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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-10-01 · 10 (10.1927) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
10 (10.1927)
Date
1927-10-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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r.. Der Hilfsverein, der als Vertreter der deutschen Judenschaft für sumsche Auslaudshilfe in Deutschland seit Anfang des Jahrhunderts den ^uden in Osteuropa und im Orient in bewegtesten ^citen^ zur Seite gestanden hat, rechnet auch jetzt auf die tatkräftigste Unterstützung der deutschen Juden, die es ihm ermöglichen lall, an der Lösung der zur Zeit im Vordergrund stehenden großen Aufgaben mitzuwirken. Am 16. März 1627 ist Dr. Paul Nathan, einer der Begründer und Führer unserer Organisation, nach kurzem Leiden tiesbetrauert aus dem Leben geschieden. Wir deutschen Juden ehren sein Andenken auf die würdigste Weise, wenn wir für das indische Hilfswerk, das Lebcnswcrk Paul Nathans, unsere ganze Kraft einsetzen. Unsere Sammelaktion beginnt im September 1927 in Berlin und im Reiche. Spendet und werbet für unsere Aktion! Hilfsoerein der deutschen Juden. Geschäftsstelle des Hilfsvereius: Berlin W 35, Steglitzerstr. 12. Telephon: Lützow 6286, Bankkonto: Deutsche Bank, Dep.-Kasse 0, Berlin W 9, Potsdamerstr. 127/8. Postscheckkonto: Berlin 88126. Aus unseren Verbandsgemeinden. Alsfeld. Am 16. September wurde hier Frau Elise Flörsheim geb. Baer im Alter voii 72 Jahren zur ewigen Ruhe bestattet. Mit der Dahingeschiedencn verliert nicht iiur ihre Familie, ein großer Kreis von Verwaiidten und Freuiiden, soiidern auch die hiesige Gemeinde eine Frau von seltenen Eigenschaften des Geistes und Charakters. Einer alt angesehenen Familie, (ihr Großvater war Rabbiner in Ems und Mitglied des großen französischen Synhedrions) entstammend, zeichnete sie sich in ihrem Leben durch die echt jüdischen Tugenden einer wahren Menschenliebe und Herzensgüte aus. Wohl niemals hat ein Armer und Dürftiger ihre Schwelle unbeschenkt und ungetröstet verlassen. Ihrem Gatten, der leider seit einigen Jahren schwer leidend ist, war sie mehr als 50 Jahre eine treue Lebensgefährtin und ihren Kindern eine liebevolle Mutter und Erzieherin. In den letzten Jahren ihres Lebens mußte sie viele Leiden und Schicksalsschläge erdulden, zwei verheiratete Töchter sah sie ins Grab sinken, von Krankheiten und Gebrechen aller Art wurde sie heimgesucht. Doch ihr unerschütterliches Gottvertrauen half ihr alle diese Heimsuchungen ertragen und überwinden. Ein großes Trauergcleite folgte ihren sterblichen Uebcrrestcn und erwies ihr die letzten Ehren. Am Grabe entwarf Herr Lehrer Kahn in wehmutsvollen Worten ein lebensvolles Bild der Tahingeschicdenen, in welchen: er ihre Tugenden, ihre Mildtätigkeit, ihre Friedfertigkeit und ihre wahre Frömmigkeit hervorhob und die Heimgegangene als das Muster einer echten „Eisches Ehajil" pries. "2^1? Alzey. Am 13. September ist hier Frau Abraham Koch, Lina, geborene Mayer, im 62. Lebensjahre unter großer Beteiligung von nah und fern bestattet worden. In jüdischen und christlichen Kreisen war die Heimgegangene verehrt als würdige Frau, die die Mahnung der heiligen Schrift erfüllt hat, betrübten Armen das Haus offen zu halten und den Notleidenden zu helfen. Ohne Unterschied des Bekenntnisses hatte sie gewirkt, sie besuchte die Kranken und die Armen. Ein heiliger Eifer erfüllte sie und machte sie fähig zu liebreichem Tun. Darum war sie auch geeignet, den Vorständen vieler Wohltätigkeitsvercine anzugehören, so dem israelitischen Armen- und Fraucnverein, dem Wohlfahrtsamte der Stadt, dem Roten Kreuz, dem Alicen-Fraucnvereiu. Sie beaufsichtigte in der Zeit der Not die Schulspeisung der Kinder und war schon frühmorgens zur Nibelungenschule gegangen, damit alles in Ordnung sei. Ueberall hörte mau auf ihr Wort. Und doch hatte sie selbst ein tragisches und schweres Geschick. 23 Monate hatte sie krank zu Bette gelegen, nachdem sie in den letzten Jahren von Trauerfällen vielfach betroffen worden war. Es war der am 12. Sept. 1914 erfolgte Tod ihres hoffnungsvollen einzigen Sohnes Alfred Koch, der auf dem Schlachtfelde von Granaten zerschmettert worden war, und der frühe Heimgang ihres allseitig geschätzten Gatten Abraham Koch, der im Januar 1921 seinem Sohne schon in die Ewigkeit folgte. — Wie die Stammutter Rahel bitterlich um ihre Kinder geweint hat, so hat auch die schwergeprüfte Frau um ihr einziges'Kind und um ihren Gatten getrauert. Das zarte Frauenherz 'war zusammcngebrochen. Herr Rabbiner Dr. ^ewit hielt der Verblichenen die ergreifende Grabrede. Die Erinnerung an die fromme Frau wird 'in unserer Gemeinde in Ehren fortleben. Mainz. Am 11. und 12. September 1927 hielt der israeltische Landeslehrerverein im Volksstaate Hessen seine diesjährige Generalversammlung ab. 38 Lehrer hatten sich aus allen Teilen des Hessenlandes in unserer Stadt zur Tagung eingefunden. Diejenigen, die bereits am Sonntag nachinittag angekommen waren, nahmen Gelegenheit, das Museum der israelitischen Religionsgemeinde und den Tenkmalfriedhof unter sachkundiger Führung von Rabbiner Tr. Levi zu besichtigen. An der Eröffnungssitzung, die am Sonntag abend 8 Uhr stattfand, nahmen die Vertreter des Landesverbandes, der israelitischen Religionsgemeinde, der israelitischen Religionsgesellschaft und verschiedener Korporationen teil. Im Mittelpunkt dieser Versammlung stand der Vortrag des Lehrers Lüwcnthal, Tarmstadt über „Die Faktoren jüdischer Erziehung". Musikalische und gesangliche Darbietungen gaben der Eröffnungssitzung eine würdige Umrahmung. Die geschäftlichen und beruflichen Angelegenheiten des Vereins wurden am Montag vormittag in arbeits- und erfolgreichen Verhandlungen besprochen und beraten. Nach Beendigung derselben wurde ein gemeinsames Mittagessen eingerionimen, zu den: der Vorstand der israelitischen Religioiisgemeiiide in liebenswürdiger Weise die Versammlungsteilnehmer geladen hatte. (Einen ausführlichen Bericht über die Generalversammlung des israelitischen Landeslehrervereins im Volksstaate Hessen finden unsere Leser in der nächsten Nummer des Mitteilungsblattes. Tie Schriftleitung.) Mainz. Der Verein zur Pflege jüdischer Altertümer kann diesen Monat neben der Zuwendung mehrerer kleinerer Gegenstände, wiederum eine wertvolle Schenkuiig daiikeiid verzeichiien. Herr Kommerzienrat Earl Masbach hat der historischen Sammlung zum Andenken an seine Heimgegangene Gattin einen kunstvollen Eheriiig überwiesen. Der Ring stammt aus der Familie seiner Schwiegermutter und trägt die Inschrift: umzogen von Rosett- und Lilienverzierung. Ter goldene Ring ist ein schönes Stück, wie er in jüdischen Familien um die Wende des 17. Jahrhunderts zu Trauungszeremoiiien getragen wurde, das bei den Besuchern des Museums lebhaften Beifall fiiiden wird. Worms. Die israelitische Gemeiiide beging den 500jährigen Todestag MaharilZ mit einer eiiidrucksvollen, zahlreich besuchten Gedenkfeier. Ter 1. Vorsitzende, Herr Sanitätsrat Tr. Nickelsburg, leitete den Abend durch eine feinsinnige Ansprache diu Herr Rabbiner Tr. Holzer beleuchtete in tiefschürfender Weise Maharils Leben und Wirken, seine Größe und Bedeutung uiid förderte nianchen gai:z neuen Gesichtspunkt zu Tage. Umrahmt wurde die Feier durch Gesäiige, die der 1. Kantor, Herr Agulnik, sowie der Synagogerichorverein gut zum Vortrag brachten. Redner und Säuger wurden mit allseitigem und wohlverdientem Beifall ausgezeichnet. Am Morgen des eigentlichen Todestages besuchten die Mitglieder des Ehcwra-Vereins die Grabstätte des großen Toten uiid verrichteten Gebete zu seinen Ehrcii. Verbände und Vereine. Das Büro des Landesverbands Hessen-Nassau und Hessen des Eentralvereius deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Frankfurt a. M., teilt mit, daß die diesjährige ordentliche Landesverbandsversammlung am Sonntag, den 80. Oktober d. I., in Frankfurt a. M. siattfiuden wird. Die Ortsgruppenvorsitzendcn und Vertrauensniäiiner wollen sich den Tag zum Besuche der Tagung freihalten, insbesondere aus den Geincinden des Freistaates Hessen, weil die Taguiig gleichzeitig der Vorbereituiig zu den hessischen Landtagswahlen dient. Frankfurt a. M. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler veranstaltet anläßlich ihres,30jährigen Bestehens eine Ausstellung, die Sonntag, den 25 September, in: Kunstverein l Junghofstraße 8, in Frankfurt a. M.) eröffnet wird. Diese Ausstellung soll hier erstmalig einen Ueberblick über das 'reiche Material, das die Gesellschaft im Laufe dieser Jahre in allen Ländern erforscht hat, geben. Um auch den alten Familienbesitz zu zeigen, hat die Gesellschaft ihre Mitglieder gebeten, die Ausstellung durch Leihgaben zu erweitern. Es bietet sich somit ein Einblick 'in ein bisher der weiteren Ocffentlichkeit noch völlig unbekanntes Gebiet. Wie bekannt ist, hat die Zentralwolilfnlirtsstclle der deutschen Juden aus Anlaß der Düsseldorfer Ausstellung Gesolei einen Film aus der jüdischen Wohlfahrtspflege mit dem Titel: „Ein Freitag-Abend" Herstellen lassen. Dieser Film wurde im Laufe des vorigen Jahres in 60 Gemeiudcn iin Reich und 21 mal m Berlin aufgeführt und hatte allenthalben den größten Beifall und stärksten Erfolg. Bücherstube ALFRED BODENHEIMER, DARMSTADT, RHeinstr. 24 Für die Feiertage: Machsorim -Gebetbücher. / Reichhaltiges Sortiment allgemeiner und jüdischer Literatur. 9

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