Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 1 (1926)
- Issue
- 7 (12.1926)
- Date
- 1926-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wird auch in Zukunft allen Angriffen trotzen, denn cs hat noch immer die Aufgabe, das Licht im Heiligtum zu pflegen (Exodus 27, 20), daß es nicht erlösche, der Welt die Leuchte der Gotterkenntnis voranzutragcn, die ihr den Weg zeigt, den sie zu ihrem Heil zu wandeln hat. Wenn wir aus diesen Worten Guttmanns seine unerbittliche Wahrhaftigkeit und seine geschichtliche Gründlichkeit erfahren, so zeigt er sich in den Sätzen, mit denen er seine Predigt schließt, als den liebevollen Priester, der dem Frieden unter der Menschheit dienen will: Was der Hatz an uns gesündigt hat, das kann nur die Liebe wieder heilen. Das Judentum hat das Ziel seiner Hohenpriesterlichen Wirksamkeit noch lange nicht erreicht; es hat noch eine hohe Aufgabe zu erfüllen. Diese Aufgabe aber kann es nur dann erfüllen, wenn es die Spuren einer die Hoheit feines Wesens entwürdigenden Knechtschaft ahstreift und sich der Welt in fleckenloser Reinheit, im strahlenden Glanz seines priesterlichen Schmuckes zeigt. Dann wird man ihm die ihm gebührende Anerkennung Glicht mehr versagen; man wird ihm, Uue dem Hohenpriester in der prophetischen Erscheinung, den reinen Kopfbund, das Diadem des Priesters auf die Stirne setzen. Ja, die Liebe ist stärker als der Hatz, der Glaube an die Wahrheit trägt zuletzt doch den Sieg davon. Das ist die lleberzeugung, die dieses Fest der Weihe, die Erinnerung an den Sieg der Makkabäer in uns befestigen und erneuern soll. In diesem Glauben sind wir stark und unüberwindlich, dürfen wir trotz aller Kämpfe und Gefahren der Zukunft mit frohem Mut entgegensehen. Bon unserem Hess. Landesverband. Die für den 14. November einberufene Oberratsfihung hat in Anwesenheit von vierzehn Oberratsmitgliedern beziehungsweise deren Stellvertretern stattgefunden. An den Beratungen nahmen teil die Herren: Der Vorbandsvorsitzende Kommerzienrat Mayer, Mainz, Rechtsanwalt Baum, Alzey, Hch. Hirsch, Groß-Gerau, Rechtsanwalt Joseph, Darmstadt, Rabbiner Dr. Italiener, Darmstadt, Lehrer Kahn, Alsfeld, Ferd. Krämer, Friedberg, Rabbiner Dr. Levi, Mainz, Dr. Nickelsburg, Worms, Lehrer Simon, Darmstadt, Rechtsanwalt Dr. Guggenheim, Offenbach, Iustizrat Dr. Marx, Bingen, Ifaac Oppenheimer, Gaubickelheim, Rechtsanwalt Rothenberger, Gießen. In dieser Sitzung erstattete der Vorsitzende Bericht über die Verhandlungen zwecks Gründung des Reichsverbandes der deutschen Juden, an welchen er als Delegierter für unseren hessischen Landesverband teilgenommen hat. Der Beitritt unseres Hessischen Landesverbandes zum Reichsverband wurde beschlossen. Als Ratsmitglieder des Reichsverbandes für unseren Landesverband wurden die Herren Kommerzienrat Mayer und Rechtsanwalt Dr. Guggenheim, als deren Stellvertreter die Herren Rabbiner Dr. Italiener und Rechtsanwalt Rothenberger gewählt. Verschiedene Fragen der Organisation und der Arbeitsmethode wurden durchberaten und geklärt. Berichte über den Kassenstand und das „Mitteilungsblatt" zeigten einen befriedigenden Fortgang unserer Arbeit. Gesuche zahlreicher Gemeinden fanden eine den Mitteln des Verbandes entsprechende Erledigung. Auch der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg wurde mit Rücksicht auf ihre Bedeutung für das gesamte deutsche, Judentum ein Jahresbeitrag von 100.— Jl bewilligt. Vom Beitritt der Gemeinde Urberach wurde Kenntnis genommen. Die Anträge zahlreicher Verbandsgemeinden um Beihilfen für ihre Beamten und um Anstellung von Wanderlehrern, Vorbetern und Schächtern fanden Erledigung dahin, daß diese Gesuche zur gründlichen Durcharbeitung und beschlußfähigen Vorbereitung an den Schulausschuß überwiesen wurden. Die Gesuche sollen bezirksweise durchgeprüst wer- 2 den. Prinzipiell wurde die Anstellung von Wanderlehrern unter Heranziehung der interessierten Landgemeinden zu den Kosten nach ihrer Leistungsfähigkeit beschlossen. Die Anstellung soll nach der Gehaltsgruppe VII erfolgen. Einige Wanderlehrer, welche bisher im Aufträge des Hessischen Logenverbandes tätig waren, werden vom 1. Januar 1927 ab vom Landesverband übernommen. Die endgültige Regelung der Wanderlehrerfrage und Gesuche soll in der Mitte Januar"stattsindenden nächsten Oberratssthung erfolgen. Die von Herrn Rechtsanwalt Rothenberger, Gießen, vorgebrachten Schwierigkeiten, die sich für die oberhessische Landiudenschaftskasse herausgestellt haben, und die Frage, ob die Gemeinden auch auf die Vermögen und aus die Körperschaftsteuern Kultussteuern ausschlagen lassen sollen dzw. dürfen, führen zur Einsetzung einer aus den Juristen des Oberrats und Herrn Rabbiner Dr. Dienemann bestehenden Kommission, die sich mit der Klärung dieser Fragen befassen soll. Um den Wünschen zahlreicher Gemeinden auf Beratung und Aufklärung über Gemeindefragen und Verbandsleistungen zu entsprechen, wurde eine Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Baum, Alzey, Hch. Hirsch, Groß- Gerau, Lehrer Kahn, Alsfeld, Ifaac Oppenheimer, Gaubickelheim und Lehrer Simon, Darmstadt, gewählt. Diese Herren werden den Gemeinden auf Wunsch zwecks persönlicher Aussprache zur Verfügung stehen. Der Reichsverbands-Entwurf in der Verbandstagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden abgelehnt Nachdem die jüdische Volkspartei von Anfang an gegen den vorgelegten Entwurf des Reichsverbandes ausgetreten war, weil dieser Entwurf ihr undemokratisch erschien, und nachdem auch die Mittelpartei sich mit dem Entwurf nicht zufrieden gegeben hatte, ist jetzt bei der Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, welche am 21. November in Berlin zusammengetreten war, auch die liberale Fraktion des Preußischen Landesverbandes gegen den Entwurf schlüssig geworden. Die liberale Fraktion hätte allein die Mehrheit der Stimmen den anderen Fraktionen gegenüber besessen, die genügt hätte, um den Entwurf zur Annahme zu bringen. Sie hat aber besonders unter dem Einfluß der äußer-berlinischen Fraktionsmitqlieder den Entwurf einstimmig abgelehnt. Damit ist die bisher geleistete Arbeit für das Zustandekommen eines Reichsverbandes unnütz geworden. Nun. muß man abwarten, ob ein neuer Entwurf ausgearbeitet wird und ob, wenn dies geschehen sollte, dann diesem neuen Entwurf die süddeutschen Landesverbände beitreten können. Herr Dr. Ismar Freund, der bisherige Geschäftsführer des Preußischen Landesverbandes, der immer und immer wieder gegen den vorgelegten Entwurf des Reichsverbandes plädiert hat. ist — wohl aus Gründen, die nur den Preußenverband betreffen — von seinem Geschästsführervosten zurückgetreten. Er bleibt aber Mitglied des Preußischen Landesverbands-Rates. Angriffe auf jüdische Einrichtungen Das durch das jüdische Religionsgesetz vorgeschriebene Schächten, welches in früheren Jahrzehnten wiederholt von unseren Gegnern bekämpft wurde, steht wieder einmal mitten tm Für und Wider der Meinungen. Die Anti-Schächt-Bewegung hat nun in den letzten Monaten eine derartige Schärfe und Ausdehnung gewonnen, daß unsere zuständigen Verbände vor einer großen