Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 10 (10.1927)
- Date
- 1927-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Die jüdischen Haushaltungen in Hessen nach ihrer Grütze am 16. Vl. 1925. Haushaltungen mit.... Personen 2 I 2 c ® § & •ff 2 a ’S <9 E Q übriges I Starkenburg 1 2 ® | E S I » 3 S « 2 2 ä (9 ~ es ’Z *5* g 2 ‘3 ® g ö ® ® 1 Z E 2 S ® 8 11 S Starkenburg Oberhessen Rheinhessen Hessen 1 24 15 90 11 5 4 63 58 2 14 58 129 | 83 , 132 344 2 j 69; 61; 187 40 7 18 153 130 23 53 141 217 218 347! . 782 3 : 112' : 100 268 55 18 23 220 186' 37 75 177 4801 1 316 475' 12712 4 ' 108' 994 281* 63 13 26 225' 217" 36 94 1525 488'" 32V \ 499'4 13143' 5 67 j 803 21513 50 I92! 22' 19930 1452 382 654 1076 362 0 j 29033 ' 355'4 100763 6 52. 1 615 12922 26 8-! 10' 12425 86* 9 38' 28" 24229 | 16828 16112 57169 7 323 27- 67ls 123 — 5 56" 23' 2 22' 262 126 8 | 7 3 20; 734 27242 8 9' 8 223 51 ll i 1 25’° 17' 2 7 63 39' 3212; 324 10320 9 2' 71 92 21 '! ll j — V 6! 2 2 6 184! 104 16 448 10 1 — 2 — 1 j _ 32 2 — — 1 3 42 ■ 3 102 11 1 — — — — i — 32 — — 2 — : 1 32; 2 62 12 , — I1 ll — — 1' — I — — — 22 i' i — 33 Haushaltungen : 477 459 1271 264 73! 109 1079 870 151 372 702 2107 1525 2095 5727 Personen 1936 1927 4999 1056 295 426 4395 3356 i 595 1524 2476 8862 , 6172 7951 22985 Die kleinen Zahlen geben die Zahl der Haushaltungen mit 2 Familien an; sie sind in der Zahl der Haushaltungen (große Zahlen) enthalten. Die jüdischen Familien in Hessen nach ihrer Größe und Zusammensetzung am 16. Juni 1925. — mit nur Familienangehörigen mit nur Zahl der Familien mit.Personen im Ganzen Hausangestellten und Gewerbegehilfen mit sonstigen Familienfremden Familienangehörigen Hausangestellten Gewerbegehilfen Zimmerabmieter 2 1009 827 163 19 I 1 1836 159 4 * 19 3 1413 878 459 76 3647 490 18 84 4 1372 572 734 66 4577 . 785 49 77 5 1036 339 645 52 7 4327 719 76 58 6 531 127 370 34 2577 472 82 55 7 234 57 163 14 1314 228 76 20 8 85 22 55 8 555 91 21 13 9 38 9 21 8 275 27 21 19 10 7 2 4 1 58 3 8 1 11 12 4 I 3 1 — 40 4 — zusammen | | 5729 2836 2615 278 19206 2974 359 346 „Mehr Gründlichkeit." Eine Forderung zur Beurteilung des Judenhasses. In einer hessischen Gemeinde begegnete es mir kürzlich, datz ich ans meine Erkundigung zu gleicher Zeit die Antworten erhielt: „Wir inerken hier überhaupt nichts von Antisemitismus" und „Antisemitismus war hier immer und wird immer hier sein". Es ist klar, beide Meinungen, die man häufig antrifft, stehen in unlösbarem Widerspruch. Wie kommt es, daß reife, überlegte Männer über eine Erscheinung, die sie in gleicher Weise beobachten können, so verschieden urteilen? Es liegt zunächst daran, daß vielerorts der Antisemitismus mit seinen oberflächlichen Erscheinungen gleichgesetzt wird. Wie man auf der einen Seite rasch mit dem Urteil fertig ist: „Der und der ist ein guter Kunde von mir, dem jüdischen Geschäftsmann, folglich kann er kein Antisemit sein", so kann man täglich erleben, daß wegen einer unbedachten Aeutzerung oder Handlung eine Persönlichkeit zum Antisemitismus gestempelt wird, in Verruf kommt und dadurch erst dem Antisemitismus wirklich in die Arme getrieben wird. Wem es ernsthaft darum zu tun ist, der Ausbreitung antisemitischer Verhetzung entgegenzuarbeiten, mutz sich ebenso fernhalten von einem Nichtsehenwollen, wie von einer Ueberempsindlichkeit, die aus Bagatellen Staatsaktionen macht. Eine Betrachtung, die tiefer blickt, wird unbedingt jede Verallgemeinerung vermeiden müssen. Die abgestempelten Antisemiten, fanatische' Völkisch-Gläubige, die hinter jedem Ereignis „den Juden" sehen, deren Denken und Fühlen vor allem und jedem von Judenhatz, deutsch-völkischer Rassentheorie und Kampfgeist gegen das „sremdblütige Gift" beherrscht wird, sind nur eine kleine Minderzahl in Deutschland. Unter ihnen ist ein ausfallend hoher Prozentsatz moralisch nicht einwandfreier sowie solcher, die sich derart in ihre fixe Idee verrannt haben, datz sie von ihrer Umgebung nicht ernst genommen werden. Mit diesen Leuten soll man sich nur soweit, beschäftigen, als es sich , darum handelt, die Schäden, die ihr Fanatismus anzurichten sucht, abzuwehren. Aber die übergroße Mehrheit der in irgend einem Grade antisemitisch Eingestellten ist keinesfalls mit dieser Gruppe zu identifizieren. Hier handelt es sich nicht um Menschen, die einer antisemitischen „Weltanschauung" anhängen, sondern deren Antisemitismus die Begleiterscheinung anderer dominierender Ansichten ist. Es gab einmal eine Zeit, in der sich die politischen Meinungskämpfe um die Begriffe „liberal" und „konservativ" gruppierten. Der Liberalismus verkörperte das Prinzip der Befreiung des einzelnen von allen historischen und gesellschaftlichen Fesseln. Demgemäß hatte er den Juden gegenüber die Einstellung, die etwa in der Formel zum Ausdruck kommt: „Ich frage nicht nach der Religion des Einzelnen, ich sehe in ihm nur den Menschen". Das konservative Prinzip, das die überkommenen Bindungen aufrecht zu erhalten suchte, mußte diesen Gegensatz zum Liberalismus auch in der Judenfrage behaupten. Sein Antisemitismus war also nicht Grundsatz, sondern nur Begleiterscheinung. Aehnlich liegen die Dinge heute. Die individuelle Betrachtungsweise wurde abgclöst von einer solchen, die die Menschen als Glieder ihrer sozialen Gruppe betrachtet. Der Kamps des liberalen Prinzips der Gleichheit und des konservativen der Verschiedenheit 7