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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-09-01 · 9 (9.1927) · p. Seite 12

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
9 (9.1927)
Date
1927-09-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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einige Architckturbruchstücke aus der uralten Wormser Synagoge und einem Worinser Grabstein ans dein Jahre 1142 beschränkt. Aber das wird dciisenigeii nicht wundern, welcher mit der Geschichte der Inden im Mittelalter auch iiur ein wenig bekannt ist. Im ganzen genommen ist die jüdische Kulturhinterlassenschaft nur nebenher von bildnerischer Art, in der .Hauptsache ist sic literarisch niid als solche außerhalb des kleinen .Greises der Spczialgelehrtcn iiicht bekaiiiit. Die berühmten alten jüdischen Gemeinden unseres Gebiets, Worms, Frankfurt, Mainz, Oppenheim, Speyer, waren weder so volkreich iioch so mit Glücksgütern gesegnet, wie das vielfach angenommen wird, und was sie aii rituellen Kunstwerken «.Bechern, Leuchtern, Thoraschmuckt und an häuslichem Kunstgcwerbe, etwa aiich aii kostbaren Ringen, bcscsscii haben, ist in den vielen Verfolgungen des 13., 14. und ID Jahrhunderts geraubt niid zertrümmert worden. Daß die Juden im Mittelalter mancherlei Handwerk getrieben haben, daß fie Goldschmiede, Buchbinder niid Lederarbeiter gewesen sind, weiß iiiaii heute; der Nachweis aber, daß dergleichen sich im erhaltenen Kunstgut befinde, ist kaum einmal zu führen. Gin seltenes Beispiel ist die Lederkapsel zum Erbacher Schcnkcnbcchcr (Katalog der Ausstellung Nr. 516), auf deren Boden sich ein jüdischer Lederschnittkünstler nennt, ein zweites und einzig dastehendes der Braktcat des Kuno von Münzenberg aus dem 12. Jahrhundert, auf welchem neben dem Münzherrn der Münzmeister David Ha Cahcn geprägt und inschriftlich genannt ist. Indessen ist es den Herren Rabbiner Dr. Italiener in Darmstadt, Prof. Frcimann und Kustos Erich Tocplitz in Frankfurt, welche sich vornehmlich um das Zustandekommen der Jüdischen Abteilung bemüht haben, dennoch gelungen, ein greifbares Bild des Lebens der Juden iiu Mittelalter zusammenzustellen. So ergibt sich wenigstens eine Anschauung von den Gotteshäusern, den unterirdischen Bädern, welche auf Grund der frommen Vorschrift zum Spiegel des Grundwaffers hinabreichen mußten, von ihren Frwdhöfen. Die Urkunden und Druckwerke erhellen mit harten Schlaglichtern die Beziehungen, in welchen ine Juden zur Umwelt gcstauden haben, und die geschriebenen heiligen und gelehrten Bücher stecken wenigstens den Umkreis des religiösen und geistigen Lebens, hier und da antastend, ab. Unter anderem sind ausgelegt das berühmte Machsor der Wormser Synagoge aus dem Jahre 1272 und zwei weitere kostbar ausgcstattcte Machsorim (Gebetbücher für die Festtage) des 14. Jahrhunderts, zwei hebräische frühe Bibeln, e>n Psalter um 1500. Auch die erste Nieder'^rist der „Ritualen Gebräuche für Mainz und Umgegend" von Jacob Levi ist da, eine Handschrift aus dem Jahre 1460, welche m der Frankfurter Stadtbibliothck verwahrt wird. Fast alle diese Handschriften zwchnen sich durch eine besondere Schönheit und Sorgfalt der hebräischen Ouadratfchrift aus, welche am charaktervollsten auf denjenigen Buchfeitcn erscheint, wo sie ohne kalligraphische Zutaten gelassen ist. Der jüdische Schreiber — auch heute noch ein Beruf — muß gleich seinen Kollegen in den Klöstern des Mittelalters als ein Künstler aitgeschen werden, und wenn von einer selbständigen jüdischen Kunst geredet werden soll, so ist sie nicht im bildnerischen schmuck der Eodices und nicht in den Steinmetzarbeiten der alten Synagogen, sondern vornehmlich hier zu suchen, wo das cwiglebendige Wort unentrinnbar in die feste Form der Buchstaben gebannt ist. Angesichts der Seltenheit und der schwierigen Erreichbarkeit der in der Jüdischen Abteilung gezeigten Stücke und angesichts dessen, daß weiteren, auch jüdischen Kreisen, diese Dinge so gut wie unbekannt sitid, muß man nachdrücklich betonen, daß die kleine, nach Inhalt Uttd Art so seltsam abstechcnde Abteilung eine wichtige und notwendige Ergänzung der übrigen Ausstellung darstellt. Von alten Iudenfriedhöfen in Hessen. Tie jüdischen Friedhöfe in Wallertheim (Rheinhessen). Wie lange schon Juden in Wallertheim lebten, läßt sich nicht nachprüfen, jedoch ist sicher, daß schon im 17. Jahrhundert Juden hier ansässig waren. Aus der Torfchronik ist zu entnehmen, daß an Juden in diesem Jahrhundert Zahlungen für Lieferungen gemacht wurden. Wallertheim besitzt zwei Friedhöfe. Einen alten, nach Westen gelegen, ganz nahe am Dürfende. Derselbe ist etwa 1X> Meter von der Umgrenzung erhöht, so, daß anzunehmen ist, daß er einmal mit Erde überfahren wurde. Von Lehrer Weinheimer, Oppenheim, einem geborenen Wallertheimer, wurde aus der Torfchronik folgendes festgestellt: Im Jahre 1765 erwirbt die Wallertheimer Judenschaft ein Stück Wiese, und zwar von Schulmeister Heck für 35 Gulden. Ebenso kauften dieselben gleichzeitig ein Stück Wiese von Adam Decker für 30 Gulden zur Erweiterung des alten Friedhofes. Tie Urkunde wurde von sämtlichen damals in Wallertheim lebenden Juden unterzeichnet, und zwar inhebräischer Schrift, wahrscheinlich waren sie der deutschen Schrift nicht kundig. Es sind 7 Unterschriften, die folgend lauten: 1. Jud 12 Peretz Süßkind, 2. Jud Nehem (Nahcmias), 3.Feist Mopses, 4.Löw Schlebohr, 5. Nathan Josias, 6. Bär, 7. Mardochai Levi. Nur von letzterem läßt sich als sicher annehmen, daß hiervon noch Nachkommenschaft lebt, und zwar sind es die Herren Moses und Karl Jsaac, Wallertheim, und Moritz Jsaac in Mainz, deren Urgroßvater mütterlicherseits Mardochai Levi war. Es stehen im ganzen noch 6 Grabsteine auf dem alten Friedhöfe, die übrigen sind teilweise verivcttert oder von ruchloser Hand vernichtet worden, wie sich Schreiber dieses aus seiner Jugend erinnert. Zufällig siiid jedoch zwei Grabsteine gilt erhalten, und zwar der des vorgenannten Mordachai, der etwa 1801 uni) dessen Sohn Mosche, der 1837 verstarb..Dieser wird wohl auch der letzte gewesen sein, der auf dem alten Friedhof beerdigt wurde. Denn obfchon iioch genügend Becrdigungsraum vorhanden, wurde von der Behörde untersagt, weiter zu beerdigen, da der Friedhof an der Westseite an das Dorf angrenzte. .' Es mußte nun vor etwa 00 Jahren der neue Friedhof östlich von Wallertheim an der Sulzheimer Straße angelegt werden. Leider haben auch hier ruchlose Buben ihr schändliches Handwerk geübt und schon vor 5 Jahren Grabsteine beschädigt und umgeworfen. M. I. unseren Verbandsgemeinden. Friedberg i. H. Eine angenehme Auszeichnung wurde unserem geehrten Nestor der jüdischen Gemeinde, dem 87jährigen, m voller Rüstigkeit befindlichen Herrn Moritz Stahl zuteil. Die freiwillige Feuerwehr hielt Ende Juli ihr 65jähriges Gründerfest, und waren zu dieser Feier eine ganze Anzahl auswärtiger Vereine und Vertreter erschienen. Von den Mitbegründern der Wehr leben heute noch zwei Herren, von denen der eine nn Festzuge., mitfuhr, während dies unserem Herrn Stahl infolge der großen Hitze nicht möglich war. Es hat sich deshalb der Montagsfestzug mit Musikkapelle, bevor sich derselbe zum Festplatz begab, nach der Wohnung des Herrn Stahl begeben und ihm in einer kernigen Ansprache sein Verdienst hervorgehoben) Ter Gefeierte dankte gerührt für diese Ehrung in herzlichen Worten und bat, daß die Feuerwehr auch fernerhin ohne Ansehen der Person, ohne Rücksicht auf Reich uiid Arm, und ohne Unterschied des Glaubens ihre vornehme Pflicht erfüllen möge. Mainz Ein seltenes Fest durste die hiesige israelitische Rcligionsgemein.de am Samstag, den 27. August 1027, erleben. Es war die feierliche Weihe einer neuen Thorarolle, die Herr Kommerzienrat B. A. Mayer und dessen Gemahlin anläßlich der Barmizwoh ihres jüngsten Sohnes in hochherziger Weise gestiftet hatten. In monatelangem Fleiß und in peinlichster Sauberkeit von dem über die Grenzen von Mainz hinaus bekannten A. Zeitin geschrieben, wurde die Fertigstellung des "'£2 unter Beteiligung des Stifters und feiner Söhne, der übrigen Vorstandsmitglieder, der Beamten und einem Teil geladener Mitglieder der Gemeinde am voraufgcgangcncn Donnerstag und Freitag vollzogen, indem jeder einzelne der Anwesenden einen Buchstaben am Anfang bzw. Schluß des heiligen Buches ausfüllen durfte. — Das so vollendete wurde dann am Sabbat morgen feiner heiligen Bestimmung übergeben. Unter den Klängen des Feiertagsaushebens wurden sämtliche Thorarollen aus dem w’-iipr; ßwtt herausgenommcn, die beim Gesang des der neuen Thorarolle cntgegcngetragen wurden. Vom Portal des Mittelgangs der Synagoge, wo inzwischen die Thoraträger ein Spalier gebildet hatten, wurde dann das feierlich eingeholt. Tie von den Spendern mit' goldgesticktem Mäntelchen und Krone geschmückte neue Thora zog darauf — als achtzehnte — an der Spitze der übrigen durch die Synagoge, wonach Herr Rabbiner Dr. Levi das neue 2LL aus der Hand des Stifters empfangend ein Dankgebet sprach und die neue Thora mit folgenden Worten in den heiligen Dienst übernahm: „Herr der Welten und der Zeiten! In Demut und mit Freude treten wir vor Dich. Die alte Lehre, die Du einst am Sinai unseren Vätern zuteil werden ließest, ist unserer heiligen Gemeinde in neuer Schrift und neuem Gewände heute geschenkt. Vor Tein Angesicht tragen wir in dieser Stunde dies heilige Zeugnis Deines ewigen Willens als ein. Zeichen opferfreudiger Bereitschaft für Dich und Dein Wort. In frommem Sinn war diese Gäbe gelobt, mit Andacht und Versenkung ward das Werk bereitet, in Unermüdlichkeit und Fleiß ward es vollendet. Nun sei es Dir und Deinem Dienst geweiht. Lohne, ewiger Vater, den Gebern ihre fromme Gabe. Heil und Segen, Freude und Friede sei ihr Teil. Der Sinn, den sie bekundet, walte lebendig an Kindern und Kindeskindern. Nus diesem Buch der Lehre rede Dein Wort und Tein Geist zu unserer Gemeinde. .Andächtig lausche Alt und Jung, Männer, Frauen, Kinder der Weisung, die aus diesem Buche spricht. Zu froh geübter Tat möge sich das Wort gestalten, auf daß wir ein würdiges Denkmal bauen dem Führer in Israel, dem Lehrer unserer

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