Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 7 (7.1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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für sich. Nach dieser Behauptung hättet Ihr nicht gegen Herrn Koblenz, sondern gegen die dortigen Gemeinden zu klagen. Wir aber in Ungewißheit, aus wessen Seite das Recht besteht, können unsere Vermittlung zu Eueren Gunsten nur dann Euch zuteil werden lassen, wenn Ihr 1. schriftliche Belege neueren Datums dafür, daß das Bistum Speyer zu Euerem Rabbinate gehört und daß demnach Herr Koblenz widerrechtlich, etwa durch seine obrigkeitlichen Gönner, sich zum Rabbiner ausgeworfen; 2. eine genügende Vollmacht, Euere Rechtssache hier zu vertreten an uns einsendet. Solange dieses nicht geschehen, können wir nicht das Geringste für Euch tun, denn vielleicht haben die Speherer triftige Gründe, von dem Rabbinate Worms getrennt zu bleiben. Wenn Ihr aber Euere früheren Rechte bezüglich der Zugehörigkeit der betreffenden Gemeinden gegen diese geltend machen wollt, so wird sich wohl eine rabbinische Autorität in Euerer Nähe beftnden, die in dieser Sache entscheiden würde. Für uns sind beide Parteien zu weit entfernt, um einen Ausgleich zustande zu bringen. Alles dieses haben wir für Recht erkannt, Euch zu erwidern. Unter Versicherung unserer steten Geneigtheit zeichnet namens der sämtlichen Vorstände Meschulom Zeiwel, Sohn des sei. Jakob Joseph. Aus unseren Verbandsgemeinden. Heute gilt es einem Veteranen im Dienste des Judentums Worte des Dankes und der Anerkennung auszusprechen. Dieser Veteran des Lehrerberuses ist Herr S. R o t h s ch i l d in Worms. Nach 60jähriger Tätigkeit tritt er am 1. Juli 1927 in einen wohlverdienten Ruhestand. Rothschild ist am 12. Januar 18-18 zu Külzheim in Baden geboren, genoß seine Ausbildung in Tauberbischossheim, bei Herrn Rabbiner Dr. Löwenstein sel. A., und aus dem Lehrerseminar in Karlsruhe. Nachdem er inGrötzingen bei Karlsruhe eine Anstellung als israelitischer Lehrer gesunden hatte, kam er in dieser Eigenschaft im Jahre 1872, also vor 55Jahren,nachWorms. Im Jahre 1874 wurde er, nachdem er inzwischen das hessische Lehrerexamen in Darmstadt gemacht hatte, stellvertretender Schulverwalter und später Lehrer an der Volksschule zu Worms. Er war der erste jüd. Lehrer an einer Simultanschule in Hessen. Als Volksschullehrer hat er bis zum Jahre 1922 gewirkt. Den hebräischen Unterricht, den er im Dienste der Gemeinde erteilte, gab er am 1. Oktober 1926 aus, aber das Sekretariat der israelitischen Religionsgemeinde Worms, welches er im Jahre 1886 übernommen hat, war bis zum heutigen Tage in seiner bewährten Hand. Daß Rothschild neben seiner starken dienstlichen Inanspruchnahme noch Zeit fand in Vereinen und Verbänden der verschiedensten Art an führender Stelle zu wirken, beweist, daß dieser Mann von dem Streben erfüllt ist, geistig zu fördern und sozial zu Helsen. Und wer erst die zahlreichen literarischen Arbeiten Rothschilds liest, der muß mit Staunen die Unermüdlichkeit und Vielseitigkeit seines Schaffens und Strebens erkennen. Unser Mitteilungsblatt hat an diesem Veteranen, der kurz vor der Vollendung seines achten Lebensjahrzehntes steht, einen seiner rührigsten Mitarbeiter. Rothschilds Schassen ist ein Vorbild eines jüdischen Lehrerlebens. Ein solches vorbildliches Leben, dies sei am Tage seiner Amtsniederlegung hier ausdrücklich betont, ist eine Heili¬ Photogr Füller- Worms Adam Hatzmann jr.,«-.-. OsleinslraDe 2 MdiflZ Fernruf 805 Kohlen :: Koks :: Holz :: Briketts Spezialität: Erstklassige Anthrazitkohlen (Marke Lancenbrahm) Pa. Zechenkoks a best. Ruhrzechen Reelle Bedienung Billigste Preise Vertretung: Frau Dr. Leopold Mayer, Kaiserstrafle 62, Fernruf P67 gung des göttlichen Namens und ein Ruhm für das gesamte Judentum. Mit dem Dank für dieses Lebenswerk verbinden wir heute den Wunsch, daß Herrn Rothschild noch viele Jahre die Kraft gegeben sein möge, auch nach Ausgabe seiner Aemter, literarisch tätig zu sein und weiteste Kreise durch seine Arbeiten zu belehren und zu erfreuen. njp D'ntrsn hkö np Alzey. Am 28. Mai feierten Herr Karl Neuberger und Frau Mathilde geb. Belmont, das goldene Hochzeitssest und der Jubilar den 80. Geburtstag. Der Festtag gestaltete sich zu einem großen Ehrentage für die Jubilare durch die Glückwünsche und die Auszeichnungen, die auch die hohen Behörden und Vereine darbrachten. Bürgermeister Dr. Hill hielt eine herzliche Ansprache und überbrachte die schriftlichen Glückwünsche des Ministeriums in Darmstadt und der Stadtverwaltung Alzey, ebenso übersandte das Kreisamt ein ehrendes Schreiben. — Der Vorstand der israelitischen Gemeinde, dem der Jubilar früher viele Jahre als Schriftführer angehört hat, übersandte ein Blumengeschenk und war selbst erschienen. Der Vorstand des Oratorien-Gesangvereins, dessen Schriftführer der Jubilar seit einem halben Jahrhundert ist, ernannte ihn zum Ehrenmitglied, ebenso gratulierte dem vorzüglichen Stenographen der Gabelsberger Stenographenvcrein, dessen Mitbegründer vor 60 Jahren und Ehrenmitglied der Jubilar ist. Besonders zahlreich waren die Glückwünsche der hessischen Freimaurerloaen. In der Loge „Carl zum neuen Licht", zu Alzey, iu der der Gefeierte bereits im voriaen Jabre sein goldenes Maurerinbiläum aehalten. war der Jubilar 10 Jahre Präsident als Meister vom Stuhl und ist in derselben zum Ehrenmeister ernannt. Schon anläßlich seines 70. und 76. Geburtstages wurde Herr Neuberger für seine treue Arbeit im Dienste der Loge und der Menschheit Ehrenmitglied der Großloae und Loge in Darmstadt, der Logen in Ossenbach und Gießen. Mainz, Worms und Biugen, wahrlich eine seltene Auszeichnuna. Herzlich waren auch die Glückwünsche aller hessischen Loaen und der erschienenen Deputationen. — Dk'n Höhevunkt bildete die reliaiöse Feier, die Bezirksrabbiner Dr. Julius Lewit in Alzey, der Schwiegersohn des Jubelpaares, im Hause veranstaltete, die den zahlreich Erschienenen unvergeßlich bleiben wird — Möge den Jubilaren noch ein sonniger Lebensabend beschieden sein. Darmstadt Am 16. Juni d. I. beging Herr E. Hauser sein 26iähriges Jubiläum als Cantor und Lehrer der israelitischen Religionsgcmeinde Darmstadt. Die mannigfachen Ehrungen und Geschenke, die ihm aus diesem Anlaß zuteil wurden, legten Zeugnis ab von der hohen Wertschätzung, die der Jubilar in den weitesten Kreisen der Gemeinde sich erworben hat. Eine aus fast sämtlichen Mitgliedern des Vorstandes bestehende Deputation erschien am Morgen in der Wohnung des Herrn Hauser, die einem Blumengarten glich. Rabbiner Dr. Italiener würdigte im Namen des Vorstandes in längerer Ansprache die mannigfachen Verdienste des Jubilars um die Gemeinde in Gotteshaus, Schule und Friedhossangelegenheiten besonders auch während der Kriegszeit. Der 1. Vorsitzende L. Hachenburger überreichte im Namen der Gemeinde eine größere Ehrengabe. Mögen dem wackeren Manne noch viele Jahre kraftvollen Wirkens beschieden sein. Gießen. Laut Mitteilung des zuständigen hessischen Ministeriums an den Landesverband der israelitischen Neligionsgemeinden Hessens läßt sich die in Vorschlag gebrachte jüdischrituelle Küche innerhalb der Universitätskliniken bei den gegenwärtigen räumlichen Verhältnissen bei den allein dafür in Betracht kommenden Verwaltungen nicht durchführen. (Die in Nr. 26 des Hamburger Israelitischen Familienblattes gebrachte Begründung dieser Ablehnung und die daran geknüpften Bemerkungen entsprechen also nicht den Tatsachen.) Warnung! „Der Zentralverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener E. V.", Berlin NC 18, Gr. Franksurterstraße 53, versendet zur Zeit ein Rundschreiben, in welchem er jüdische Geschäftsleute um Spenden und Sachwerte für sein Heim „Haus Germania" in Wangerooge bittet. Da das Haus streng antisemitisch geführt wird und keine Juden ausnimmt, ist Zurückhaltung unserer Glaubensgenossen mit Spenden geboten. 10