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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-05-01 · 5 (5.1927) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
5 (5.1927)
Date
1927-05-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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©inc der bedeutsamsten Ausgaben, die dem Jugendamt zugewiesen ist, ist die Wohlfahrt und Förderung der schulentlassenen Jugend. Erfahrungsgemäß haben alsbald nach dem Kriege Strömungen eingesetzt, die in erster Linie bezweckten, die Quelle der Gefährdung und Verwahrlosung der Jugendlichen zu ermittelu und diese dadurch zu beseitigen, daß die' den Jugendlichen umgebenden Verhältnisse gebessert werden sollten. Jugendpflege, der Sammelbegriff aller auf Ertüchtigung der normalen gesunden Jugend hinzielenden Maßnahmen, erfüllt die Herzen' unserer Jugend^ und Jugendfreunde. Diese Ertüchtigungen, Steigerung der Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen, werden erfahrungsgemäß durch Spielen, Turnen, Wandern, Schwimmen, wie überhaupt durch die Pflege von Jugendsport und Leibesübung herbeizuführen gesucht. Hand in Hand geht damit auf gesundheitlichen Gebiet das Bestreben, die Hygiene der Jugend zu heben durch Aufklärung über allgemein gesundheitliche Fragen, insbesondere über solche der Volkskrankheit und des Alkoholmißbrauches. Auch die Hebung der Volksbildung lBeschaffung guter Lektüre usw.ß Stärkung des sittlichen Eharakters des Jugendlichen, wie Pflege der Selbstzucht, Treue mid Wahrheit, sind Ausgaben von so hohem sittlichem Wert, daß ihre Förderung und Unterstützung eigentlich für jeden selbstverständlich sein sollten. Die Jugendbewegungen unserer Zeit, mögen auch einzelne Auswüchse festzustellen sein, können unbedenklich als bedeutsamer, kultureller uud sittlicher Fortschritt angesprochen werden. Verständnis und Liebe für diese hohen Aufgaben von Führern zu Geführten müssen allerdings vorhanden sein, wenn die Jugendbewegungen ihr Ziel erreichen wollen. Sache der Jugendwohlfahrtsbehörden wird es sein, diese jugendpflegerischen Betätigungen planmäßig zu fördern und sie überall dort zu unterstützen, wo die Bestrebungen noch nicht festen Fuß fassen konnten. Dann wird auch der Erfolg nicht ausbleiben. Gestalten aus der alten Wormser jüd. Gemeinde. Von S. Rothschild, Worms. Rabbiner Adler-Dynastie. II. Jsak (Eisil) Adler. Im Jahre 1808 ist Rabbiner Samuel Levi auf Veraulassung Napoleons nach Mainz übergesiedelt. An seine Stelle trat 1810 J sa k iE i s i kl Adler. Das Archiv der jüd. Gemeinde enthält über die Anstellunasverbältnisse und die Wirksamkeit Adlers keine Mttteiluiigen, solche müssen ans andern Schriftstücken gesucht werden. Wir erfahren aus dem Rabbanusbrief Bamberaers 1824, daß er 8 Jahre lang verpflichtet war. der Witwe Adlers wöchentlich drei Gulden voii seinem Gehalte abzuaeben. Sowohl die Jiischrift seiiies Grabsteiiies als auch das Mcmorbuch rühmen seine Gottesfurcht. Bescheideicheit, sein Bestreben, Thorakenntnisi'e zu verbreiten und den Armen wohlzutun. Wie mir E l k a n N. Adler, der Bruder des C b i e f s-N a b b i in L o ii d o ii gelegentlich eiiies Besuches iiiittcilte. sei seine Familie mit der in Worms verwandt geweieii. Zwei Söhne Adlers widmeten sich dein Rabhinerherufe. Nachdein sie bei ihrem Vater und bei Bamberaer gründlich Bibel- und Talmudstudicn gemacht hatten, erwarben sie sich auch, unterstützt von begüterten Wormser Familien, akademische Bildung. D r. Samuel Adler, der inzwischen die rabbinii'che Autorisation erlangt butte, wurde vou einer Anzahl dem Fortschritte huldinender Mitglieder der Wormser Gemeinde im Jahre 1886 dem Vorstand und dem Kreisamte als Prediger vorgeschlaaen. Man verlangte eine deutsche Predigt — gcdieaenen Religionsunterricht. Bamberaer sträubte sich gegen die Anstellung eines Predigers und erst 1830 erfolgt dieselbe auf 8 Jahre mit einen: Gehalte von 800 Gulden. Dr. Adler berichtet dann, daß er mit Rabb. Bamberger sieb bereits benommen habe und „daß ein einträchtiges, geineinsames Wirken in dieser Sphäre zu erhoffen sei." Und es ist Dr. A. wirklich gelungen, die Gemüter zu versöhnen und mit Bamberger ein zufriedenstellendes Verhältnis herzustellen. 1842 wurde Adler als Rabbiner nach Alzey berufen. Vielleicht darf hier ein Bonmot Adlers, das sich auch über die Grenzen Hessens hinaus verbreitete, eiuen Platz finden. Als jemand Adler fragte, warum er die Stadt Worms verlasse und nach dem Neste Alzey ubersiedle, soll er schlagfertig geantwortet haben: „Ein Adler braucht ein großesNe st." Wie ich in meiner -Schrift „Emanzipationsbestrebungen" mitgeteilt, hat sich Adler in Alzey in dieser Richtung sehr bemüht. 1857 wurde er als Rabbiner nach New-Uork berufen und hat hier sehr segensreich gewirkt. Wie seltsam! Im Jahre 1866—68 besuchte ich das Seminar in Karlsruhe und fand bei der Witwe eines Arztes (Grumbacher), mit deren Söhnen ich Trio spielte, freundliche Aufnahme. Später wurde mir die Frau wie eine Mutter und selbstverständlich war ich, da ich nach meiner Entlassung aus dem Seminar in der Nähe Karlsruh's als Lehrer angestellt war, mindestens einmal in der Woche der Gast des Grumbacher'schen Hauses. Als ich 1870 nach den ersten Herbstfeiertagen Frau Dr. G. besuchte, sagte sie mir, daß in Heidelberg, wo ihre einzige Tochter als freiwillige Krankenpflegerin tätig war, auch ein jüdischer Assistenzarzt beschäftigt sei. Er habe zu ihrer Tochter gesagt: „Wissen Sie Fräulein, daß heute Roschhaschonah ist?" Der Arzt war D r. Jsak A d l e r, der Sohn von Dr. Samuel Adler in New-Aork und die Krankenpflegerin wurde seine — Frau. 1872 kam ich nach Worms und da Adler, so oft er nach Deutschland kam, immer Worms besuchte, so hatte ich Gelegenheit, den tüchtigen und bescheidenen Menschen sehr oft zu sprechen und mich an seinem tiefgehenden Interesse für jüdische Geschichte und Lehre zu erfreuen. Besonders hatte er, wie auch sein Vater schon früher, viel Liebe für das hiesige jüdische Hospital, für welche Anstalt er mir immer Spenden sandte. In seinem letzten Briefe vom Nov. 1905 bittet er mich unter anderem „das Grab meines Großvaters insofern im Auge zu behalten, oaß wenn etwaige Reparaturen notwendig werden sollten. Sie dieselben ohne weiteres anordnen wollten und in Rechnung dafür zu stellen." Ein zweiter Sohn Dr. Adlers war Felix, Professor an der Universität. Er wurde als Führer der ethischen Bewegung viel genannt und von Amerika als „Austauschprofessor" nach Deutschland gesandt. Wie Zufälle im Leben eine Rolle spielen! Man erzählte mir, daß 'Felix Adler seiner Geburtsstadt Alzey ernen Besuch gemacht und sich alle Jugendplätze angesehen habe. Ta bringt mir ein Herr ein Machsor in der Größe eines Talmudfolianten mit der Bitte, dasselbe zu verschenken oder auf den Synagogenspeicher bringen zu lassen. Beim Oeffnen des Buches finde ich den hebräisch geschriebenen Namen „Eisik Adler". Ich sandte das Buch an Prof. Adler und erhielt von ihm aus Wiesbaden folgende Zeilen: „Wie soll ich Ihnen nur danken für Ihren liebenswürdigen Brief und für das überaus wertvolle Buch, doppelt wertvoll an sich und als Familienstück! Haben Sie besten herzlichen Dank usw." Tr. Abraham Adler. Nach Wegzug seines Bruders nach Alzey übertrug ihm der Vorstand die sreigewordene Predigerstelle. Wie früher sein Bruder, so erklärte auch er dem Vorstande, daß ein gründlicher hebräischer Unterricht eingerichtet werden müsse. Er unterschied sich aber von seinem Bruder darin, daß er der äußersten Reform das Wort redete. Er besuchte die Rabbinerversammlungen in Braunschweig und Breslau, benützte die Kanzel zu seinen Reformplänen, wobei er oft schwere Ausfälle auf die konservativen Mitglieder und selbst aus Rabb. Bamberger machte. Die Gemeinde war dadurch iu zwei Lager geteilt. Zu den Wirren in der Gemeinde kamen die politischen Wirren des Jahres 1848. Adler war einer der ersten, der gegen die Regierung auftrat. Er wurde verhaftet und nach der Verhandlung von seinem Amte entsernt. Vorstand und Kreisamt bemühten sich später für seine Wiederanstelluna, und trotzdem ihn der Großberzoa 1860 begnadigt hatte, entschied die höchste Behörde gegen ihn. Aber das Schwerste war noch nicht'über Adler hereingebrochen. Er mußte in eine Nervenanstalt verbracht werden, wo er auch starb. In all den schweren Stunden stand ihm seine Adam Hatzmann ir.,c. m. b.». Osteinstrane 2 Mainz Fernruf 805 Kohlen :: Koks :: Holz :: Briketts Spezialität: Erstklassige Anthrazitkohlen (Marke Lancenbrahm) Pa. Zechenkoks a best. Ruhrzechen Reelle Bedienung Billigste Preise Vertretung: Frau Dr. Leopold Mayer, KaiserstralJe 62, Fernruf 967 Gediegene Plrbeit. — Vornehme zweckmäßige Modelle. — (Unübertroffene (Preiswürdigkeit. Verlangen Sie unverbindlichen ©esucft. 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