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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-02-01 · 2 (2.1927) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
2 (2.1927)
Date
1927-02-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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konischen nnd westeuropäischen Judentums in weitem Maße untersucht wird. Tw jüdische Bevölkerung Amerikas hat bis jetzt einen grüßen Teil der für die Schaffung des Wiederaufbau-Fonds und dw sonstigen Zwecke des „Ort"-Verbandes notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt. Auch unter den westeuropäischen Juden hat die segeirsrerche Arbeit des „Ort"-Verbandes und seines Wiederaufbau-Fonds reges Interesse gefunden. In England, Frankreich und zuletzt auch, in Deutschland sind spezielle Landeszentralcn des „Ort" und Wicderaufbau-Fonds-Komitees gebildet werden, die sich zur Aufgabe stellten, an dem großen Ausbauwerke tatkräftig mitzuarbeiten. In Deutschland selbst haben sich die besten Namen des deutschen Judentums zur „Ort"-Jdec bekannt und an die Spitze der „Ort"-Komitees gestellt. So gehören dem Aktions-Ausschuß des deutschen Wiederausbau-Fonds Herr Wilhelm Kleemann, Direktor der Dresdner Bank, als 1. Vorsitzender, die Herren Chefredakteur Georg Bernhard, Prof. Tr. Mi I. Bonn, Rechtsaiiwalt Bruno Weil al§^ Vize-Vorsitzende, ferner die Herren Rabbiner Dr. Leo Back, Rabbiiier Tr. M. Hildesheimer,' Kurt Blumenfeld, Rcchtsaiiwalt Leo Braiuson, Jusiizrat Dr. I. Brodnitz, Oscar Heimaiin, Dr. Paul Nathan, Dr. A. Siiigalowskh u. a. als Mitglieder an. Auch in deni von dem Vorsitzeiideii, Herrii Wilhelm Gractz, geführten Vorstand der „Ort"-Gesellschast Abteilung Deutschland E. V. siiid führende Persönlichkeitcii aller Partei- und Geistesrichtungen des deutscheii Judentums vertreten. — Betont i"uß auch werden, daß die „Ort"-Gesellschast, Abt. Deutschland, es sich zur Ausgabe stellte, im Nahmen der ihr zur Versiigung stehenden Mittel ganz besondere Aufmerksamkeit auch der produktiven Berussumschichtung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands zu widmen. So hat der „Ort" gemeinsam mit der Berliner jüdischen Gemeinde uiid der Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Arbeitsnachweise eine Schneiderlehrwcrkstätte in Berlin errichtet, in der rtcpenlnärtic^ 20 jüdische Jungen ihre Ausbildung finden. Zwecks Förderung landwirtschaftlicher Bestrebungen hat der „Ort" eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Bodcnkulturverein gegründet. Jüdischen jungen Leuten, die sich technisch oder landwirtschaftlich ausbilden, wird die Möglichkeit zur Fortsetzung und Beendigung ihres Studiums gegeben. In nächster Zeit sollen Kurse für Chauffeure und Mechaniker errichtet lind die fachliche Ausbildung entwurzelter jüdischer Elemente in Deutschland selbst nach Möglichkeit gefördert werden. So werden auch die jüdischen Massen durch die produktive „Hilfe durch Arbeit" zur Selbstverantwortung erzogen, so wird ibre seelische Umstellung vom Luftmcnschcn und Zedokohempsänger zum vollwertigen Wirtschafts- und Kultursaktor vollzogen und gleichzeitig durch die Qualität der jüdischen Leistungen ihrem Hcimatlande bleibender Nutzen zum Segen des Landes und zur Ehre der Juden gesichert. Die israelitische Religionsgemeinde in Alzey. Von Rabbiner Tr. Julius L e w i t, Alzey. Schon mit den römischen Legionen waren Juden an den Rhein gekommen, die nach ihrer militärischen Dienstzeit sich in den Rheinlanden niederließen. Es ist darum auch anzunehmen, daß schon vor achtzehnhundert Jahren Juden in der Alzeyer Gegend wohnten. Zu einem Gemeindelcben kam es aber hier erst spät. Während in den Nachbarorten Worms und Mainz schon um das Jahr tausend blühende israelitische Gemeinden waren, von deren berühmten Männern, die durch hervorragende Gelehrsamkeit sich ausgezeichnet, die Geschichte Kunde gibt, wie unter vielen anderen Raschi, der klassische noch heute unentbehrliche und hochgeschätzte Bibel- und Talmudcommentator in Worms und Rabbi Gerschom in Mainz, der eine so hohe Autorität besaß, daß sein Verbot der Polygamie von der Judcnheit der ganzen Welt als bindendes Gesetz angenommen wurde, läßt sich das Gemciudclebeu der Juden in Alzey erst nach dem dreißigjährigen Kriege Nachweisen. Tenn seit jener Zeit ist ein jüdischer Friedhof in Alzey vorhanden, der hiesige älteste jüdische Friedhof an der Antonitterstraße, und'ein Memorbuch, das ist das gemeindliche in hebräischer Sprache geführte Gedächtnisbuch für die Verstorbenen. Eine Synagoge, die zur Andacht und Belehrung dient, war bis 1791 in dem Hause, in dem jetzt die Löwen-Apotheke ist. Tanii hatte Elias Belinont auf feine Kosten eine Synagoge eingerichtet auf der Spießgasse gegenüber deni Löwenbrunncn. Durch die Freigebigkeit der Geiiicindeiiiitgliedcr gelaiig es die jetzige Synagoge auf der Augiistiiicrstraße zii erbaueit, die am 20. Oktober 1854 durch Rabbiner Dr. Adler feierlichst eingewciht wurde. Tie vortreffliche Weihepredigt war im Truck erschienen und ist noch vorhaiiden. Zur chrcndeii Eriniierung sei des Erbauers der Syiiagoge, des Kreisbaumeistcrs Rbumbler, uiid der pflichttreuen, damaligen Vorsteher der jüdischen Geiiteinde gedacht, durch dereit Hingabe uiid Eifer vor 72 Jahren das schöne Werk zustande gekoiiiincn war. Es siiid die verewigten Ehrenmäiiiiec Timon Mayer, Louis Neuberger, Moritz Neuberger, Louis Lessing und Map Levi. Die Rabbiiier der Gemeinde waren seit 1842 folgende: Rabbiiier Dr. Adler lvon hier iiach Neuyork berufen), Rabbiiier Dr. Rothschild (Aachen), Rabbiiier Tr. Levi (Crefeld) und Rabbiner Tr. Lewit, die sämtlich durch Großherzogliches Teeret von deni hessischen Miiiisterium angestellt wurdet,. Die Rabbiiier siiid zugleich Religionslehrer aii den hiesigcli höheren Lehranstalten, der Oberrealschitle, den, Progyninasiuin, dein Lvzeum, dem Lehrerseminar «der jetzigen Aufbauschule). Ai, den, Alzeyer Lehrerseminar wurde seit 1880 jüdischer Religionsuiiterricht erteilt, so daß die jüdischen Scmiiiaristen aus aaiiz Hessen niir das Lehrcrseiiiinar in Alzey besuchen mußten. Eine größere Anzahl jüdischer Lehrer sind aus dem Alzeyer Lehrerseminar hervorgcgangcn, die segensreich ihres Aiiitcs gewaltet haben iind noch walten. Zürn Alzeyer Rabbinatsbezirke gehören iioch folgende Landaciiieindcii des Kreises Alzey und Oppenheim: Bechtolsheim, Erbes- Büdesheiin, Wendelsheim, Flonheim, Framersheim, Gau-Bickelheim, Gau-Odernheim, Hillesheim, Nieder-Saulhein,, Nieder- Wiesen, Partenbeim, Schoriisheim, Ilndenheim, Vendersheim, Wallertheim und Wörrstadt. Als Lehrer und Cantor wirkt in hiesiger Gemeinde bereits seit 38 Jahren Herr Abraham Steril, der iiiit Chorgesang und Oraelbeglcituna den würdigei, Gottesdienst versiebt, nnd erfolarcicf) hier und in einigen Nachbarge,iteinden Unterricht in Hebräisch und in Religionslehre erteilt. In der jüdischen Gemeinde Alzey sind auch eine Anzahl Vereine, geselligen, bildender, und wohltätigen Charakters. Auch bcslchcn einige größere Stiftungen, die indessen durch die Entwertung ihre Aufgabe gegenwärtig nicht erfüllen köniicii. Außer dem ältesten jüdischen Friedhof auf der Antonitterstraße hat die jüdische Gemeiirde iioch Grabstätten auf dem allgemeinen Friedhofe. Auf dem linken Flügel befindet sich seit etiva 1800 der ältere uiid auf dein rcchtci, Flügel der im Jahre 1907 eiirgeweihte neuere jüdische Friedhof. — Es sei auch der acht Söhire der Gemeinde gedacht, die 'br junges Leben für das Vaterland hingegebcn haben und zu deren Andenken zwei Gedächtnistafeln in der Svnagoge angebracht und in feierlichem Gottesdienste au, 3. Juli 1921 geweiht worden sind. D>e Namen der gefallenen Heldcnsöhne sind: Alfred Koch, Erwin «traiiß, Vaul Friedrich Küchler, die Brüder Mar Schwarz und Ludwig Schwarz, Jakob Schaffiier, Paul Weinmaun und Hugo Weininann. Aus der israelitifchcn Gemeinde in Alzey sind manche Persöiilichkeitei, von Weltruf hervorgegangen. Wir nennen den am 0. Dezember 1816 in Alzey geborene!, August Belmont, der bei dein holländischen Hof im Haag 1853 Gesandter der Vereinigten Staaten von Nordamerika war. Dieser August Belmont war in, Aufträge des Bankhauses Rothschild in Frankfurt am Main nach Neubork aekoinmen. um für dasselbe dort geschäftlich zu wirken. Er ist der Gründer des weltberühmten Bankhauses August Belinont in Neubork geworden. RI™ Ui (wpi

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