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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-10-01 · 10 (10.1927) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
10 (10.1927)
Date
1927-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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oder aber darr nicht wolle einen anderen Tüchtigen Mann Bor sich zn stellen, und sich mit demselben ab zu finden gehalten sehn, und evcntualiter Bon ambts wegen die restantrarh und bus fällige Bor jene eingestellethingegen aber auch der Jude solchen falls Dienst Täglich mit 20 Kreiber bezahlen, und wie Vorhin verordent worden, Hierunter Verfuhren, so dann auch 2) Tie Judcnschaft, sowohl zn Kriegs als zu Friedens Zeiten bey durch Zügen fremder Völker denen Gemeinden statt die Natural Bequartirung: wo Von dieselbe regnla und wann die Troupen sich nicht sechsten und de facto ein quartiren, oder die anzahl dererselbcn allzu groß seyn solle, billig zu befreyen sind: mit geld Concuriren und zwar jede Tägl. Mund Portion etwa mit 12 xr, die Pferd Portion aber wann solche in 1 Rumpf Hart fntter, und 10 Pfund Heu bestände, mit Io xr, und wann stärkere ratione genommen werden indiftincte mit 20 xr bezahlen, und denen gemeinden zu Vergüthen angewiesen und angehaltcn, rechnen aber auch: wie Wir Vorhin gdgst. Verordent haben auf die Billigkeit, dasi die Juden nicht über die gebühr so wohl bey denen personal Kriegs frohndcn als ein quartirung praegraviret, oder außer der Rehbe und ordnung zu der gleichen Diensten und praestationcn geheißen, und gezogen werden mögen Pflichtmäßig gesehen, endlich aber 3) oft ged. Juden ans bewegenden Ursachen Von der gaßcn Spieß Tragen, so unter die Kriegs frohn ohne dem nicht zu rechnen, so wohl zu Kriegs als Friedens Zeiten in denen jcnigcn Aembtern, Zumahlen wo dergleichen in denen Vorigen Zeiten nicht üblich und h e r k o m l. g e - w e ß e n Zu einer Zeit wie zur anderen, bewanden Umständen nach gäntzlich eximiret sehn, auch übrigens 4) bey erfolgenden Fried und Ruhigen Zeiten, ratione derer übrigen personal Kriegsfrohndiensten wir unterm 9ten April 1738 gdgst. Verordent worden, bey dem alten in jedem ambt üblich gcweßcncn Herkomen es ledigl. belaßen werden solle, als befehlen wir Hiermit gdgst., daß ihr Euch Hiernach unterthänigst achtet, und diese unsere adgste Verordnung denen gemeinde und Juden zu ihre gleichmäßige Nachachtung Bekantmachet, sodann Keinen Theil gegen der gebühr graviren laßet und seynd Trstatt, den 5tcn April 1746: Ex resolutione Generale an die samtl. Beambtcn der Obergrafschaft Catzcnelcnbogen und Herrschaft Epstein. Aufruf! Ein ernstes Wort an die jüdische Gemeinschaft. Männer nnd Frauen. Seid Ihr Euch bewußt, daß die Juden in Deutschland in ernster Gefahr stehen, an Zahl abzunchmen und an Kraft und Gesundheit zu verkümmern? Nein? Nun, dann werft einen Blick auf die einstmals blühenden jüdischen Gemeinden der Kleinstädte und seht, wie sie, selbst da, wo eine nennenswerte Abwanderung nicht stattgefunden hat, von Jahr zu Jahr mehr zufammenschrumpfen, so daß viele von ihnen Rabbiner oder Lehrer nicht mehr besolden können und ihre Gotteshäuser selbst an hohen Feiertagen geschlossen bleiben müssen. Blickt auf die Veröffentlichungen der großstädtischen jüdischen Gemeinden, und Ihr werdet erkennen, wie zahlreich die jährlichen Absplitterungen durch Austritt und Taufe sind. Unterrichtet Euch darüber, daß eine blühende und große Kinderzahl, einstmals Stolz und Stütze der jüdischen Familie, nur noch selten anzutreffen, daß die Geburtenzahl in langsamem und stetigem Abnehmen begriffen ist. Tie Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in Preußen zeigt nach Angabe des Preußischen Statistischen Landesamts folgende Aufstellung: eheliche Geburten 1875—80 im Durchschnitt 11 151 1924 5 381 1925 4 792 Ut °/oo 31 12,9 11,8 Sterblichkeit ca. 6000 5685 5554 Bevölkerungsbilanz für Berlin für das Jahr 1926. (Nach Angabe des Statistischen Amtes der Stadt Berlin). Geburten in jüdischen Ehen 1581 Jüdische Kinder aus Mischehen 99» 1879 Jüdische Sterbefälle 2389 Austritte aus dem Judentum ca. 300 2689 Ter Bevölkerungsverlust der Berliner Juden betrug für 1926 also ca. 8001. Die Berliner jüdische Gemeinde, die 1914 zum Begrün des Krieges ca. 155 000 Juden zählte, hatte 1925 trotz starken Zustromes aus den besetzten^ Gebieten, dem Reich und dem Osten 172 000 Juden, was nur aus den starken inneren Verlusten zu erklären ist. Auf 1000 Berliuer Juden kommen neuerdings nur noch ca. 10 Geburten jährlich gegenüber 17—18 bei den Franzosen. 6 Ein Teil des Nachwuchses geht durch die Mischehen verloren, die an sich gering an .Kinderzahl sind. Die Ehelosigkeit hindert zahlreiche jüdische Mädchen, zur Mutterschaft zu gelaugcn. Eine > der Ursachen des Geburtcurückganges ist ferner die Spätchc; sie trägt erfahrungsgemäß auch einen großen Teil der^ Schuld an der traurigen Tatsache, daß Nervosität unter den deutschen Juden stärker verbreitet ist als unter anderen Bcvölkerungsschichtcn, daß die Zahl der Selbstmorde erschreckend zugenommcn hat und Mißstände auf geschlechtlichem Gebiete mit ihren schweren gesundheitlichen Folgen sich ausbreiten. Die Selbstmorde betrugen in Preußen auf 100 000 Lebende der Bevölkerung im Jahre 1925 bei der evangelischen Bevölkerung 27,9, der katholischen 13,5, der jüdischen 53,21. Wollt Ihr solchem Niedergang mit verschränkten Armen zuschaucn? Nein und abermals nein! Ter Bestand des Judentums muß gesichert werden, und er kan n gesichert werden, wenn mau die drohendcu Gefahren erkennt und ihnen zu begegnen sucht.- Was aber kanu geschehen? Wirksame Maßnahmen müssen einsetzen. Von diesen sind zunächst ins Auge zu fassen: die Ermöglichung der F r ü h e h e durch Ausgestaltung von E h e - kassen von seiten der jüdischen Gemeinden, die Einrichtung von Eheberatungsftcllen, Wochenhilfe, Förderung der Stillpropaganda durch Wort und Tat, die Unterstützung aller Bewegungen, die auf körperliche .Kräftigung unserer Jugend abzielen. Daneben muß an einer B?rufsumleitung gearbeitet werden, die allen äußeren Schwierigkeiten zum Trotz berufstätige Juden da einreiht, wohin sie nach Anlagen und Neigungen gehören, und sie nicht sinnlos in wenigen Berufen anhäuft, weil mau sie bisher nur in diesen dulden wollte. Ebenso müssen die Siedlungsbestrcbungcn mit allen Kräften gefördert werden. So muß endlich eine vernünftige Verteilung von Juden auf Stadt und Land zustande koinmen und nicht allmählich die licht- und lustlose Großstadt zum einzigen Asyl eines verkümmernden Geschlechts werden, lind vor allem: Mütter! An Euch ist es, in Euren Kindern das Verantwortungsgefühl für das eigene Geschlecht und für die künftigen jüdischen Generationen zu erwecken und zu stärken. Der Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden geht in Gemeinschaft mit gleichstrebenden großen Organisationen voll Ernst an die Bearbeitung dieser Aufgaben. Er ist sich bewußt, daß ihre Lösuug noch viel Zeit und Arbeit erfordern wird. Unlösbar aber müssen sie bleiben, wenn die Juden Deutschlands ihnen nicht das nötige Verständnis entgegenbringen. Darum, Glaubensgenossen, achtet von nun an mit erhöhter Aufmerksamkeit auf alle Fragen der jüdischen Bevölkerungspolitik, arbeitet in Euren Gemeinden an ihnen mit und benutzt im Kreise Eurer Familien und Eurer Bekanntschaft jede Gelegenheit, um Gleichgültige und Ununterrichtete mit Hilfe des von uns zur Verfügung gestellten Materials darüber aufzuklären, daß es augenblicklich keine wichtigere Frage für uns geben ßbnn, als einen ausreichenden Nachwuchs in körperlicher ' Kraft und geistiger Frische heranzuziehen! An die Rabbiner und Lehrer ergeht der Ruf, in gottesdienstlichen Veranstaltungen und öffentlichen Versammlungen im Sinne unseres Aufrufes zu wirken, den Gemeindevorständen erwächst die Pflicht, ihre Kraft einzusetzen für die Erneuerung eines gesunden Familienlebens. Ter Wohlfahrtsausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. ^m Anschluß an den vorstehenden Aufruf und die beigcfügte ZahlKnzvsammenstellung sind wir in der Lage die für unsere nähere Umgebung, für den V o l k s st a a t Hessen in Betracht kommenden Zahlenverhältnisse unter einem besonderen Gesichtspunkt mitzuteilen. Die beiden folgenden Zahlenpläne geben in der ersten Zusammenstellung einen Ueberblick über die jüdischen tunf?.C11 J.n Hessen nach ihrer Größe am 16. Juni .0' in ^sst30(lzusammenstellungcn für die größeren Städte und für das übrige Land der drei Provinzen;' in der zweiten L-tatistik wird auch die Zusammensetzung der jüdischen?amr!llC]Lul Heßen nach dem Bestand vom '16. Juni 1925 dargestellt. Wir sehen besonders aus dieser letzten Zusammenstellung mit erschreckender Deutlichkeit, daß d,e Familien mit nur zwei oder drei Personen, welche Familienangehörige find, die weitaus größten Zahlen ausweisen, nämlich 827 und 878; dies sind die Familien ohne Kinder oder mit eiiiem Kind. Schöii bei Familien mit wer famiUcneigenen Personen fällt die Zahl sah aus- 572, um sich dann in dauernd starkem sinken weiter zu ^s °?Ü -rll Hessen noch eine verhältnismäßig ^denbevolkerung vorhanden ist, silid doch auch w Äi?'beanmtwendes Bild vom Zusammenschmelzen der Mdstchen Bevolkernng in Deutschland. Ob wir allerdings durch die Veronentlichung dieser Zahlen, und wenn sie noch so schreckfrarV£n^.-biemn-- gelten werden, erscheint uns sehr fraglich, —w Grunde für wese Zeiterfcheinung liegen tiefer und Sm" UU§ bIcHetd)t cmmnI 2lulaß zu besonderer Betrachtung 0eüe ' Dr. L.

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