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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-04-01 · 4 (4.1927) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
4 (4.1927)
Date
1927-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Mainz. Am 23. Marz 1927, abends 8% Uhr, hielt die hiesige Ortsgruppe des RIF. eine Mitgliederversammlung ab, die sich eines sehr starken Besuches erfreute. Die Referenten des Abends waren die Kameraden Rechtsanwalt und Notar Dr. Kann, Frankfurt, 1. Vorsitzender des Landesverbandes Südwestdeutschland, (welch letzterem alle Ortsgruppen Nheinhessens auf unsere Anregung hin neuerdings zugeteilt worden sind) und Rabbiner Dr. S. Levi, Mainz. Nach den begrüßenden Worten und einem Kurzen Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden der Ortsgruppe, Dr. Stern, entwickelte alsdann Kamerad Dr. Kann in seinen sehr interessanten und packenden Ausführungen die Aufgaben und Ziele des RIF., wobei er die Abwehr antisemitischer Angriffe, die Kameradenhilfe und die Vereinigung aller innerjüdischen Parteien auf der Plattform des Frontbundes in den Vordergrund stellte. Als wesentliche Voraussetzung für die weitere gedeihliche Arbeit des Bundes verlangt er strengste Neutralität der Leitung und unbedingte Disziplin aller Mitglieder und deren optimistischfreudige Einsetzung für die der Gesamtheit der deutschen Juden zugute kommenden Ausgaben unserer Organisation. Die sehr bestimmte Art des Vortragenden, seine klare und, wo es angebracht war, auch scharfe Beurteilung all der Probleme, mit denen sich der RIF. auseinandersetzen mutz, sowie die oftmalige, nachdrücklichste Betonung seiner Verantwortung als Führer des Landesverbandes hinterlietzen bei der Versammlung den überzeugenden Eindruck, daß Dr. Kann am richtigen Platz für unsere Bestrebungen im und für den RIF. steht. — Nach diesem mit großem Beifall aufgenommenen Referat berichtete alsdann Kamerad Rabbiner Dr. S. Levi als Augenzeuge über die schweren antisemitischen Ausschreitungen in Nastätten. Die plastische Schilderung jener gehässigen Vorgänge wurde mit größtem Interesse und in höchster Spannung entgegengenommen. Der dem beliebten Redner gezollte, langanhaltende Beifall war zu gleicher Zeit eine Kundgebung für das gleichermaßen besonnene wie mutige Verhalten des allseitig verehrten Kameraden im Augenblick höchster persönlicher Lebensgefahr. Offenbach a. M. Bei einem Wohltätigkeitsfest des Ostjüdischen Unterstützungsvereins sang Herr Oberkantor Naumow- Fleischmann aus Frankfurt a. M. die Elegie auf Moses vorn Musikdirektor Aron Friedmann aus Berlin. Mit seiner starken, tvohlklingenden Stimme und der an ihm bekannten und.gewöhnten Wärme brachte er jede Nuance der Komposition zum Ausdruck, die in jeglichem Takt die tiefe Neligiösität dieser schaffenden jüdischen Künstlerseele atmet. Der Vortrag, die Macht und die Innigkeit dieser Töne hinterließen einen tiefen Eindruck. Ergreifend war auch der Gesang der Arioso von Händel, die Herr Oberkantor Naumow-Fleischmann zum Andenken an seinen verstorbenen Freund Josef Schwarz vortrug. Piano-Spiel von Frl. Marquit Oppenheimer und eine schlicht und ausdrucksvoll von Herta Naumow-Fleischmann gebotene Rezitation eines Gedichtes von Morris-Rosenfeld gaben dem Feste einen weitern Schmuck. Eine auf das herannahende Pessachfest Bezug nehinende Ansprache von Rabbiner Dr. Dienemann brachte auch im Wort eine religiöse Note in das Fest. Viernheim. Unsere Gemeinde kann auf zwei selten schöne Festlichkeiten mit Stolz zurückblicken. Der prachtvolle Abend der Chevra Kadischa am 13. März, der besonders dank des erfolgreichen Wirkens des Vorsitzenden H. Weißmann und des Herrn A. Kaufmann einen so überaus stimmungsvollen Verlauf nahm, war durchaus geeignet, unser reges, inniges Gemeindeleben in vollem Maße erkennen zu lassen. Der ganze Vorstand wurde einstimmig wiedergewählt. Auch hat der Verein einen erfreulichen Mtgliederzuwachs zu verzeichnen. Außerdem hielt der Frauenverein im Hause Goldstein eine wunderbare, an Ueberraschungen reiche Purimfeier ab. Wallertheim. (7öjährige Jubiläumstagung des Wohltätigkeitsvereins der vereinigten Gemeindemitglieder Wallertheim, Gau- Bickelheim, Armsheim.) Die heutige Tagung gestaltete sich zu einem wahren Festtage. Um den feierlichen Verlauf, um Gottesdienst, Vorträge und Bewirtung machten sich in selbstloser, nacheiserungswürdiger Weise verdient: Rabbiner Dr. Lewit, Alzey, I. Oppenheimer, K. Jsaac, L. Bronne, M. Jsaac, I. Jsaac, H. Berger. Die in schönster Harmonie verlaufene Tagung wird allen Teilnehmern in steter Erinnerung bleiben. Wallertheim. Zum Vorstand der israelitischen Gemeinde wurden die Herren I. Oppenheimer und A. Baum wiedergewählt. Wallertheim. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Wallertheim erließ einen Aufruf, der in angebrachten Fällen Nachahmung verdient und hiermit zur Kenntnis gebracht werden soll: „Ich habe Veranlassung als Vorstand unserer Kehille Ihnen folgendes zu unterbreiten: Schon verschiedene Male mußten wir an Samstagvormittagen die Pforten unserer Synagoge schließen, ohne unsere heiligen Gebete verrichten zu können. Ganz zu schweigen von den Freitag-Abenden, wo wir schon lange kein Minjan mehr bekommen. Die einst so blühende jüdische Gemeinde Wallertheim scheint demselben Schicksal verfallen zu sein wie ihre Schwestergemeinden in Rheinhessen. Angesichts dieser betrübenden Tatsache ist es mir Bedürfnis, ein ernstes Wort in letzter Stunde an Sie zu richten. Wollt Ihr, daß Eure Kinder unserer heiligen Religion erhalten bleiben, daß die stolzen Traditionen unseres jüdischen Volkes hochgehalten werden, dann besinnt Euch auf Eure Pflicht! Legt ab die Gleichgültigkeit und gebt Euren Kindern das Beispiel von Menschen, die sich würdig ihrer Ahnen zeigen. Helft mit, das Werk zu erhalten, auf das wir Wallertheimer immer stolz waren. Es ist ja nicht viel, was von Euch verlangt wird. Die paar Minuten, die der Gottesdienst erheischt, kann jeder opfern im Hinblick darauf, daß er einer großen Sache dient. Ich bin sicher, daß es nur dieses Hinweises bedurfte, um eine Aenderung der seitherigen Zustände eintreten zu lassen und ich würde mich freuen, wenn mein Ruf nicht ungehört verhallt. Ter Vorstand." Weisenau. Auch die israelitische Religionsgemeinde Weisenau, eine der ältesten Landgemeinden im Bezirk Mainz, scheint dem beklagenswerten Schicksal, unter welchem die meisten Landgemeinden heute leiden, verfallen zu sein: Die früher zahlreiche und blühende Religionsgemeinde geht in ihrem Mitgliederbestände von Jahr zu Jahr zurück. Das aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammende Gotteshaus kündet noch von dem einstens religiösen Leben, führt aber heute nur selten etitc Gebetgemeinde in ihren Mauern zusammen. Wenn das gemeindliche Leben noch nicht völlig zusammenbrach, so ist dies hauptsächlich das Verdienst des jetzt 72jährigen Herrn Maximilian Metzger, der in diesem Jahre auf eine 35jährige Vorstehertätigkeit in dieser Gemeinde zurückblicken kann. In jugendlicher Rührigkeit betätigt sich Herr Metzger auch in der allgemeinen Frieühofs- und Feldpolizeikommission; in der Kriegs- und Nachkriegszeit war er ehrenamtlich Feldschütze der Gemeinde Weisenau. Wir bringen das Bild dieses in der Erinnerung an die größere Geschichte seiner Religionsgemeinde unermüdlichen Mannes. Gemeinnützige Einrichtungen und Wohlfahrtswesen. (Genesungsheim Oberstedten i. T. (Eduard und Adelheid Kann'sche Stiftung). Am 2. Mai d. I. wird das Genesungsheim Oberstedten i. T. wieder eröffnet. Die Anstalt, herrlich im Taunus gelegen, ist, wie nur wenige Anstalten ähnlicher Art geeignet, den Erholungsbedürftigen unseres Mittelstandes bei guter Verpflegung das zu geben, was sie suchen. Für die Beliebtheit des Aufenthaltes in Oberstedten spricht die Tatsache, daß die Anstalt den ganzen letzten Sommer hindurch immer voll belegt war. Wir F. Metzger, Mainz :: Kaiserstrasse 34 Gelegenheitskäufe stets am Lager in Silber zu bekannt billigen Preisen. — In Goldden erschwinglichen Schmuck für guten Geschmack. — ln Juwelen, das Kleinod von bleibendem Wert. Jüdische Kuliusgegenstände — Bestecke — Trauringe. Samstags und an israelitischen Feiertagen geschlossen. Leo Haas, Mainz Kolonialwaren - ")£'3 Waren Aul HDD empfehle besonders Gänsefett, Sauerkraut sowie sämtliche Lebensmittel. Reellste Bedienung, billigste Preise Unter Aufsicht Sr. Ehrw. des H. Rabb. Dr. Bondi, Mainz 9

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