Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 1 (1926)
- Issue
- 5 (10.1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Alls dem Leben wlserer Verbandsgemeinden. Darmstadt. Die israelitische Religionsgemeinde Darmstadt erfüllt eine Ehrenpflicht, wenn sie auch an dieser Stelle des am I.Inli 1926 ans dem Amt geschiedenen seitherigen Gemeindevorstehers, Herrn Justizrat Dr. Hugo Bender gedenkt, welcher über 20 Jahre, seit dem 20. März 1906 als 2. Präsident und seit dem 29. Dezember 1919 als Vorsitzender unseres Vorstandes, die Verwaltung der Gemeinde geleitet hat. Herr Dr. Bender übernahm die Geschäfte in einem schwierigen Zeitpunkt, wo es galt, Meinungsverschiedenheiten und Konflikte innerhalb der Gemeinde Glicht nur in ihren Rechtsfolgen, sondern auch in ihrer Einwirkung aus das Gemeindeleben zu beseitigen. Er hat diese Ausgabe im Zusammenwirken mit dem verdienten, gleichfalls im Frühjahr 1906 gewählten und im ersten Nachkriegsjahr leider zu früh verstorbenen, damaligen 1. Vorsteher, Herrn Otto Wolfs, in der gleichen sachlichen und vornehmen Weise gelöst, wie solche nicht nur seine spätere Amtsführung in unserer Körperschaft, sondern auch sein ganzes berufliches und außerberufliches Leben kennzeichnet: Ein hervorragender Anwalt des Rechts, aber auch der versöhnenden Gerechtigkeit, dessen Wirken int Geiste unserer Religion zwei Jahrzehnte lang die Wohlfahrt der Gemeinde förderte und ihr trotz der äußeren Stürme des Kriegs den inneren Frieden brachte. Die hervorragende Persönlichkeit Dr. Benders fattb ihre innere und äußere Anerkennung durch die mehrfachen und stets gewichtigen Ehrenstellen des öffentlichen Lebens, zu denen er berufen wurde. Die Gemeinde und seine Vorstandskollegen haben es mit aufrichtigem Verständnis gewürdigt, daß Herr Justizrat Dr. Bender auch nach seiner Wahl zürn Vorsitzenden der Hessischen Anwaltskammer — ein mit Arbeit und Verantwortung reich bedachtes Amt — die Gemeindegeschäfte als 1. Vorsteher weiterführte. In seine Amtszeit fallen die Anstellungen der meisten heute im Dienst der israelitischen Religionsgemeinde Darmstadt stehenden Beamten und die schweren Jahre des .Krieges und der Inflation. Auch den Beamten wird Herr Dr. Bender als Vorbild eines gerechten, wohlwollenden und stets von Hochachtung für ihren heiligen Beruf geleiteten Vorgesetzten unvergessen bleiben. Die Gemeinde schließt mit dem Ausdruck besonderer Dankbarkeit für seine letzte weitschauende Tat, den am 1. Juli 1925 erfolgten Erwerb des fiskalischen Anwesens Bleichstraße 15, womit die Grundlage zu einer künftigen würdigen Erweiterung unseres Synagogengebäudes und ausreichender Platz für die notwendigen Neubauten, zugleich aber ein sichtbgres Tenkzeichen für Dr. Hugo Bender geschaffen wurde. Darmstadt. Die Hohen Feiertage standen in diesem Jahre für die israelitische Religionsgemeinde noch mehr als sonst unter dem Zeichen der Erinnerung. Die Gemeinde gedachte am Neujahrstage des Jubiläums der Synagoge, deren öOjähriges Bestehen sie am 21. Februar d. I. festlich begangen hatte. Am Versöhnungstage stand das verklärte Bild des am 12. Mai d. I. verstorbenen Rabbiners Dr. David Selver vor dem rückschauenden Blick der Gemeinde. Was die Gemeindeverwaltung betrifft, so hat sich in der Leitung der Geschäfte ein bedeutsamer Wechsel vollzogen. Zum Vorsitzenden des Vorstandes wurde der bisherige 2. Vorsitzende, Kaufmann Leopold Hachenburger, stellvertretendes Mitglied des Oberrates des Landesverbandes der israelitischen Neligionsgemeindcn Hessens, einstimmig gewählt, da Justizrat Dr. Hugo Bender, der langjährige erste Vorsitzende nach 20jähriger Zugehörigkeit zum Vorstaud zum allgemeinen Bedauern ausgeschieden ist. Eine Würdigung der hervorragenden Verdienste dieses Mannes um die Gemeinde findet sich an anderer Stelle. Mainz. Der aus Anregung des Herrn Rabbiner Dr. Lcvi auf dem alten „Jndensand" geschaffene Grabmalgartcn, auf welchem 188 alte jüdische Grabsteine und aus der Zeit von etwa dem Jahre 1000 bis 1420 Aufstellung fanden, wurde am Sonntag, den 3. Oktober, vormittags 11 Uhr, in Anwesenheit von Vertretern staatlicher, städtischer und kirchlicher Behörden sowie zahlreicher jüdischer Religionsgemeinden und Rabbinate Hessens feierlich eröffnet. — Anschließend daran hat „der Verein zur Pflege jüdischer Altertümer in Mainz" seine im Verwaltungsgebäude der israelitischen Religionsgemeiude ausgestellte Sammlung der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. — Einen ausführlichen Bericht über diese beiden Veranstaltungen wird die Novembernummer unseres Blattes bringen. Worms. Instandsetzung der alten Wormser Synagoge Einer der ältesten Synagogenbauten Europas, die in ihrem zweischiffigen Hauptteile 1034 errichtete Wormser Synagoge, ist in den letzten Monaten im Innern einer eingehenden Instandsetzung unterzogen worden. Statt des bisherigen grauen reizlosen Anstriches wurde dem ernsten mittelalterlichen Baudenkmale eine maßvolle farbige Ausstattung zuteil, die unter Verzicht auf jegliche Friese und sonstige Ornamente nur durch reine Farbenflächen eine weihevolle Stimmung hervorruft und die Schönheit und Eigenart des Raumes in bisher ungeahnter Weise zur Geltung bringt. Die unregelmäßige Ausführung der rippenlosen Kreuzgewölbe und die vielfach im Lause der Zeiten veränderten schwerprofilierten Wandkonsolen unter den Gewölbeansätzen verboten eine stärkere farbige Trennung von Wand und Decke und so entschloß sich der mit der Wiederherstellung betraute Maler und Architekt Prof. Dr. Hülsen (Frankfurt), den in dem Hauptschiffe gewählten leuchtend ockergelben Wandton um ein weniges heller und nach chromgelb gebrochen im Deckengewölbe ausklingen zu lassen. Dadurch wogt in diesem Teile ein Strom warmen Lichtes, von dem sich die zwei riesigen, die beiden Schiffe trennenden romanischen Säulen mit dunkelblaugrauen Schäften und mit verschieden abgestuftem Grün, Hellblau, Rot und Weiß ihrer vielgliedrigen Kelchkapitclle prächtig abheben. Ein violettgrauer niederer Wandsockel umhüllt den unteren Teil des Raumes mit seinem dunkelbraunen Gestühl. Nach ähnlichen farbigen Grundsätzen sind die rechtwinkelig anstoßenden niederen zwei Schisse der Frauensynagoge behandelt. Hier ist der Hauptton ein leuchtendes helleres Blaugrün der Wand, das etwas gelblicher und heller in die Gewölbe übergeht und sich auf einem blaugrauen Sockel erhebt. Alle Wandkonsolen finb auf ein leichtes Blaugrau iu meheren Abstufungen gestimmt. Ter in der Mitte der Ostwand sich erhebende barocke, von Säulen mit Kranzgesims und Giebel geschmückte Thoraschrein steht neben den im Raume wogenden warmgelben und warm blaugrünlichen Tönen in ernsterem rötlichem Braun, das durch das Grau^ der Säulenschäfte, das Altgold der Kapitelle und der symbolischen Motive und einen grünlichen Ton der Gesimsplättchen belebt wird. Die kleine Vorhalle zur Frauensynagoge dämmert in einem dunkelblau, das Wand und Decke gleichmäßig überzieht. Alle übrigen Teile der Synagoge, Empore und Orgelprospekt, Türen, Fenster, Inschriften usw. wurden der farbigen Hanptwirkung untergeordnet und so ist cs Prof. Hülsen nach vielfacher sorgfältiger Ausgrabung gelungen, hier eine unmittelbar ergreifende Farbcnharmonie zu gestalten, die mit den einfachsten Mitteln, modern empfindend die uralte Tradition dieses Gotteshauses wahrt und zu schönster Verklärung steigert. Tie zahlreichen alten, von den Gewölben herabhängcnden vielarmigen Messingleuchter wurden ebenfalls renoviert und tragen nur: mit ihren spiegelnden Armen und Knäufen zur feiertäglichen Stimmung des Ganzen bei. Auch die an die Westseite des Hauptbanes anstoßende kleine Raschikapelle erhielt im Innern eine einfache farbige Erneuerung. Tie Erhebung der Kultussteuern durch die israelitische Religionsgemeinde Offenbach a. M. Mit Beginn des Steuerjahres 1926 ist in der Erhebung der Kultussteuer unserer Gemeindemitgliedcr eine bedeutsame Aeuderung ciugetreten. Nach Kriegsende mußte — eine Folge der damals vom Reich erstrebten Zusammenfassung sämtlicher Steuern — auch die Kultussteuer, die bis dahin von dem Gemeinderechner erhoben worden war, cm die hiesige Finanzkasse entrichtet werden, die ihrerseits die eingegangcnen Beträge an unsere Kasse ab führte. — Wie dieser Modus sich während der Inflationszeit auswirkte, ist ein Kapitel für sich. Ter Vorstand—und mit ihm jedenfalls die meisten Gemeindeverwaltungen — wissen ein Lied davon zu singen. Wohl die wenigsten Gemeindemitglieder hatten und haben, eine Ahnung von den vielerlei Sorgen, Mühen und Aufregungen, die damals die Beschaffung der Mittel für die Ausrechterhaltung der Gemeindeeinrichtungcn und Auszahlung der Beamtengehälter dem Vorstand verursachte. Aber auch nach der Stabilisieruug der Währung brachte die Einziehung der Kultussteuern durch die Finanzkasse — hauptsächlich verschuldet durch deren starke Ueberlastung — manche Unzuträglichkeiten und Unstimmigkeiten. Hierdurch veranlaßt erwirkte der Vorstand nach längeren Verhandlungen mit dem Kreisamt und Landesfinanzamt die Genehmigung zur Erhebung der Kultussteuern durch die Kasse der Gemeinde.. — Die Veranlagung zur Steuer geschieht nach wäe vor durch das zuständige Finanzamt Offenbach-Stadt, das hoffentlich im nächsten Jahr die Kultnssteuerbescheide für die Selbstveranlager zu einem früheren Zeitpunkt zustcllt, damit die — einer geordneten Kassenführung recht abträgliche — Stockung in den Steuereingängen vermieden wird. — Im übrigen hat der Vorstand alles getan, die Einzahlung der Kultussteuer zu erleichtern. Sie kann an drei Stellen erfolgen: 1. auf unser Konto bei dem Bankhaus S. Merzbach in Offen- - bach a. M., 2. auf unser Postscheckkonto Nr. 15 542 in Frankfurt a. M., 3. bei uuserer Zahlstelle im Gemeindehaus, Goethcstraße Nr. 1, Mittwochs vou 4—6 Uhr nachmittags. Die bis jetzt gemachten Erfahrungen rechtfertigen die Erwartungen, die der Vorstand an die Erhebung der Steuern durch unsere 5