Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 7 (7.1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Aktenstück über Bamberger, daS sich im Archive befindet, ist sein „Rabbonusbrief", sein Vertrag mit der^jüdischen Gemeinde. Er ist in prächtiger hebräischer Sprache abgefaßt. Als Jahreszahl sind die Worte: da er Jakob hieß, gewählt: pfc'? -p*"1 NLtt'' Die punktierten Buchstaben geben die Jahreszahl 1824. Ta er 1864 starb, hatte er also volle 40 Jahre das Rabbincramt hier.bekleidet. Rabbi Koppel Bamberger wurde zu Ncckarbischofsheim lBadeir) 1785 geboren. Sein Vater 'war der gelehrte Rabbiner M o s e s Bamberger, seine Mutter war eine Tochter des talmudisch berühmten Rabbiners Simon Flehinger, Rabbiner von Mühringen. Da die Eltern ihren Sohn immer bei sich haben wollten, wurde er zu Hause vou den tüchtigsten Lehrern unterrichtet. Der gut beaulagte und strebsame Jüngling hatte kaum das 18. Lebensjahr erreicht, als er von dem bedeutenden Rabbiner Ascher aus Karlsruhe die. „Moreuu" erhielt. Mit eisernem Fleiße betrieb er das Studium der beiden Talmude, der Poskim und Meforschim. Ganz besonders zogen ihn die Werke des großen Maimonides an. In seinem 10. Jahr heiratete er die Tochter des Mannheimer Rabbiners Getschlik Alsens — bald darauf wurde ihm das Rabbinat der Stadt und des Bezirks Heidelberg übertragen. Der schon genannte Rabbiner Ascher berief ihn nach Karlsruhe, um gemeinschaftlich die Schritte zu beraten, welche der Einführung deutscher Gebete mit Orgelbegleitung entgegenarbeitcn sollten. Nach dem Tode seines Vaters wurde er zu dessen Nachfolger und 1824 zum Rabbiner von Worms gewählt. In § 1 seines Vertrags ist der Freude Ausdruck gegeben, daß die Gcnicinde einen solchen „Fürst Gottes" als Rabbiner erhalten habe. Als Gehalt erhielt er wöchentlich 0 Giilden und eine Freiwohnung, doch hatte er die Verpflichtuiig, in den erstell 8 Jahren der Witwe des Rabbiners Eisik Adler wöchentlich 8 Gulden abzugebeii: Eine Ausbesseruilg durfte er in den erstell 10 Jahreil nicht verlangell. Auf allen Gebieten seiner Tätigkeit zeigte sich Bamberger als frommer, edler urld besoilneiler Maiill. Da er sich in feinem, Studium sciue „Welt" schllf, so zeigte er für die Außenwelt wenig Interesse. Glücklich war er, als eine große Anzahl vou auswärtigcil Schülern sich um ihn scharte, die später bervorrageildc Rabbinatssitze einnahlnen. Die materiellell Verhältnisse der Wormser Gemeinde schienen danlals 'recht traurige gewesen zli sein, dcnil oft lilllß Bamberger Klage darüber führeil, daß er fein Gehalt, „das er zum Leben brauche", llicht regelmäßig allsbezahlt bekomme. Ja, einmal wollte mau sogar fein Gehalt kürzell, das Fehlende sollten die Landgemeinden, die sich in kasuistischen Fällen an ihn wandten, ergänzen. Der Minister v. D a l w i g k hat die Genehmigung hierzu llicht erteilt. Im Jahre 1886 wünscht der Vorstand die Anstellung eines akademisch gebildeten Predigers. Bamberger sträubt sich dagegen, willigt aber schließlich ein und so wirken Dr. S. Adler, Dr. A. Adler, Dr. Levysoh'.l unb Tr. Rosenseld ilebcil ihm als Prediger. .Als huiilaner Mann lebte Bainberger mit den Predigern in Frieden, während auch diese bestrebt waren, dem frommen Rabbi nach jeder Seite entgegenzukommen. Man fann sich denken, daß, da nun die Predigt in den Mittelpunkt des Gottesdienstes^ gerückt wurde', Bamberger sich nicht in den Hintergrund gedrängt wissen wollte und so sehen wir ihn, der, wie damals üblich, mir am Sabbat Teschuba und Sabbat Hagodol eine Deraschah (Schristerklärung) gehalten, abwechselnd „predigen". Jede Anerkennung seiner Predigt tat ihm Wohl. So erzählte mir ein älterer Herr, dgß Bamberger, als er mit den christlichen Geistlicheil die Rekruten für die Vereidigung aus dem Exerzierplätze belehrte, gesagt: „Ter SborehfObrigkeit) hat meine Predigt sehr gut gefallen." Sein Familienlebeü wurde durch den plötzlichen Tod seiner Frau gelegentlich eines Besuches bei ihrer Tochter in Bamberg getrübt. Er verheiratete sich zum zweiten Male im Jahre 1850 mit Johanette Lehlilanii aus Darmstadt. Eiil Töchterchen war seine Freude. Mit den Kämpfen im Berufe ist sein Alter herangekommcn ulld da den Wünschen eines großen Teiles der Geineinde durch Anstelluilg eiiles Predigers erltsprocheil worden war, hatte sich wieder viel Liebe aus dcul Haupte des ehrwürdigeil Greises, das, wie in der Jugend, auch im Alter eine majestätische Erscheinullg gewesen, vereiiligt. Ain TaniS Ester, sich schon sehr leidend fühlend, besuchte er dcnrloch den Gottesdienst bis zum Schlüsse und während er zu Hause seiilem Töchterchen das Buch Ester erklärte, wurde er ohnmächtig und eine Stunde später hatte er ausgerungen. Hochbetagt starb er am 23. März 1864 und wurde Freitags, den 25. unter überaus großer Teilnahme von Juden und Christen, staatlichen und städtischen und militärischen Behörden beerdigt. Ta viele Rabbiner wegen des bald beginnenden Sabbats nicht mehr nach Hause reisen konnten, sprachen außer dem Prediger Tr. Rosenseld nur die benachbarten Rabbiner Dr. Aub, Mainz, Tr. Landsberger, Darmstadt, Dr. Friedmann, Mannheim ulid Dr. Levi, Gießen, letzterer als früherer Schüler. Alle gaben dem Schmerze in beredten Worten Ausdruck, den Gemeinde und Judentum durch seinen Hingang erlitten. Seine bedeutende Bibliothek, besonders wertvoll durch Bände von ihm verfaßter Schriften (Manuskript) ging später in den Besitz des Barons Zuckermann in Mohilew über. Zur Geschichte der Juden in Worms im Jahre 1689. Als Fortsetzung des Artikels „Die Juden in Worms im Jahre 1689" von S. Rothschild in der vorjährigen Oktober- Nummer unseres Mitteilungsblattes bringen wir nunmehr einen Brief, welcher damals von der Gemeinde Metz an die Gemeinde Worms geschickt wurde, als weiteres altes Doku- . ment zum Abdruck.. Die Schriftleitung. II. Metz, 13. Tischri 5495 l10. Oktober 1734). An unsere Kollegen, Wächter der Religion, Führer der Gemeine, deren Charakter so rein wie Silber. An die Herren Vorstände der Gemeinde Worms, an ihrer Spitze der ehrwürdige Rabbiner R. Mosche (jedenfalls Möse Brod, der Rabbiner In Hanau, Bamberg und Worms gewesen) Euch Allen erblühe ein glückliches Los, Amen! — Unsere freundlichen Grüße voransendend, können wir zufolge des gestrigen Ruhetages erst heute zur Erwiderung Ihres gesch. Schreibens schreiten. Obwohl jetzt nicht die geeignete Zeit ist, eine Sitzung anzuberaumen, da jeder von den Vorbereitungen zum bevorstehenden Laubhüttenfeste in Anspruch genommen ist, so konnten wir doch, angesichts der hervorragenden Bittsteller, in Euerer Angelegenheit keinen Aufschub eintreten lassen. Wir hielten darum eine Versammlung mit Hinzuziehung unseres ehrwürdigen Rabbiners, um über den Inhalt Eueres Schreibens zu beraten. Aus diesem ersehen wir, daß Ihr gegen eines unserer verehrtesten Ge- .meindcmitgliedcr, den Herrn -Schauern, Koblenz, Beschwerde führt, .weil er bei der Regierung von Philippsburg um die Rabbinerstelle im Bistum Speyer eingekommen und solche auch zum baldigen Antritt erhalten. Dadurch sei Euerem Rabbinatsbezirke Beeinträchtigung geschehen, indem das genannte Bistum zu diesem von jeher gehörte und die betreffenden Gemeinden Eueren Rabbiner auch als den ihrigen längst anerkannten. Herrn S. Koblenz sei es nur durch seine Gunst bei der oberen Behörde gelungen, sich dem Bistum Speyer zum Rabbiner aufzudrängen. Nun ersucht Ihr unsere Vermittlung in dieser Sache, Herrn Koblenz mit Hinweis auf Euer altes Recht zur Rücknahme seiner Zusage aufzufordern und im Weigerungsfälle die uns zu Gebote stehenden Zwangsmittel gegen ihn anzuwenden, bzw. ihm die Autorität als Rabbiner zu entziehen. Soweit auszüglich der Inhalt Eueres Briefes. Nun war aber ein Bruder des Betreffenden, Herr Jsaac Koblenz, in unserer Versammlung anwesend, und dieser zeigte einen Brief seines Bruders vor, aus welchem hcrvorgeht, daß dieser von verschiedenen Gemeinden des Bistums Speyer aufgefordert wurde, sich um die dortige Rabbinerstelle zu bewerben. Es wurde ihm die Gunst der Gemeinden im voraus versichert, und besonders bewies dies ein Vorstand, namens R. Ließle, Brüsel (muß Wohl Brusel-Bruchsal beißen, das damals zum Bistum Speyer gehörte) durch sein freundliches, ehrerbietiges Entgegenkommen gegen Herrn S. Koblenz. Was die Zugehörigkeit des Bistums Speyer zu Euerem Rabbinate betrifft, so behauptet Herr Koblenz, daß dieses Verhältnis zwar in früheren Zeiten bestanden habe, daß es aber bei dem Amtsantritte des scl. Rabbiners R. Mendel Rothschild in Worms aufgelöst worden sei; so bestehe das genannte Bistum seit jener Auflösung ganz {Philipp GeißWwe.j J. Knewitz, Mainz i Inseriert j I Mainz, Mombacherstr.l7/19 { Höfchen 4 -- Telefon 1092 , : im j Spedition Lagerung Weintransport * rP 1t_ 4 HHO * Juwelen, Gold- und Silberwaren Tafelsilber, Uhren | „Wilteilungsblstl" j » Telephon 1778 : 9