Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 2 (1927)
- Issue
- 6 (6.1927)
- Date
- 1927-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9582242-9623183-9620287--0118-9620291- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Hessen wirkliche Dienste zu leisten? Leider versucht aber eine Gegenseite aus Gründen, die nicht zu ermitteln sind, diesen Verband zu einem „liberalen Verband" bzw. zu einem Sondervcrband zu stempeln. Daß dem jede Unterlage fehlt, beweisen obige Darlegungen, beweist die Tatsache, das; erprobte, ergraute Führer der hessischen orthodoxen Lehrer in ihm und für ihn eifrig tätig sind, daß viele orthodoxen Gemeinden ihre Mitgliedschaft beim Verband erworben haben, daß den Führern des gesetzestreuen Landesverbandes angesichts der an sie ergangenen Aufforderung zur Mitarbeit alle in religiöser Beziehung gewünschten Kautelcn und Sicherungen garantiert wurden. Die hessische Lehrerschaft wird zu prüfen wissen, wo ihre Belange am besten gewahrt bleiben. Sie hat keine Veranlassung, dem Verband mißtrauisch gegenüberzustehcn, von dem allein sie eine Besserung der Lage der jüdischen Beamten und Gemeinden Hessens erwarten kann. Der Bericht und die ihm folgende Diskussion führten zu einer machtvollen Kundgebung für den Vorstand, insbesondere für seinen erprobten ersten Vorsitzenden. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Der israelitische Landeslehrerverein im Volksstaate Hessen begrüßt die Gründung des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens und fordert feine Mitglieder auf, an den hohen Zielen und Aufgaben des Verbandes, zum Wohle der hessischen Judenheit und zur Pflege und Förderung unserer heiligen Religion, eifrigste Mitarbeit zu leisten. Gleichzeitig billigt die heutige Geiieralversammlung alle Schritte, die der Vorstand des Vereins in dieser Angelegenheit unternommen hat." Nachdem Kollege Sulzbacher, Groß-Bieberau, dem der Vorstand für seine vorbildliche Arbeit als Rechner des Vereins den Tank der Versammlung ausgesprochen hatte, und Kollege Simon, Darmstadt Vorschläge für den weiteren Aus- und Aufbau des Vereins und seiner Einrichtungen gemacht hatten, zu welchem Thema wiederum eine lebhafte Aussprache einsetzte, wurde vom Vorsitzenden die schöne, anregende, in allen Teilen harmonisch verlaufene Versammlung geschlossen. Lehrer A. Bick, Michelstadt. Die Sitzung des Zentralausschusses des Rabbinatsverbandes in Deutschland fand am 24. und 25. Mm in Kassel statt. Der Vorsitzende, Baeck, Berlin, eröffnete am Dienstag nachmittag die Sitzung mit Worten der Begrüßung an alle Erschienenen. Ein Vertreter des Vorsteheramtes der Israeliten und Herr Dr. Katzenstein als Vorsitzender der Gemeindeältesten entboten den Versammelten die Grüße ihrer Körperschaften, die zu dem wissenschaftlichen Teil als Gäste geladen waren. Dieser wissenschaftliche Teil war dem Andenken des Rabbi Jacob Möln Halevy (Maharil) aus Anlaß seines 500. Todesjahres gewidmet. Levi, Mainz, berichtete über „Leben und Bedeutung des Maharil"; Rosenthal, Köln sprach zu dem Thema „aus Maharils Schriftwerk". In der Mittwoch- Sitzung erstattete Dienemann, Offenbach, den Geschäftsbericht. Er wies darauf hin, daß der Verband seinen Mitgliedern in allen Angelegenheiten der geistigen und wirtschaftlichen Förderung zur Seite stehe, und daß er in steigendem Maße von Gemeinden und Amtsbrüdern als die maßgebende Stelle für die Regelung aller gemeinsamen Angelegenheiten betrachtet und in Anspruch genommen werde. Baeck, Berlin, berichtete über die durch den Landesverband in Preußen erfolgten Subventionierungen leistungsschwacher Gemeinden zum Zwecke der Erhaltung des Rabbineramtes und über die von der Regierung aufgestellten neuen Richtlinien für die Subventionierung. Aus der an den Bericht sich anschließenden ausgiebigen Aussprache ergaben sich mancherlei Anregungen für die weitere Arbeit des Verbandes. Es sollen in Zukunft öfter als bisher in der Presse die allgenieinen Grundsätze des Verbandes erörtert und dargelegt werden, die mit dem Interesse der Allgemeinheit zusammenhängenden Standesfragen sollen häufiger behandelt werden, insbesondere die Forderung der Zugehörigkeit des Rabbiners zum Vorstand. Ein Korrespondenzblatt des Verbandes soll in stärkerer Aufeinanderfolge als bislang herausgegeben werden und die Kollegen von allen wichtigen Vergängen unterrichten. Einer Anregung, den Rabbinern in Oesterreich und in der deutschen Schweiz die Teilnahine an der Arbeit des Verbandes zu ermöglichen, soll nachgegangen werden. In einem vor den hohen Feiertagen zu veröffentlichenden Rundschreiben an die Gemeinden soll auf die Heiligung des Sabbats und der Festtage mit Nachdruck hingewiesen werden. Wilde, Magdeburg, hielt ein Referat über „die Stelluiig des Rabbiners zur Friedensbewegung". Nach einer reichen Aussprache wurde folgende von dem Referenten angeregte Entschließung gefaßt: Der Ausschuß des Nabbinerverbandes in Deutschland begrüßt, getragen von dem Gedanken des Judentums alle Bestrebungen der Religionen, gemeinsam auf dem Boden der Gerechtigkeit den Frieden unter den Völkern zu fördern. Der Rabbinerverband in Deutschland ist bereit, sich an der geplan- 4 ten „Weltkonferenz aller Religionen für Frieden in der Welt" zu beteiligen." r , , Eine in der letzten Ausschußsitzung eingesetzte Kommission hatte einen Normalanstellungsvertrag ausgearbeitet.. Jacob, Dortmund berichtet als Leiter der Kommission über ihn. Zu einer festen Entschließung kam es noch nicht, eine Anzahl von Anregungen wurde der Kommission zu erneuter Prüfung uberivieseMse^lthal, berichtet über die geplante jüdische Abteilung bei der internationalen Presseausstellung m Köln; der Verband beschloß, die wirksame Förderung der jüdischen Abteilung, die nicht nur die Presse, sondern auch das Buch darstellen wird. Tagung des Landesverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen und Hessen-Nassau in Marburg a. d. Lahn am 1. Mai 1927. Am 1. Mai 1927 faiid in Marburg die Jahresversarumlung des Landesverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege in Hessen und Hessen-Nassau statt, die überaus zahlreich sowohl von Vertretern der aiigeschlossenen Gemeinden als auch von Gästen aus Marburg und dessen Umgebung besucht war. Aus Berlin waren zur Tagung erschienen: Herr Obermagistratsrat Tr. Ollendorf, Leiter der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden, und Herr Adler- Rudel, Leiter der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge. Nach den Begrüßungsansprachen des Vorsitzeiiden des Laiidesverbaiides, Herrn Rabbiner Dr. I. Horovitz, Frankfurt a. M., und des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Cohn, Marburg, sprach Herr Dr. Ollendorf über „Die grundlegenden Reformen in der jüdischen Wohlfahrtspflege". Er führte aus, daß dem Inhalt nach das Arbeitsgebiet der nächsten Jahre auf die gesundheitliche Fürsorge, für die bereits heute schon recht gut gesorgt ist, auf die Jugendwohlfahrt und Gefährdetenfürsorge, die noch sehr auszubauen sein werden, und in deren Kreis auch die Jugendbewegung einzubeziehen ist, und auf die wirtschaftliche Fürsorge, zu deren Durchführung auch für die jüdische Wohlfahrtspflege ein Eingehen auf die staatliche Fürsorgegescbaebung unbedingt notwendig ist, zu erstrecken habe. Er regte noch die Einrichtung jüdischer Rechtsauskunftsstellen und jüdischer Darlehenskassen für den Mittelstand als besonders erstrebenswertes Ziel an. Bezüglich der Organisation der jüdischen Wohlfahrt trat er für ein intensives Zusammenarbeiten der jüdischen Verbände ein und mahnte zur Einheit in der jüdischen Arbeit. Als Reform im Geiste der Wohlfahrtspflege sah er weiterhin die gründliche Schulung der in der Wohlfahrtspflege Arbeitenden an verbunden mit der Zusammenarbeit mit den Organisationen der Freien Wohlfahrt und der öffentlichen Fürsorge. Nach dem Vortrag, der sehr beifällig ausgenommen wurde, erstattete der Geschäftsführer des Landesverbandes, Herr Dr. Bergel, den Geschäftsbericht über das abgelausene Jahr. In einer sehr lebhaften Aussprache wurden Anregungen und Wünsche besonders zur Durchführung einer guten Propagandu für den Landesverband vorgebracht. Es folgte ein Referat des Herrn Alex Benjamin, Frankfurt a. M. über „Die Entwicklung der Wandersürsorge im Bezirke des Landesverbandes". An diesen Vortrag schloß sich eine so ausgedehnte Diskussion, daß es nicht möglich war, die übrigen Punkte der Tagesordnung restlos zu erledigen. Die Beschlußfassung über die neuen Satzungen des Landesverbandes mußte einer neuen außerordentlichen Mitgliederversammlung überlassen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt führt ein geschäftsführender Vorstand unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. I. Horovitz die Geschäfte des Landesverbandes weiter. Mit einem Schlußwort in dem er die Ergebnisse der Tagung zusammenfaßte, und einige neue Anregungen gab, sowie mit herzlichen Worten des Tankes, vor allem an die Marburger Gemeinde, bie_ die Versammlung aufs liebenswürdigste und gastfreundlichste aufgenominen und bewirtet hatte, schloß Herr Rabbiner Dr. Horovitz die Tagung. Das jüdische Schulwesen des Freistaats Hessen in Vergangenheit und Gegenwart. Von Josef Marx, Gießen. II. Es verdient rückhaltlose Anerkennung, daß das kleine Hessenlandchen dem Beispiele Preußens und Bayerns folgend, die Verbesserung des Unterrichts der jüdischen Jugend zum Gegenstände sehr eingehender Verhandlungen in den Sitzungen beider Kammern des 1. Hess. Landtags vom Jahre 1821 machte.