Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 1 (1926)
- Issue
- 5 (10.1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Kasse geknüpft hat. Sie ermöglicht und gewährleistet eine raschere, von bürokratischen Formen nicht beengte, ans das Vcrtrautfein mit den Verhältnissen der Steuerzahler gegründete und deshalb in schonendster Weise sich vollziehende Behandlung der Steuerangelegenheiten. So ist denn zu hoffen, daß auch dieses Stück Gemeindeverwaltung und Gemeinderccht zum Vorteil der Gesamtgemeinde sich auswirkt, zumal wenn — das sei an dieser Stelle als Mahnung und Bitte ausgesprochen — alle verantwortungsbewußten Mitglieder der Gemeinde durch pünktliche Einzahlung der Kultusstcuern dem Vorstand und der Kasse die Arbeit erleichtern. S. Offenbali,. In der Woche vor dem Neujahrsfeste saud eine Gemeindeversammlung statt, in der Herr Rabbiner Dr. Dienemann über die Londoner Weltkonfercnz berichtete; mit dem Vortrage war zugleich eine Einführung in den Sinn der hohen Festtage verbunden. Offenbach. Gottesdienst der Vereinigung der Ostjudeu an den Hohen Feiertagen. Dieser fand wieder — wie in früheren Jahren — in der Kleinen Gcmeindesynagoge statt, die der Vorstand der Bcreinignng zur Verfügung gestellt hatte. Ferner wurde dieser ein Zuschuß aus der Gcmeindekasse gewährt, um die Abhaltung des Gottesdienstes durch einen geeigneten Vorbeter zu ermöglichen Ter israelitischen Gemeinde Bürgel-Osfenbach ist durch ein tragisches Geschick ihr erster Vorsteher, Herr Julias Katz, durch den Tod entrissen worden. Am Rüsttage des Versöhnungsfestes, als der Verblichene noch schnell einige Besorgungen in dem Geschäfte, in welchem er als Prokurist angestellt war, erledigen wollte, um sich dann ganz der Vorbereitung auf den heiligen Tag widmen zu können, wurde er das Opfer eines Autounfalls. Die israelitische Gemeinde Bürgel verliert in dem Dahingeschiedencn ein eifriges Mitglied, der Hessische Landesverband einen treuen Anhänger und Förderer feiner Bestrebungen. S. Wallertheim (Rheinhessens. Der Senior der Getreidehandlung Karl Jsaac & Co., der 78jährige Herr Karl I s a n c konnte am Rosch-Haschonohfesle ein seltenes Jubiläum begehen. War doch eiu halbes Jahrhundert verflossen, seit Herr Jsaac die ehrenamtliche Funktion eines Baal Tokeah in der hiesigen Religionsgemeinde ausübt. Aus diesem Anlaß hatte die Gemeinde an dem Ehrentage den Synagogenplatz des Jubilars mit einem schönen Blumenarrangement mit der aus Blumen bestehenden Zahl 50 geschmückt und das stellvertretende Mitglied des Oberrates unseres Landesverbandes, Herr Jsaac Oppenheimer, Gau- Bickelheim, feierte in herzlichen Worten den Jubilar, der nicht nur ein umsichtiger und arbeitsfreudiger Kaufmann sei, sondern der neben seiner beruflichen Tätigkeit die Zeit gefunden, für die Erhaltung unserer heiligen Emunah auf dem Lande zu wirken. So fei er nicht nur schon 50 Jahre Baal Tokeah, sondern versehe auch seit der „lehrerlosen" Zeit die Funktion eines Baal Koreh, immer in dem Bestreben, die Institutionen der Gemeinde hochzuhalten. Herr Jsaac dankte, indem er die Gemeinde bat, wenn sie ihm eine Ehre erweisen wolle, dann sollten die Mitglieder wieder regelmäßig zum Minjan kommen. Lomaoliti b’omrim li bes ad. nelech. Er wies auf die Vergangenheit der Kehillo Wallertheim hin, die immer uiiter den rheuchessischen Landgemeiiiden mit an erster Stelle gestanden habe. Die Mitglieder sollen nicht unter der Berufslast die hohen, sittlichen Ideale der Religion vcrgesseii geiiiäß der Mahnung: ^Vobosek w’sohof lo jarbo-lo m’od! Unser Wunsch: Möge Herr Karl Jsaac noch lange Jahre in Gesundheit seine hohe Funktion versehen zu Ehren unserer heiligen Religion. Bürstadt. Die hiesige israelitische Religionsgemeinde wurde auf ihren Antrag laut Verfügung des Herrn Ministers des Innern vom 18. August d. I. vom Rabbinat Darmstadt II (Dr. Merzbach), dem sie bisher angehörte, zum Rabbinat Darmstadt 1 (Dr. Italiener) zugeteilt. Bücherschau. Der rührige Philoverlag iu Berlin hat wiederum eiue Anzahl Druckschriften herausgegeben, die es verdienen, in jüdischen und nichtjüdischcn Kreisen, soweit sie sich um ihre Unterweisung in Zeitfragen bemühen und an Aufklärung und Bekämpfung falscher Auffassung beteiligen wollen, gelesen zu werden. Wir zählen diese neu erschienenen Schriften in alphabetischer Reihenfolge der Verfasser auf und können unseren Lesern dringend empfehlen, sich die eine oder andere zu bestellen, sie zu lesen und, besonders auf dem Lande, sie zum Gegenstand von Aussprachen in Freundes¬ und Bekanntenkreis zu machen. Die langen Wiuterabcnde, die jetzt herankommcn, werden für solche Aussprachen und gegenseitige Belehrung an der Hand eines kurzen Druckwerkes, ganz besonders geeignet sein. — Die neu erschienenen Broschüren sind folgende: 1. Bab, Julius: Goethe und die Juden (Die Morgenreihe, 8. Schrift), Berlin 1020. 30 Seiten. 2. Krebs, Engelbert, Dr. theol. et Phil. o. ö. Professor der Theologie an der Universität Freiburg i. B.: Ilrkirche und Judentum. (Die Morgcnreihe, 2. Schrift), Berlin 1920. 31 Seiten. 3. Nathan, Paul: Das Problem der Ostjuden. Vergangenheit — Zukunft. Berlin 1920. 88 Seiten. 4. Norden, Dr. Joseph, Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Elberfeld: Auge um Auge — Zahn um Zahn, eine vielumstrittene Bibelstelle. Berlin 1920. 24 Seiten. 5. Müller, Tr. K., Oberstudicndirektor: Völkische Weltanschauung, eine Auseinandersetzung. Berlin 1920. 44 Seiten. 0. Rosin, Heinrich: Tie Juden in der Medizin, Vortrag, gehalten im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Berlin. Berlin 1020. 25 Seiten. 7. Stein, Dr. Ludwig, Uuiversitätsprofessor: Tie Juden in der Philosophie der Gegenwart. Berlin 1025. 12 Seiten. 8. Stern, H.: Warum sind wir Deutsche? 0 Aufsätze für die deutsch-jüdische Jugend. 81 Seiten. Mit einem Wort besonderen Hinweises nennen wir die Neuerscheinung des Philoverlags: Friedländer, Fritz Tr. Phil.: Tns Leben Gabriel Rießers, ein Beitrag zur inueren Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert. Berlin 1920. 185 Seiten. Friedländer gibt in diesem Werke nicht nur eine umfassende Lebensbeschreibung Gabriel Rießers, dieses unbeugsamen Verfechters des staatsbürgerlichen R e ch t e s der Juden, sondern, gestützt auf zahlreiche Quellen und Dokumente, eine Darstellung der politischen Vorgänge in der Zeit, in welcher Gabriel Rießers Leben sich auswirkte. Die lebendige Darstellung des Verfassers ist, bei aller Gründlichkeit der Forschung, leicht verständlich; die um- *£'38“*..