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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1927-02-01 · 2 (2.1927) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
2 (1927)
Issue
2 (2.1927)
Date
1927-02-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Wir neunen noch Nachkommen der Alzeyer Familie HernSbeim, die erfolgreiche^ Balmbrecher ans dem Gebiete der deutschen Kolonialpolink auf Samoa gewesen sind. Nach ist des Sohnes des obengenannten Rabbiners Dr. Adler ehrende Erwähnung zu tun, des grasten Gelebrten Professor Dr. Felix Adler, der an der Columbia-Universität in Neuyork als Professor wirkt nnd durch Jnaugiiration des Vereins für ethische Kultur sich einen Weltruf erworben bat. Cs wird noch bekannt sein, dast er Austanschprosessor an der Berliner Universität gewesen st't. Auch die Gattin des berühmten Politikers, des durch zwanzig Fahre hindurch bewährten Reichstagsabgeordneten für den Wahlkreis Alzeb-Bingen, Dr. Ludwig Bamberger, seine Cousine, eine geborene Belmont, entstammte der hiesigen israelitischen Gemeinde. Nicht unerwähnt bleibe, daß der vortreffliche jüdische Maler- Professor Moritz Oppenheim in seinem grasten Gemälde „Der Sederabend am Passahseste", die patriarchalische Gestalt des ehrwürdigen Simon Neuberger in Alzey als Bild des Hausherrn verewigt bat. Möge die Gemeinde zur Cbre Gottes und zum Segen der Menschheit als ein wertvolles Glied der grasten Gesamtheit sich weiter friedlich und glücklich entfalten. Die Ausstellung „Schrift und Handwerk" in Darmstadt. Von Rabbiner Dr. B r n n o Italiener, Darmstadt. Im Hessischen Gewerbemuseum zu Darmstadt (Neckarstraße 3, geöffnet wochentäglich von 11—X>1, Sonntag 11 1, intritt nnentgeltlich) besiirdet sich z. Zt. unter der Bezeichnung „Schrift und Handwerk" eine Ausstellung, die es verdient, dast auch in diesen Blättern nachdrücklich aus sie hiugewiesen wird. Cs sind Erzeugnisse der Ssfenbacher Schreiberwerkstatt, die dort ansgestellt sind. Diese Schreiberwerkstatt, ein Glied der von Pros. Hugo Eberhardt geleiteten Sssenbacher Knnstgewerbeschule, besitzt in Rudolf Koch eilten Meister, dessen Name weitZiber die Grenzen unseres Hessenlandes rühmend genannt wird, Sein Geist gibt der Ausstelluna ihr Gepräge. Dies ist um so dankbarer zu begrüßen, als das Wort Heinrich Heines „In einer vorwiegend politischen Zeit wird selten ein reines Kunstwerk entstehen" voit allen Freunden wahrer Kunst in der Gegenwart schmerzlich empfunden wird. Um so freudiger ruht das Auge aus den Gaben, die das Ssfenbacher Kunstschaffen uns geschenkt bat. Wenn nach Goethes Ansicht „Eigentümlichkeit des Ausdrucks" Anfang und Ende aller Kunst ist, so wird mit jenen Worten das Wesen dieser Ausstellung am Besten gekennzeichnet. Tie „Eigentümlichkeit des Ausdrucks" tritt dem Besucher anschaulich entgegen in den Leistungen der verschiedenen gewerblichen Berufe, die uns Proben unseres hohen Könnens geben: des Schriftmalers, des Graveurs, des Teppichwirkers, des Buchbittders und anderer. Neben der prosaiten nimmt die saerale Kunst einen breiten Raum ein. Ter Grund liegt in der Verwandtschaft zwischen Religion und Kunst. Alle echte Knust zieht wie die Religioit ihre Kräfte aus geheimnisvollen Gründen. Deshalb wird die Seele durch ein wahres Kunstwerk aitdächtig gestimmt; es führt Mts aus der Eitge unseres kleinen Ich empor zu der Weite und Höhe dessen, in dem wir mit dem besten Teil unseres Wesens verwurzelt sind. In solch andächtige Stimmting wird der Jude beim Betreten des Raumes versetzt, der die jüdische Abteilung birgt. Gegenstände des häuslichen Rituals, die so mancher Jude als vermeintlich lästige Bürde in der Hast des Lebens von sich geworfen hat. erinnern ihn an die feierlichsten Stunden im Elternhause. Hier eine Sederschüssel, nach Angaben Rudolf Kochs von Karl Schäfer geschnitzt, dort ein kupfernes Waschgerät mit hebräischer Inschrift von einem jungen jüdischen Künstler Berthold Wolpe, der zu den besten Hoffnungen berechtigt. Davon zeugen seine Arbeiten ans den verschiedenen Gebieten des .Kunsthandwerks, die Grabsteinplatte ebenso wie der in dem gleichen Raum befindliche Wandschmuck: der brennende siebenarmige Leuchter mit der Umschrift in hebräischer Sprache „Nicht durch Kraft und nicht durchs Gewalt sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige der Heerscharen". Mit besonderer Liebe haben sich offenbar die Meister — alter jüdischer Ueberlieserung folgend —der künstlerischen Ausgestaltung der Sederabende zngewandt, in denen der häusliche Gottesdienst des Juden seinen Höhepunkt erreicht. Der prächtige silberne Becher des Propheten Elia ist eine Arbeit von Kurt Jobst. Um die aus Pergament geschriebene Haggadahhaudschrist haben sich verschiedene Künstler bemüht. Der deutsche Text und die Initialen sind von Friedrich Heinrichsen, die hebräische Schrift stammt von Berthold Wolpe, die Miniaturen von Fritz Kredel. Die Handschrift setzt die guten Traditionen der im Mittelalter blühenden Zunft der Sosrim (Schreiber) erfolgreich fort, von deren Meisterschaft uns so manche noch erhaltene Handschrift Zeugnis ablegt. In diesem Zusammenhang seien auch die anderen Handschriften erwähnt, die teilweise von dem gleichen künstlerischen und religiösen Geiste wie die soeben genannte Haggadahhaudschrist erfüllt.sind. Eilie Zusammenstellung der schönsten Wochentags- und Feiertagsgebete der Juden in deutscher Sprache, für einen jüdischen Mäeen ans Pergament geschrieben von Friedrich Heinrichsen; eine Zusammenstellung der jüdischen Sittenlehre (von bcin gleichen Mäcen veranlasst), eine mit prächtigen Initialen versehene Handschrift von Rudolf Koch; der künstlerisch ans Pergament geschriebene niid ausgemalte Stanimbaum der Familie Guggenheim^ aus Worms, der ebeiiso wie die vorhiii erwähnte Haggadahhaudschrist im Druck erschienen ist bezw. erscheint. Das Kaddischgebet als Wandschmuck für das jüdische Haus findet sich in zwei Ausführungen von Berthold Wolpe; daneben hängt eine künstlerisch aeschriebene Jahrzeittabelle, im Geiste der Verstorbenen mit dem Mahnwort als Abschluß: Erziehe deine Kinder zur Bescheidenheit. Nirgends aber tritt uns die einleitend erwähnte „Eigentümlichkeit des Ausdrucks" so anschaulich entgegen, wie in den zum saeralen Gebrauch bestimmten Wandteppichen, die eine besondere Zierde der Ausstellung bilden. Wenn es die Absicht der Bibel ist, durch sinnfällige Zeichen aus das Gemüt und den Willen des Menschen zu wirken: „Und es sollen diese Worte, die ich dir heute befehle, sein in deinem Herzen, und du sollst sie deine Kinder lehren ... Schreibe sie an die Pfosten deines Hauses und an deine Tore" — die Sssenbacher Künstler haben das Gotteswort neu zu Ehren gebracht. Wo gibt es einen Menschen, der die Teppiche mit den zehn Geboten, mit dem 60. von der Vergänglichkeit des Menschen redenden Psalm betrachten könnte — diese Teppiche mit ihrer mächtigen eindrucksvollen Schrift, ihrer so harmonisch abgetönten Farbenwirkung — ohne daß ihm etwas von der ernsten Feierlichkeit des ewigen Buches bewußt wurde, wo gibt es ein jüdisches Kind, das die Teppiche anschauen könnte die bestimmt sind, das jüdische Haus zu schmücken und besonders am Sederabend den festlichen Rahmen zu bilden für die zu dem häuslichen Gottesdienst versammelten Beter, dem nicht ein Gefühl der Weihe in die Seele zöge, ein Empfinden der Ehrfurcht vor dem Geiste, der den Abend durchweht und den Künstler zu seinem Werke angeregt hat. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Bund der jüdischen Kranken- und Pflegeanstalten Deutschlands batten gemeinsam am Montag, den 17. Januar 1927, die Vertreter jüdischer Kranken- und Pslegeanstalten sowie die Vertreter einer ganzen Reihe bedeutender städtischer und interkonfessioneller Krankenhäuser, desgleichen das Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde, die Berliner Rabbiner, verschiedene Vereine und interessierte Einzelpersonen zu einer Aussprache über die Soziale KrankenhauSfiirsorge eingeladen. Unter Leitung von Pros.Tr.Seligmann wurde das Thema nach einleitenden Ausführungen des Herrn Tr. Philipsborn — vom Standpunkt des Seelsorgers «Rabbiner Dr. Löwenthal), des Arztes (Geheimrat Tr. Strauß), der jüdischen Anstaltsverwaltung (Direktor Dr. Koburger), des Wohlfahrtsamtes (Eugen Caspary) beleuchtet; die Ausgaben und die erforderliche Ausbildung von Frl. Frieda Weinreich sZentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden) geschildert. Ausgaben und Ziele der Sozialen Krankenhausfürsorge sind fest Umrissen, sie erstrecken sich einmal ans den Kranken selbst, B. M Hachenburger:: Darmstadt Kohlengrosshandlung Wilhelminenstr. 31 Fernsprecher 9 liefert Unionbriketts, Ruhr-Kohlen, Koks und Holz in bester Qualität zu Tagespreisen Mainzer Vädagogrnm j Fernruf ZI73!$)rtoatrd)ulc Fernruf ZI 7Z; Vorbereitung für alle Klassen der höheren Schulen, Oberselrunda, Prima,! Adilur; auch für Damen.! Abschlußprüfung Herbst und Ostern für den Stoff des früberen Einjährigen! an der Schule. — Versäumte Jahre werden schnell und sicher nachgeholt.! Sprechzeit: Diether v. Isenburgstr. 131/10 T von 12—2 Uhr I 6

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