „Die Prinzipien, Gerechtigkeit und Liebe als Grundlehren für Lehre und Leben im Judentum, insbesondere für den jüdischen Gottesbegriff" und die des Herrn Obermagistratsrat Dr. Ollendorff, Geschäftsführer der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin, über: „Die soziale Arbeit des Rabbiners". Die fünf Vorlesungen, die sich mit den verschiedensten Wissensgebieten des rabbinischen Amtes und Berufes befassen, standen durchweg auf wissenschaftlicher Höhe und gaben Anlaß zu lebhaften und gründlichen Aussprachen. Die Veranstaltung, die allen Teilnehmern nachwirkende Anregung gab, bleibt ein dankenswertes Verdienst der Einberufer und wird voraussichtlich mit wechselnden Tagungsorten alljährlich Fortführung finden. Dr. L. Bücherschau. Else Schubert-Ehristnller: Ter Gottesdienst der Synagoge. 1927 Verlag Alfred Töpelmann. Gießen. Heft 7 der von Gustav Men'sching herausgegebenen Reihe: Aus der Welt der Religion. 84 S.. brosch. 2.70 Jl, geb. 4.— Jt. Dieses überaus wertvolle Buch ist von einer Christin mit so feiner Einfühlungsgabe und einem derart tiefgehenden Verständnis für Sein und Sinn jüdischen Wesens geschrieben, daß es für gar viele Juden tatsächlich beschämend wirken muß, sich hier von einem nichtjüdischen Menschen den Weg zeigen lassen zu müssen. Form und Inhalt unseres Gottesdienstes werden mit außerordentlicher Klarheit des Ausbaus und der Sprache empfunden und gestaltet. Man kann daher dem kleinen, tapferen Buch nur wünschen, daß es stark, wie es aus sich herauswuchs, in Nichtjuden wie in Juden hineinwachsen und seinen Teil zum Verstehen und zum Frieden beitragen möge. R. H. Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens in vier Bänden. Herausgegeben von Dr. G. Herlitz und Dr. Br. Kirschner. Jüdischer Verlag, Berlin. Soweit aus der Probelieferung des ersten Bandes ersichtlich ist, verspricht das großzügig angelegte, in mühevoller, achtjähriger Arbeit zustandegekommene Werk, dem über 2000 Illustrationen, Beilagen, Karten und Tabellen beigegeben sind, als eine Glanzleistung jüdisch-deutscher Geistestätigkeit in allen interessierten Kreisen weitgehendste, beifällige Aufnahme finden. R. H. Ter Morgen. Zweimonatsschrift, herausgegeben von Professor I. Goldstein. Philo-Verlag, Berlin. Das vorliegende vierte Heft des 3. Jahrgangs bietet, wie es bei dieser bekannten und bedeutenden Zeitschrift nicht anders zu erwarten ist, aus der Feder hervorragender Führer jüdischen wie nichtjüdischen Geisteslebens wiederum eine vielseitige Reihe äußerst feiner und wertvoller Aufsätze, die in klarer, auf allgemein-wissenschaftlicher Basis gehaltenen Fassung und mit weitschauendem Blick Vorgänge und Probleme im Judentum von gestern und heute darstellen und beleuchten. R. H. Wenn wir das literarische Schaffen des modernen, französischen Judentums betrachten, so ist es unzweifelhaft, daß dort das Mysterium des Judeseins in einer ungeheuer dynamisch-vitalen Art erlebt und geformt wird. So sei als ein ergreifendes Zeugnis des leidenschaftlichen Erkenntnistriebes des französischen Juden genannt das Buch von Fleg, Der kleine Prophet, das bis ins letzte die Entwicklungsmomente und -motive aufreißt, die den jüdischen Menschen zum Juden werden lassen. Auf eine durchaus andere Art zeigt das Buch von I. Tharaud: „I?ombre de la Croix" den Juden als Ort von Empsindungen und Erregungen, die durch die Außenwelt bedingt in ihm entstehen und Unsicherheiten und Konflikte mannigfacher Art Hervorrufen. Als szenische Umrahmung dient die geheimnis-durchwobene Mystik des osteuropäischen Juden. Eine wiederum ganz andere Gattung stellt das im Heinebund*) neu erschienene Buch: Das unbekannte Heiligtum von Aim6 Paktiere dar, das, soweit dies durch den französischen Charakter nicht wesenhaft begrenzt ist, einen rein religiös-philosophischen Bekenntnischarakter trägt. Eine eingehende Besprechung dieses Buches erfolgt in der nächsten Nr. des Mitteilungsblattes. — lieber den Antisemitismus in der französischen Literatur berichtet das im Philo-Verlag erschienene Merkchen von Tr. I. Schapira in sachlicher, zuverlässiger Weise, an Hand einer systematischen Darstellung der Lehren von E. Drumont, des Führers des französischen Antisemitismus unter der dritten Republik R. H- Der Verlag Karl W. Hiersemann, Leipzig, ladet zur Subskription der von Herrn Rabbiner Tr. Bruno Italiener herausgegebenen Tarmstädter Pessach-Haggadah ein. Das Werk besteht aus zwei Bänden, und zwar 1. aus einem Textband, Ganzleinen, in Lexikonoktav, 18X28 Zentimeter, VII, 290 Seiten mit 16 einfarbigen Lichtdrucktaseln und erscheint im Oktober 1927 zum Einzelpreis von 60 RM., 2. aus einem Tafelband, Halbleder, in Folio, 25X35 Zentimeter, mit Faksimilereproduktion der 116 Seiten umfassenden Pergamenthandschrift auf 116 Tafeln in Farblichtdruck und erscheint voraussichtlich Oktober 1928 zum Einzelpreis von 320 RM. Der Subskriptionspreis für beide Bände zusammen beträgt 300 RM. Der Textband bringt die wissenschaftlichen Ergebnisse der Haggadahforschung nach dem heutigen Stande, während in dem Tafelband eine Pessach-Haggadah geschaffen ist, die, in Originalgröße und Originalfarben faksimilegetreu reproduziert, der in der Landesbibliothek in Darmstadt liegenden, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Handschrift gleicht. Die Reproduktion ist nicht nur für Bibliotheken gedacht, sie soll vielmehr für den jüdischen Kunstfreund ein Hausbuch werden, das er in Zukunft an den beiden Pessachabenden für die Lektüre innerhalb der Familie als einen würdigen Ersatz für eine alte, echte Haggadah des Mittelalters verwenden soll. I. Die Mischna, Text, Ilebersetzung und ausführliche Erklärung, herausgegeben von Professor Dr. G. Beer-Heidelberg, Professor Dr. O. Holtzmann, Gießen, Seminardozent Dr. I. Rabin, Breslau. Verlag Alfred Töpelmann, Gießen. Diese großangelegte Sammlung, welche sich die Herausgabe des Mischna-Textcs mit Uebersetzung und ausführlicher Erklärung zur Aufgabe macht und die von einer Reihe von Jahren begonnen wurde, hat in den Jahren *) Ter Heine-Bund, Eine jüdische Buchgemeinde, Berlin W 9, Linkstr. 39 (Mitgliedsbeitrag für die vier Jahres(Pflicht)-bände: bei jährlicher Vorauszahlung 14.— RM. (Ausland 15.40 RM.), bei vierteljährlicher Zahlung 3.75 RM. (Ausland 4.10 RM.). Ausführliche Prospekte auf Wunsch. 9