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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1926-12-01 · 7 (12.1926) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
1 (1926)
Issue
7 (12.1926)
Date
1926-12-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^3 des Stmnares •i Dezember J9261 L1. Ishrg., jllr. 7? MMlMgMck des Landesverbandes der lstaelitischen lleligionsgemeinden Hessens Dieses Blatt erscheint monatlich und geht den Mit-!ß! Luschristen: Main;, lhindenburgstrahe sllr. 44 gliedern unentgeltlich zm » Lrscheinungsort Mains.!!! schristleitung: lhabbiner vr. 8. Levi, Mains Zum Ehanukka-Feste Das traulich-familiäre Chanukkafest ist wieder bei uns eingezogen. Die Lichter leuchten wieder allabendlich in der Synagoge und im Haufe auf. Die Heldentaten der Makkabäer und ihre Glaubenstreue erstehen mahnend vor unseren Augen und erfüllen die Herzen der Alten wie der Kinder mit Kraft für unsere Tage. Das Chanukkafest ist dasjenige unter den jüdischen Festen, welches am spätesten entstanden ist. Im Jahre 164 vor der üblichen Zeitrechnung wurde es erst eingesetzt, und zwar von Juda Makkabbi nach dem Siege über die Syrer und nach der Wiedereroberung des Tempels. Die Geschichte vom Wunder des Oelkrügleins, die als Ausgangspunkt für die noch heute geübte Vorschrift des Lichtzündens zu betrachten ist, erzählt nicht nur von einem einmaligen Ereignis, sondern soll auch ein dauerndes Gleichnis fein für die Wunder wirkende, erleuchtende Kraft des Glaubens und des Gottvertrauens. Sie ist eine Lehre für alle Schicksalslagen der Juden. Wie diese Lehre die gleiche geblieben ist bei allem Wandel des Schicksals davon spricht in einer Predigt zu Sabbath-Chanukka der vor sieben Jahren verewigte Rabbiner Professor Dr. Jacob Guttmann. Die Predigten dieses Breslauer Rabbiners, der ein Meister der Kanzelrede war, hat sein Sohn vor kurzem in einer Auswahl herausgegeben. Wir dürfen heute wohl ein kurzes Stück der genannten Chanukkapredigt sowohl als Probe der überragenden Kanzelberedsamkeit Guttmanns wie auch als geeignete Zeitmahnung zu uns sprechen lassen. Seite 163 der Sammlung heißt es: Ist es nicht ein merkwürdiges Schicksal, das dem Judentum widerfahren ist? Seit Jahrtausenden ist unsere Lebre in den wesentlichen Grundzügen unverändert dieselbe geblieben. Wie oft aber haben seit den Tagen des Antiochus Epiphanes unsere Feinde und Widersacher gewechselt? Allein, so verschieden auch die Lehren waren, zu denen unsere Gegner sich bekannten, immer wurde es dem Judentum nur als Trotz und Halsstarrigkeit ausgelegt. daß es den an ihm geübten Bekehrungsversuchen widerstand und' an seinem Glauben festhielt. In der Zeit der Makkabäerkämpfe ward es dem Judentum als Verbrechen angerechnet, daß es sich vor dem Griechengott nicht beugte, daß es sein Heiligtum nicht in eine Stätte griechischen Götzendienstes wollte umwandeln lassen. Und als zwei Jahrhunderte später das römische Weltreich seine Herrschaft auch über Judäa ausdehnte, da ward den Bekennern des Judentums zugemutet, sich vor den Kaiserbildern mederzuwerfen, die man im Tempel zu Jerusalem aufgerichtet batte. Und wieder waren die Juden so halsstarrig, sich dieser von wahnwitziger Selbstvcrgötterung eingegebenen Forderung nicht unterwerfen zu wollen. Es traten dann die beiden Tochterreligionen des Judentums auf, die doch die Treue ihrer greisen Mutter schon deshalb hätten ehren müssen. weil sie selber ohne diese Treue, wenn das Judentum nicht bisher allen Versuchungen widerstanden hätte, niemals das Licht der Welt erblickt hätten. Und doch konnten auch sie es dem Judentum nicht verzeihen, daß es ihnen zu Liebe nicht vom Schauplatz der Geschichte verschwand, sondern so eigensinnig war, noch weiter fortbestehen zu wollen. Und als in unserem deutschen Volke jener gewaltige Mann erstand. der sich eine innere Erneuerung seiner Glaubensgemeinschaft znm Ziel gesetzt und in dem von ihm geführten Kampfe die besten Waffen der Rüstkammer des Judentums entlehnt hatte, da meinte auch er, daß die Zeit des Judentums abgelaufen sei. und erwartete, daß die Juden der von ihm begründeten Gemeinschaft beitreten würden. Da er aber in dieser Erwartung sich getäuscht sah, wurde er, der frühere Anwalt der Juden, deren erbittertster Feind und ließ sich zu so maßlosen Anklagen gegen unsere Gemeinschaft Hinreitzen, wie sie das finsterste Mittelalter nicht schlimmer aufzuweisen hat. Seht, so ist es dem Judentum seit Jahrtausenden ergangen und so ergeht es ihm auch heute noch. Wegen unserer Standhaftigkeit und Treue werden wir geschmäht und verfolgt, in unseren Rechten gekürzt und gekränkt; weil wir nicht mit einer Lüge auf den Lippen das Bekenntnis zu dem Gott unserer Väter verleugnen wollen, darum werden wir zu Parias herabgewürdigt und überall zurückgestoßen und verdrängt. „Für meine Liebe feinden sie mich an; ich aber halte aus im Gebet" (Psalm 109,4.) Was wäre aus der Welt geworden, auf welche Bahnen wäre die Entwickelung der Menschheit geraten, wenn das Judentum so schwach gewesen wäre, dem an es herantretenden Versucher nachzugeben und sich von den Idealen seines Glaubens loszusagen? Hat nicht an dem Licht im Heiligtutn unseres Glaubens sich das Licht entzündet, das den Geist der Völker erleuchtet und erhellt, aus dem alle wahrhafte Aufklärung und Gesittung im Leben der Völker stammt? Darum hat auch der Gott der Wahrheit, der Hüter Israels, über es gewacht, daß es allen Stürmen und Gefahren entgangen ist. und er wird auch ferner seine Hand schützend über uns ausgebreitet halten, solange wir treu zu unserem Glauben stehen. Ein Scheit, ans dem Feuer gerettet, ist Israel, das durch Gottes Gnade den Umtrieben seines Anklägers, den Flammen des Scheiterhaufens entrissen wurde. Es 4024

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