Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 7 (7.1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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Die „Meraglim" des 20. Jahrhunderts! Von Lazarus Fried m a n n , Mainz. Eine Betrachtung zum Wochenabschnitt. p Wenn man die zahlreichen Berichte und Schilderungen derer liest, die in den letzten Jahren Palästina besuchten, um sich über den Aufbau des Landes genauer zu informieren, kommt man unwillkürlich auf den Gedanken, einen Vergleich zu ziehen mit den 12 „Meraglim", die Moses vor nunmehr dreitausend Jahren aussandte, um das Land Kanaan auszukundschaften und zu erforschen. Die geteilten Auffassungen innerhalb der Meraglim sowie ihre Beweisführungen haben Aehnlichkeit mit den verschiedenen Ansichten der heutigen Palästinabesucher. Wie man mit Gewißheit annehmen kann, daß die 10 Meraglim, die ungünstig über das Land urteilten, es nicht aus Böswilligkeit taten, — da sie die Ersten in Israel waren i;2 0'82 die Moses nach Gottes Befehl auserwählte — sondern auf Grund einer 40tägigen Untersuchung mit gutem Gewissen und nach ehrlicher Ueberzeugung ihr Gutachten erstatteten, so ist auch den meisten jetzigen Palästinabesuchern, die ungünstig urteilen, der gute Glaube nicht abzusprechen. Ihre ehrliche Ueberzeugung soll nicht bezweifelt werden. Dennoch wurde das Urteil, das die Mehrzahl der Meraglim fällte, stark durch äußere Umstände beeinflußt. Allzugroße Nüchternheit, übergroße Vorsicht, Mangel an Tapferkeit, an Opferwilligkeit und vor allem an Gottvertrauen waren es hauptsächlich, die damals das große Unglück in Israel verschuldeten und die Besitzergreifung des gelobten Landes um 40 Jahre verzögerten. Und wie ist es heute? Droht denn nicht auch jetzt durch dieselben Ursachen eine Verzögerung der von vielen Tausenden Juden erhofften Erlösung? Anderer Anschauung aber war die kleine Minderheit der Meraglim. Diese zwei: Kaleb ben Jefuna und Hoschea ben Nun hatten den Mannesmut, der Mehrheit tapfer entgegen zu treten. Sie haben zwar die großen Schwierigkeiten und Hemmnisse nicht bestritten. Es wäre dies auch unmöglich gewesen, da (bene Anak und Ansche Midoh), die gewaltigen Riesen einmal da waren. Und dennoch sagte Kaleb: 22 221J 2l2i O „Wir werden die Schwierigkeiten überwinden können." Diese beiden Männer besaßen Gottvertrauen und Tapferkeit. Denn 2 1*2 pn 2X „Wenn Gott will", sagten sie, „werden wir das Land bekommen." Sie waren optimistisch, und hegten den ungeheueren Schwierigkeiten zum Trotz die Hoffnung und das Vertrauen, dem jüdischen Volke zu seinem Recht zu verhelfen/ Daß die Bibel die Meraglim als 2*'2 pX2 222 iXÄl2 Verbreiter übler Gerüchte bezeichnet, obwohl mit keinem Wort erwähnt wird, daß sie die Unwahrheit sagten, ist nur dadurch erklärlich, daß sie sich in ihrer zweiten ergänzenden Aussage nach Kaleb's energischen Widerspruch großer Uebertreibungen schuldig machten. 202'U 2228 px „Das Land verzehrt seine Bewohner." erklärten sie. Ebenso ungünstige Momente werden heute übertrieben und aufgebauscht. Günstiges, Erhebendes wird verkleinert oder mit Stillschweigen übergangen. Für das Urteil der Meraglim haben weltliche Macht und körperliche Kraft eine viel wichtigere Rolle gespielt als die geistigen und sittlichen Werte. Auf sie haben die pp 10 Riesengestalten von Kanaan einen gewaltigen Eindruck ausgeübt und im Vergleich zu ihren Volksgenossen, die durch Jahrhunderte lange Knechtschaft in Aegypten körperlich geschwächt waren, haben sie sich wirklich als „Heuschrecken" gefühlt. Die inneren moralischen und sittlichen Kräfte, die in den Kindern Israels durch das Testament Josephs 22™ 2p£i 2pc „Gott wird Eurer gedenken und wird Euch erlösen", vorhanden waren, haben die Meraglim gering eingeschätzt. Auch heute legt man zu viel Gewicht auf die große Anzahl Araber, die in Palästina ansässig sind, ohne den göttlichen Geist in Betracht zu ziehen, der Millionen Juden seit Jahrtausenden beherrscht, und die niemals die Hoffnung auf Erlösung ausgegeben haben, die fest an die prophetischen Worte glauben 21821» 2 228 VU22 28 12 reo 821 2*122 82 „Nicht mit Heeresmacht und nicht mit Körperkraft sondern nur mit meinem Geist spricht ß. Scftlilt, (Dainz “Sä Spezialgeschäft für Berde, Oefen, Gasapparate, GrojjkochanlageiL Reparatur- Werfeftätte, :: Beiztechniidhes Büro. der Herr Zebaoh". Der Geist Gottes war es damals, der die Minderheit der Meraglim und nachher ganz Israel beherrschte, wodurch Erez Israel eine Wiege der Kultur und Menschensitte für alle Völker der Welt wurde. Auch in unserer Zeit ist es nur der göttliche Geist, der bewirkt, daß tausende von Juden und auch 221p,2 21218 NON hochgesitteter Nichtjuden vom Wiederaufbau des heiligen Landes ein neues Zentrum für jüdische Geisteslehre und Menschenrechte erhoffen. Aus den Uebertreibungew der Meraglim, Kanaan als ungeeignet für Israel darzustellen, ersieht man, daß sie überhaupt keine Neigung für das Land hatten, in das sie Moses führen wollte. Die Fleischtöpfe Aegyptens waren ihnen lieber. Das von ihnen kleinmütig gemachte Volk rief es ja demonstrativ in seinem Schmerz aus: 2212S2 221t2;l t2X2 2:2 J „Zurück nach Aegypten". Diesen Zusammenbruch herbeizuführen, war offenbar die Absicht der Meraglim. Daher auch die schwere Strafe, die Gott über sie, als 21222 28 2222 die Verführer der Masse verhängte. Die Ursachen des Verhaltens mancher Palästinabesucher sind heute offenbar Oie gleichen wie damals. Das Aufblühen eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina ist ihnen aus den verschiedensten Gründen unangenehm. Und daraus entstehen die ungünstigen Berichte. Hierdurch wird das ganze Aufbauwerk in ein düsteres Licht gestellt, und das jüdische Volk, auch der Nichtzionist, der sich für Palästina zu interessieren beginnt, wird ungünstig beeinflußt. Ein tragisches Drama, das sich vor 3000 Jahren in Israel abspielte, wiederholt sich jetzt vor unseren Augen. In nachfolgenden 3 Artikeln wollen wir unseren Lesern einen kleinen Ausschnitt geben von der ebenso vielverzweigten, wie segensreich wirkenden jüd. sozialen FUrsorgetätigkeit. Die Schriftleitung. Fürsorge für jugendliche Psychopathen. Seit der Tagung der „Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" im vorigen Jahre in Düsseldorf, macht sich der Mangel an geeigneten Einrichtungen für psychopathische Kinder und Jugendliche immer empfindlicher geltend, und innner wieder wird auf die Notwendigkeit der Schaffung solcher Einrichtungen hingewiesen. Es scheint daher im jetzigen Zeitpunkt zweckmäßig, einen ausführlicheren Bericht über die Beratungen dieser schwierigen Fragen, die schon bei der Düsseldorfer Tagung einen breiten Raum eingenommen haben, in die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, damit jeder, der an der Erziehung unserer Jugend Anteil nimmt, sich an der Lösung dieser, für den Gesamtbestand des Judentums bedeutungsvollen Aufgabe beteiligen kann. In Düsseldorf führte der Heilpädagoge, Lehrer S a w a d y , in seinem Referat über jugendliche Psychopathen etwa folgendes aus: - Wir vermissen schmerzlich die Fürsorge für diese Kinder mit krankhafter Psyche, die sich in Willensschwäche, in heftigem unvermitteltem Stimmungswechsel, in starken unbeherrschten Affekten äußert. Zweifellos sind die Grenzen zwischen erziehbarem Schwachsinn, Debilität, Imbezillität und Psychopathie und nicht oder schwer erziehbarem Schwachsinn, höheren Graden der Imbezillität und Idiotie sehr fließend. Um so mehr aber müssen wir uns bemühen, alle Kategorien psychopathischer Kinder und Jugendlicher zu erfassen und ihnen die notwendige Fürsorge zuteil werden zu lassen, weil ohne rechtzeitiges Eingreifen die Gefahr der Verwahrlosung und des gesellschaftsfeindlichcn Verhaltens drohend ist. Sawady sagte weiterhin, daß die beste Fürsorge ein besonderes Heim für Psychopathen wäre, denn es sei unrichtig, psychopathische Kinder in Anstalten für Schwachsinnige oder in Irrenanstalten unterzubringen. Die Forderung nach Schaffung eines besonderen Heimes ist übrigens schon vor längerer Zeit auch von dem Verein der Leiter und Leiterinnen jüdischer Erziehungsanstalten Deutschlands erhoben worden, und auch der Verein „Beelitz" hat sich mit der Frage der Errichtung eines solchen Heims des öfteren beschäftigt. Es stehen aber der Schaffung eines Heims in der heutigen Zeit Schwierigkeiten entgegen; einerseits fehlt es an Geld zur Molkerei LEBER, Bodenheim b. Mainz Fernruf 42 Täglich frische Süßrahm-Tafelbutter Spezialität: Vollmilch Yoghurt-Molkereiprodukte-Eier Verkaufsstellen: MAINZ Emmeranstr. 27-Telef. 5647, Holzstr. 11 BAD-KREUZNACH Mannheimerslrasse 43, Telefon 1088 li