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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-09-01 · 9 (9.1927) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
9 (9.1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Gemeinde, dessen Nnmen diese Gabe ehrend gewidmet ist, dem (‘pi-ra) “12 2p>"> “i 2“,n 12T12 Fünf Jahrhunderte sind demnächst verssassen, seitdem dieser Meister zu Dir, Du Herr der Geister, heimgekehrt ist. Sein Geist lebe in uns durch Dein Wort. So sprechen wir dankbar in dieser Stunde, da wir zum erstenmal aus dieser Rolle Dein Gotteswort künden und vernehmen, das Gebet der Weihe. ,Trn pr? hsrpi cmn 772 wpiR n nr» pr,2 »Du aber, ewigalte ewigneue Lehre: Dich grüßen wir! In Ehrfurcht tat sich dir ans die Pforte unseres Tempels. In Ehrfurcht tut. sich auf Dir unser Herz. Weile bei uns und lehre uns. Gib uns Greift, bring' und wahre unser Heil! Laß unsre Gemeinde und jedes Hans in ihr gesegnet sein allezeit! In Ehre wollen wir dich hüten. Wo wir wandeln, leite uns. Wenn wir uns niederlegen, hüte uns, und wenn wir wachen, sprich zu uns! Amen!" Diese Weihefeier wird den Teilnehmern, die zahlreich im Gotteshaus erschienen waren, unvergeßlich bleiben. Mainz. Am 29. August d. I. verschied dahier nach kurzem Krankenlager Herr Julius Cahn, Seniorchef der Firma Herz Cahn. — Die Beerdigung fand unter überaus starker Beteiligung statt. Herr Rabbiner Tr. Bondi schilderte in formvollendeter Rede die hervorragenden Eigenschaften des Verblichenen; die mustergültige Art seiner Elternverehrnng und Kindererziehung, seine wahrhafte Frömmigkeit, feinen Fleiß und seine unermüdliche Wirksamkeit als Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Jsr. Religionsgesellschast in Mainz. — Den Tank derselben stattete Herr Dr. Schlessinger ab. Herr Rabbiner Tr. Cahn, Fulda, beklagte den Heimgang des allverehrten Familicnglicdes. "222“: Mainz. Frau Fürth, Witwe des Kunstkenners und-Sammlers Sally Fürth in Mainz, hat anläßlich ihres 80. Geburtstages der Kunstsammlung der Mainzer Religionsgemeinde, der ihr Vater als Vorstandsmitglied angehörte, ein ans Edelmetall her"""elltes Schäden in dankenswerter Weise zum Geschenke gemacht. — Der Gescbenkaeaenständ, der bei Beschneidnngen in Benützung war, ist in Renaissancestil gehalten, er war auf der Kölner Jahrtausendansstellnng ansgestellt und hat dortselbst allgemeine Aufmerksamkeit und Bewunderung erregt. — Viernheim Am Sonntag, den 21. August 1927, beging die israelitische Gemeinde Viernheim das hundertjährige Bestellen ihrer Synagoge mit einem Festgottesdienst. Nach einer Begrüßungsrede des Lehrers L o e w hielt Rabbiner D r. Italiener, Darmstadt die Festprcdiat. Kraft, Stolz .und Geduld erfülle den Juden, der der Väter, dw dieses Gotteshaus errichteten, gedenkt. Von ihrer Tat ging um so größeres Licht aus, als bis damals die Juden von ' außen unterdrückt und im Ghetto innerlich verkümmert waren. Oberarzt Dr. Fried, Worms hielt die Gedächtnisrede für die im Weltkrieg gefallenen Juden der Gemeinde Viernheim. Er schilderte, wie die Schicksale des deutschen Volkes überhaupt im Weltkriege waren. Er erhob Anklage gegen diejenigen, die den deutschen Juden die Treue zuin Vaterland dam't löhnen, daß sie eigens Parteien zu ihrer Bekämpfung bilden. Mit dem Gelöbnis,-das Andenken unserer Toten nie zu vergessen, enthüllte er die Kriegergedenktafel. Tie Fahnen der Abordnungen der Krieaervcrbände „Hasfia" und „Teutonia" und des ,.Reichsbanners Echwarz-Rot-Gold" senkten sich zu Ehren der Gefall neu. "m Namen der Geineinde Vürnheim erklärte Bürgermeister Lambertb, daß er eigens seinen Urlaub unterbrochen habe, um an dieser bedeutungsvollen Feier teilznnehmen. Es fei ihm ein Bedürfnis, den vorbildlichen Beziehungen aller Konfessionen in der Gemeinde Viernheim Ausdruck zu geben. Möge überall eine solche Verbundenheit unter den Konfessionen, eine wahre Volksgemeinschaft, herrschen, nur so läßt sich der Wiederaufbau unseres Vaterlandes durchführen. — Kaplan O e st r e i ch e r überbrachte die Glückwünsche zugleich im Namen des Herrn geistlichen Rat Wolf, der gesamten Pfarrgcistlichkeit, des Kirchenvorstandes und der katholischen Gemeinde. Er begann in hebräischer Sprache mit dem Psalmworte: „Wenn der Herr nicht wacht, wacht der Wächter umsonst." Einigkeit, Treue und Nächstenliebe sollen, so wünscht er, die Menschen erfüllen und schloß mit der Fürbitte, daß der Herr dieses Gotteshaus schützen möge. Negiernngsrat Dr. Jann, Heppenheim a. d. Bergstr., überbrachte die Glückwünsche des hessischen Kreisamtes und gab interessante Einzelheiten aus den Akten des Kreisarckivs von vor 100 Jahren über den Synagogenbau zur Kenntnis, die er eigens aus dieser Veranlassung hervorgesucht hatte. Direktor Benjamin, Darmstadt, überbrachte die Glückwünsche des Landesverbands der israelitischen Religionsgemeinden Hessens, Syndikus Erwin Baer. Frankfurt a. M., diejenigen des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Polizeiobcrwachtmeister Kühne die der Polizeibehörde, ein Mitglied des Synagogenrats die der Gemeinde Mannheim. Rektor Mayr, Vierheim überbrachte die Glückwünsche der Schule und betonte, daß der Grundstein zu der Harmonie aller Bekenntnisse in dem gemeinsamen Schulbesuch gelegt wurde. Die evangelische Gemeinde, deren Vorsitzender wegen auswärtigem Dienst am Erscheinen verhindert war, hatte ihre Glückwünsche vorher schriftlich übermittelt. Prachtvolle Chöre des Klaussynagogenchors, Mannheim, mit Solis des Oberkantor Eppstein umrahmten weihevoll die Ansprachen. Mit dem Kaddischgebet endeti? die auf die zahlreichen jüdischen und christlichen Teilnehmer tiefen Eindruck machende Feier. Wallertheim. Am 31„Juli 1927 veranstaltete der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eine Bezirksversammlung, die aus Wallertheim, Alzey, Freilaubcrsheim, Sprendlingen, Wöllstein, Wörrstadt, Niedersaulheim, Steinbockcnheiin, Gau- Bickelheim, Armsheim und Flonheim zahlreich besucht war. Herr Syndikus Baer aus Frankfurt a. M. gab den Hörern eingehenden Aufschluß über die Propagandamethoden der völkischen Bewegung uiid ihrer Auswirkungen. Lebhafte Zustimmung gab der übereinstimmenden Anschauung Ausdruck, daß jeder Glaubensgenosse die Pflicht hat, die Abwehrtätigkeit des Zentralvereins mehr denn je zu unterstützen. Infolgedessen meldeten sich eine Anzahl neuer Mitglieder an. Worms. Hier fand unter außergewöhnlich großer Beteiligung die Beerdigung des im 36. Lebensjahre verstorbenen praktischen Arztes Dr. Fritz S a l o m o n statt, Sohn des früher in Gießen wirkenden und jetzt hier im Ruhestand lebenden Oberreallehrers Aron Salomon. Ohne Unterschied der Konfession oder der politischen Einstellung waren sie erschienen, um dem Mann, der sich im Kriege bei Verdun, in Flandern und Mazedonien so rühmend hervorgetan, daß das Eiserne Kreuz 1.und2. Kl. mb andere Orden fehle Brust schmückten, üe letzte Ehre zu erweisen. Und wie er sich im Kriege als tapferer Soldat gezeigt, so auch hier, wo er sich als Arzt niedergelassen, als gewissenhafter Berater seiner Kranken. Bei seiner ausgedehnten Praxis hatte er noch Zeit, sich all den Vereinigungen zuzuwenden, die die Verteidigung des Vaterlandes und des Judentums sich zur Aufgabe gemacht haben. So gehörte er der Talberg-Loge an, dem Reichsbnnd jüdischer Frontsoldaten, dem Reichsbanner Schwarz- ' Rot-Gold uiid allen hiesigen Sportvercineii. Wo es sich darum handelte, Deutschtum und Judentum zu verteidigen, stand er an erster Stelle. Dieses edle und heldenmütige Wirken wurde von allen Rednern, von Rabbiiier Dr. Holzer, vori Isidor Kiefer für die Dalberg-Loge, von Oberarzt Tr. Fried für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, voii Tr. Greif für die Veda lWürzburgß von den Aerzten Tr. Bayerthal und Dr. Weckerling für die ärztlichen Vereine uiid von drei Vertretern von Sportvereinen zum Ausdruck gebracht. Sind diese Ehrungen auch für die Witwe und die greisen Eltern nur ein schwacher Trost, so empfinden sie doch das beruhigende Bewußtscili, daß auch andere iii ihrem Gatten uiid Sohne das Ideal eines edlen Menschen verehrten, der zwar noch jung an Jahren, doch Großes geleistet hat. & Verbände und Vereine. Vom Eeutrulverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Landesverband Hessen-Nassau und Hessen, wird uris geschrieben: In den letzten Wochen sind auf dem Fralikfurter Büro aus allen Teilen Rheinhessens wiederholt Anfragen eingelanfen, ob und was gegcii die verhetzenden Artikel der in Worms erscheinenden Wochenzeitung „Die Faust" unternommen werde. Wir sind ans nahestehenden Gründen liicht in der Lage, in der Oeffentlichkeit hierüber Auskunft zu geben, stehen unseren Mitgliedern aber zur mündlichen und schriftlichen Auskunft gerne zur Verfügung. Ganz allgemein kann gesagt werden, daß wir die gesamte gegnerische Bewegung aufs genaueste verfolgen und alle Maßnahmen prüfen und durchführen, die im strengen Rahmen von Gesetz uiid Moral eine Milderung der politischen Vergiftung gewährleisten. Wie iliis die Zeutralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden mitteilt, beginnt am 26. September der Verkauf der Hindenburgwohlfahrtsbriefmarken anläßlich des 80. Geburtstages des Herrn Rcichspräsideiiten. Der außerpostalische Vertrieb wurde der Deutschen Nothilfe übertragen, die ihre Organisation und Erfahrungen in den Dienst dieser Ehrengabe stellt. Der Gesamterlös ebenso wie der einer Hindenburgspende wird Zwecken, die der Herr Reichspräsident selbst bestimmt hat, zugeführt. Der Erlös der Hindenburgspende soll den Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen zusätzlich ihrer Reichsuiiterstützung'der 13

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