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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1926-12-01 · 7 (12.1926) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
1 (1926)
Issue
7 (12.1926)
Date
1926-12-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Debatte angenommen. Der Verband konnte als gegründet angesehen werden. Die Glückwünsche der verschiedenen Delegierten aus allen Weltteilen begrüßten das Ereignis. Und der spontan angestiminte Gesang des Gebetes „El kelauhenu", in den die ganze Versammlung einficl, beschloß die Konferenz. lieber die Bedeutung der Konferenz müssen die Meinungen natürlich anseinandergehcn, je nach dem eingenommenen Standpunkt. Hier stehen sich die liberalen Zeitungen mit ihrer Verhimmelung der Konferenz und des englisch-amerikanischen Liberalismus einerseits und die konservativem jüdischen Zeitungen, die den Liberalisinns der Konferenz, wie dies eine englisch-jüdische Zeitung tat, mit einer „Jazzmusik" vergleichen, dimetralgegenüber. Man wird in der Kritik einzelne Fragen getrennt stellen müssen, um auch getrennt daraus zu antworteil. Zunächst der W e l t v e r b and! Er tritt den schon bestehenden zionistischen und orthodoxen Verbänden zur Seite, und hat daher ein vorher bestimmtes, festbegrenztes Feld. Hierin aber scheint mir auch seine Gefahr zu bestehen. Er wird sich — nach den Diskussionen der ersten Konferenz zu schließen — mehr auf die Frage des Liberalismus und feiner Abgrenzung zur Orthodoxie konzentrieren als auf die Frage des Judentums. Und auch selbst auf diesem engen Gebiet wird eine gemeinsame Aktion, wie sie doch ein Verband bezwecken soll, durch die großen Verschiedenheiten der verschiedenen Länder unmöglich gemacht. Wie verschieden muß zum Beispiel die Stellungnahme zu Gottcsdienstsragen ausfallen, wenn der Loudouer liberale Gottesdienst von den deutschen Delegierten allzu liberal, von den amerikanischen aber allzu orthodox empfunden wurde! Wie verschieden muß ferner eine Stellungnahme zum Antisemitisnius ausfallen (um den man sich übrigens auf der Konferenz wohltuend wenig kümmerte). — Was alfo bleibt dem Verband zu tun übrig? Einmal Abhaltung von Konferenzen, Herausgabe von Zeitschriften mit dem Zweck der theoretisch-akademischen Erörterung von „grundsätzlichen" Fragen. Aber auch schon das wird Schwierigkeiten haben, wie das Austauchen der Frage des Zionismus nebst ihrer unbefriedigenden „Erledigung" sowie die sicherlich symptomatische Uneinigkeit über den Namen des Verbandes beivies. (Die sprachlichen Schwierigkeiten scheinen mir ein genaues Barometer der wirklichen Schwierigkeiten zu sein, wie ja überhaupt die Sprache am feinsten innere Tatbestände anzuzetgen vermag). Bedauerlich auch war, daß man es nicht vermocht hatte, eine klare Definition dessen, was man unter „liberalem Judentum" verstauden wissen will, zu geben. -- So blieben also, da praktische Einzelsragcn der jüdischen Sphäre mangels einheitlicher Stellungnahine ausgeschlossen sein dürften, nur die praktischen Fragen der allgemein-menschlichen Sphäre, wie z. B. die sozialen, politischen und ähnlichen Fragen. Und die bedürfen nicht der Behandlung durch ein speziell jüdisches Gremium. Wenn aber auch der Verband als solcher wohl zunächst keine wesentliche Bedeutung haben dürfte, so war doch die Zusammenkunft mit so verschiedenartigen Juden aus anderen Gründen lehrreich und ermutigend. Ganz abgesehen von der wissensmäßigen Bereicherung durch das Kennenlcrncn der Verhältnisse der anderen Länder und den unmittelbaren Eindruck von berühmten Persönlichkeiten gab der Kongreß auch kräftige Impulse für unsere jüdische Aufgabe und Tätigkeit. Man gewann den Eindruck, daß zwar der von Geiger begründete Liberalismus im wefentlichen keinen neuen großen Gedanken seit jener Zeit der Begründung erzeugt hatte, daß aber jetzt eine neue Welle durch die ganze Welt geht, die frische Strömung in die alten Flüsse zu tragen versucht. Für uns kann der in London geübte Gottesdienst trotz seiner Andacht doch in vielen Punkten keine Norm sein, da er teils zu christlich, teils zu rationalistisch ist. Aber gerade gegen diesen Rationalismus im jüdischen Liberalismus wandte sich eine ganze Anzahl von Rednern (Max Wiener, Elbogen, Baeck, Levy von Chicago und Wise). Und aus ihren Reden spürte man eine echte religiöse S e h ns u ch t, die scheinbar den jungen Liberalismus der ganzen Welt beherrscht. Hier ist deutlich sichtbar ein Bruch zwischen der alten rationalistisch-philosophisch-erklügelten Religiösitüt des totanständigcn und bescheidenen Montesiore und der jungen, vom Gefühl und Temperament durchpulsten Religiösität eines Wise oder Levy. Und die Grenzlinie zwischen den beiden Feldlagern läuft nicht auf den politischen Grenzen der verschiedenen Staaten, sondern aus den einig sich erneuernden zwischen A l t und I u n g. Im Feldlager der Jungen reichen die Menschen von Amerika die Hand ihren Brüdern in Deutschland und England. Hier bekämpft man nicht den Zionismus, sondern sucht ihn zum mindesten erst einmal zu^ verstehen. Hier ^erhebt man, wie das auf der Konferenz von verschiedenen Seiten geschah, gebieterisch die Forderung des Hebräischlerncns. Hier läßt inan die ganze Fülle des jüdischen Stoffes auf sich einwirken, mit all seinen Unerklärlichkelten und Irrationalitäten. Was hieraus sich entwickelt, läßt sich nicht absehen. Nur das eine wird klar: Der Liberalismus, der im Judentum erst drei Jahrhunderte nach seinem christlichen Genossen, dem Protestantismus, ^uftMt^hat^im^ Zeitalter des^Sozialisinus seine Grenze erreicht. Er steht an der Schwelle einer ^eisen"Gemeinschaftsbewegung, in der der individualistische Liberalismus seine Existenzfrage gestellt bekommt. Will er in dieser Bewegung weiter bestehen, so muß er — scheint mir — sich mit den überindividuellen Elementen des Judentums ausrüsten und deshalb die Verbindung suchen mit den ewig unersorschlichen Kräften der jüdischen Religion. Die Rhenusloge 11. O. B. B. in Mainz feiert ihr diesjähriges Chanukka-Kinderfest am Sonntag, den 19. Dezember 1926, nachmittags 4 Uhr, in der Mainzer Liedertafel, Große Bleiche. Aufgeführt wird ein Festspiel: „Menora und Tannenfee". Daran anschließend Bewirtung und Beschenknng der Kinder. Alle Kinder jüdischen Glaubens werden hiermit eingeladen und haben freien Zutritt, ebenso die Brüder unserer Loge und deren Angehörige. Jugendecke Jüdischer Iugendverein Mainz a. Rh. Programm für Monat Dezember 1926. Regelmäßige Veranstaltungen: siehe in der Novembernummer des „Mitteilungsblattes". Sonntag, den 5. Dezember 1926: Ehanukah. (Ohne Veranstaltung). Samstag, den 11. Dezember 1926: C h a n u k k a h - B a l l im großen Saal der Liedertafel. Sonntag, den 12. Dezember 1926: In Anbetracht des vortägigen Festes ohne Veranstaltung. Zu Weihnachten beabsichtigen wir eine zweitägige Ski- und Rodelfahrt zu veranstalten. Zwecks Beschaffung von Nachtquartier ist es erforderlich, daß sich alle Interessenten bis spätestens 18. Dezember, bei Leo Schwarzwälder, Mainz, Hindenburgplat; 3, II, anmelden. Samstag, den 25. Dezember 1926 (Weihnachten): Treffzeit ca. 5 Uhr Bhf. Kastel. (Genaue Zeit wird noch bekanntgegeben). Kosten ca. 4 Jl (nur für Fahrt). — Höchst-Soden-Feldberg (Nachtfahrt) Uebernachten auf dem Feldberg. Sonntag, den 26. Dezember 1926 (Weihnachten). Treffzeit 8.30 Uhr Bhf. Kastel; Kosten ca. 2.50 Jl. — Höchst-Soden (oder Königstein)-Feldberg Ski und Rodel sind auf beiden Fahrten mitzubringen. — Liederabende. Jeden Mittwoch, abends 8,30 Uhr, finden bei Eppsteins wie bisher unsere Liederabende statt. Wir erwarten, daß alle Mitglieder der Wandergruppe hieran teilnehmen. Der Wnnderausschuß: Leo Schwarzwälder.^ Anschrift: Hindenburgstraße 3, II. Marniev Pädagogium Fernruf 3175 IJÖljCXrC VUUtt |Vi)Ule Fernruf 3173 Vorbereitung für alle Klassen der höheren Schulen, Obersekunda, Prima, Avitur; auch für Damen. Abschluffvriifung Herbst und Ostern für den Stoff des früheren Einjährigen an der Schule. — Versäumte Jahre werden schnell und sicher nachgeholt. Sprechzeit: Diether v. Isenburgstr. 13Vio 1 von 12—2 Uhr Erster deutscher Teppich-GroB-lmport MT Achtung! nur Flachsmarkt Teppiche jeder Art, Groß- und Klein-Verkauf „seit 1830“ 6

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