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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-03-01 · 3 (3.1927) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
3 (3.1927)
Date
1927-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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aber hast sie alle Übertrossen!" — Das ehrwürdige greise Paar batte am 1. Juli 1917 die goldene Hochzeit gefeiert und stand in diesem Jahre die so seltene diamantene Hochzeit bevor. Worms. Hier starb Herr Elias Hausmann, der vor wenigen Monaten unter Anteilnahme der ganzen israelitischen Gemeinde seinen 70. Geburtstag gefeiert hatte. Er gehörte seit 1917 dem Vorstände der israelitischen Gemeinde an; ein Meiffchenalter war er Mitglied der Chewrah-Kadischa und des Synagogen-Chorvereins, deren langjähriger Vorsitzender er bis zu seinem Tode gewesen. Die verdiente Liebe und Dankbarkeit kam bei seiner Beerdigung in hohem Maße zum Ausdruck. Essenheim in Rheinhessen. Am Mittwoch, den 9. Februar, starb in Mainz, wo er seit einigen Monaten im Ruhestande lebte, Herr Hermann G o I d i n g , im 68. Lebensjahre, Fast ein halbes Jahrhundert hatte der Verstorbene in Essenheim und Oberolm als Lehrer, Vorbeter und Schächter gewirkt. Unermüdlich und aufopfernd hatte der Verstorbene, trotz des schweren persönlichen Lebensschicksals, seine heiligen Aemter ausgeübt und hatte sich durch Lehre und Leben im ganzen Umkreis der Gemeinden und in allen Schichten der Bevölkerung Wertschätzung und Anerkennung erworben. Als er am Freitag, den 11. Februar, aus dem Mainzer israelitischen Friedhofe zur letzten Ruhe gebracht wurde, gab sich die Verehrung, die er in seinem Leben gewonnen hatte, kund durch die Teilnahme weiter Kreise. Herr Rabbiner Dr. Levi zeichnete in seiner Trauerrede ein Bild des schwierigen und tragischen Schaffens und des hochachtbaren Wesens des Entschlafenen, dem ein Lebensabend in Ruhe zu gönnen gewesen wäre. Herr Stern, Essenheim, widmete dem Verewigten im Namen der Gemeinde Essenheim und Oberolm Worte des Abschieds und des Dankes. So ist wieder ein verdienter Lehrer in Rheinhessen dahingegangen. 'J-| '2 ¥ 'D Bibliothek der israel. Neligionsgemeinde Mainz. Unser jüdisches Gemeindeleben soll um einen schönen Zweig bereichert werden. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde beabsichtigt, im ersten Stock seines Verwaltungsgebäudeseine Bibliothek einzurichten, deren Eröffnung noch im Lause dieses Jahres zu erwarten ist. Aus Beständen der von der Gemeinde erworbenen Bücherei des Rabbiners Prof. Dr. Salfeld s. A. ist ein recht wertvoller Vorrat an hebräischen und jüdisch-wissenschaftlichen Werken gewonnen worden, der durch Neuanschaffungen seitens des Gemeindevorstandes noch ergänzt werden soll. Mit der Bibliothek soll später ein Lesesaal verbunden werden. Tie Gemeindeverwaltung drückt die Hoffnung aus, daß unsere Gemeindemitglieder es an der tatkräftigen Förderung dieser Institution nicht fehlen lassen werden. Der Vorstand richtet an sämtliche Gemeindemitglieder die Bitte, zur Bereicherung der Bibliothek durch freiwillige Spenden beizutragen. Erwünscht sind belletristische Bücher von jüdischen Autoren oder solche, die zu Juden und Judentum in Beziehung stehen, ferner jüdisch-wissenschaftliche Werke und periodisch erscheinende Wochen- und Monatsschriften. (Alte und neuere Jahrgänge.) Anmeldungen von abzugebenden Schriften werden im Gemeindebureau, Hindenburgstu. 44, Fernspr. 737, gern entgegengenommen. ' Zg. Iuden-Szene im Schauspiel „Die Wormser". Von S. Rothschild, Worms. Ein Wormser (Gg. Roeß) hat ein Schauspiel, „Die Wormser", geschrieben, das von Wormsern im hiesigen Theater vor einigen Monaten ausgeführt wurde. Ort der Handlung: Worms. Zeit 1233. In diesem „Heimatsspiel", wie es der Verfasser nennt, treten auch Wormser Juden aus und soll die Szene hier folgen. Schluß des I. Aufzugs des 2. Aktes: (In der Kapitelstube des Bischofshofes befindet sich der Bischof Heinrich mit seinem Kanzler Landolf.) Bischof. St. Burkhards Dom steht seit dem letzten Stadtbrand halb vollendet. Noch fehlt ihm gegen Abend Turm und Chor und St. Laurentius wohnt dort ohne Dach und Fach. Uns aber sehlts am Geld. Wie schaff ich es? Leer steht der Opferstock. Landolf. Wir brauchen unsere Lämmer nicht zu scheren: Die Wormser Juden baten um Gehör. Ich habe sie nach der Messe herbestellt. Sie bieten uns ihr Geld zum Dombau an. Bischof: Die Wormser Juden? Landolf: Fromme Juden. Bischof: Landolf! Nun lach' der Lateran! Die Glaubensbrüder stoßen uns vom Stuhl und mit dem Judengeld bau ich ihren Dom. , *:! i Tiomo (der Kämmerer tritt ein): Die Kammerknechte! Landolf: Rufe sie herein! Bischof: Sie mögen kommen, Landolf. Zweiter Auftritt. (Die sieben Juden treten von links herein und bleiben mit tiefen Dienern bei der Türe stehen). Bischof: Ihr kommt vom Ghetto. Seid Genossen der jüdischen Gemeinde Worms? Moscheh ben Meschullam: Ja, Herr! Bischof. Dich kenne ich. Moses ben Meschullam bist du und du kennst mich? Moscheh: Ihr risset mir den Vater aus dem Ketzerbrand, heiliger Herr. Laßt mich noch heute dafür Euch küssen Eures Mantels Saum, Herr, wie sollt ich Euch nit kennen? Bischof: Und du? Juda Kalonhmus: Juda Kalonymus aus Lueea, Herr, ein alt Geschlecht von Rabbinen. Bischof: Ihr habt in Speier Sippen und Verwandte? Juda: Ja. heiliger Herr. Bischof: Da schau, der alte Äser! Noch immer rüstig und wohlauf? Was führt Euch her? Äser (als Weitester): Zunächst der Dank, wie immer, heiliger Herr. Ein armer Jud' vergißt Wohltäter nit. Wie unsere Häuser sitzen auf der Stadtmauer zwischen der Martinspfort und Judentor, so sitzen sicher wir vor Edoms Haß im Schatten deines Stabes, du unser Palmenbaum im Wüstensand der Zeit, die uns verfolgt mit ungerechtem Haß. Denn seit die Kirchen und Klöster nicht mehr darlehen dürfen an die Männer von dem Berge Sei'r, Edom und Amalek wie in der Frühzeit einst der langlockigen Könige aus Kaiser Karols Haus und wir Juden nun teils gegen Pfand und teils gegen Zins entliehen Gelder an die Christenheit, sind wir verhaßt geworden, früher hochgeehrt. Aerzte und Händler allenthalb. — Man rühmt den Bischof Rüdiger von Speier, der uns Altspeier gab, ein kleines Paradies: Wir aber rühmen dich. Wir rühmen Worms, ein klein Jerusalem und unser BethauS drin der kleine Tempel. Schon vor der Ankunft Eueres Messias hier am Rhein zu Worms, als der Stamm Benjamin sollt' ausgetilgt werden von den elf anderen Stämmen wegen der Untat an dem Weib von Gibea und an den Rhein geflüchtet war, haben wir die Judenschule zu Worms gegründet, die auch von seiner Kreuzigung abriet und Boten schickte, die leider nur gekommen sind zu spät, denn weit von Worms ists nach Jerusalem und wir haben hier gelebt nach jüdischem Gesetz. Nun gab Heinrich IV. uns den Schutzbrief, zollfrei zu treiben Handel als auch Wandel mit allen Waren: Wein, Samt, Seide, Salben, indischen Spezereien und Arzneien, so daß wir durch die ganze Stadt frei Gold und Silber wechseln dürfen, kaufen und verkaufen, was wir nur immer mögen ... Landolf (scherzend): Nur kein Kirchengut! Äser: Er scherzt gern, der Kanzellarius. er scherzet gern. Aber: Bei Leib, wir sind ehrliche Leut! Wir haben nie verpfändet angenommen gestohlen Kirchengut, Kirchengewänder, wie der Abt von St. Andreas an das Domkapitel schrieb: Nie! Zwölf Pfund Goldes will ich zahlen, will nit lebendig durch die Türe geh'n, Wenns nit so ist! Landolf lden Finger hebend): Äser! Äser! Äser: Er scherzet gern, der Kanzellarius. Er soll so alt werden wie die Segira auf unserem Gottesacker vorm Andreastor, aber er soll nit übertreiben seinen Scherz ... Wir zählen zu St. Paul und zahlen Stolgebühr so gut wie Euere Christen, die auch nit immer heilig sind im Handel. Zur Kirche gehn wir freilich nit. Wir gehn zum Bethaus bei dem Frauenbau und der Rafchikapell nahe bei St. Ruprecht. Gesegnet fei Judit, die es baute...! Bischof: Sagt endlich, was Ihr wollt? Äser: Wir wollen nichts, wir bringen! Da wir .... Levi ben Napbtali lihm ungeduldig in das Wort fallend): Da wir gehört haben, daß du in großer Not ob deines .Kirchenbaues, dein Opferkasten leer und karg dein Kirchengut, zudem nun mit der guten Stadt in Streit und Fehde fielst: so bringen wir, da du uns rettetest in Tagen der Verfolgung, als der Schrecken durch uns're enge krumme Gasse gina .... weil wir wohl wissen also, was da bauen heißt ein Bethaus bauen, Irre es uns Judit gebaut mit ihrem Gut auch aus dem Grund, so bringen wir dir dankbar uns'res dar, das wir mit Schweiß und Fleiß in deinem Schutz errunaen mit gutem Glück und guter Menschenhilfe und wollen helfen dir zu deinem Gottesbau an deinem aroßen Dom. Ein königliches Haus und größer noch als unser Bethaus fast. Aber es fehlt noch viel. Tu wirst noch Arbeit haben, Bischof Heinrich. Steinhauer aber aus der Lombardei sind rar und teuer. So nimm, was wir gebracht, der du auf deinen Eid nit Schulden machen darfst bei deinen Glaubensbrüdern, die Geld auf Urkunden und Unterschriften ausleihen. Es sei dir unverzinslich dargebracht: Nicht du. wir bleiben ewig dankbar deine Schuldner. Baue dein Gotteshaus 8

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