Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 1 (1926)
- Issue
- 5 (10.1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9582242-9623182-9633954--0040-9620214- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fangreiche Literaturangabe, welche der Verfasser ansügt, gibt jedem Leser die Möglichkeit, sich in die eine oder andere Spezialfrage, welche ihn interessiert, zu vertiefen. Das Friedländersche Werk eignet sich auch zu Geschenkzwecken. Greßmann, Hugo, D. Dr. ord. Prof, an der Universität Berlin: Die Aufgaben der Wissenschaft des nachbiblischen Judentums. Verlag von Alfred Töpelmann in Gießen, 1926. 82 Seiten. Das vielgestaltige Hin- und Widerströmen geistiger und religiöser Bewegungen, welches sich in den Jahrhunderten nach dem Abschluß des biblischen Kanon in der Geschichte des Judentums auswirkte, hat bis zum heutigen Tage eine einigermaßen klare und zweifelsfreie Darstellung vom Religions- und Geistesleben der Juden in dieser nachbiblischen Zeit erschwert. Wie weit die „aktive" und „passive" Beeinflussung zwischen Judentum einerseits und Parsismus, Syrohellenismus, Alexandrismus und Romanismus mit all ihren Unterströmungen andererseits das Weltanschauungsbild für jene Zeit gestaltete und für die Nachzeit wandelte, diese Frage ist noch recht ungeklärt. Diese Tatsache gibt Greßmann Veranlassung, in seinem genannten Schristchen eine Anzahl Probleme auszuweisen und als Ausgabe den jüdischen und nichtjüdischen Forschern vorzulegen. Mit der Themenstellung und ihrer Begründung gibt der Verfasser wertvolles wissenschaftliches Material über den gesamten Fragenkomplex. Die von Greßmann gegebenen Anregungen verdienen auch in jüdischen Gelehrten- und Forscherkreisen, die sich mit dem Zeitabschnitt des nachbiblischen Judentums befassen, aufmerksamste Beachtung. (Das Heftchen kostet 60 Pfennig.) Als weitere Buchneuerscheinungen sind zu verzeichnen: t. Adler, Nathan: Sefer niv seiosoim «Verlag I. Kauffmann, Frankfurt a. M., 1026). 2. Duhm, Lic. Hans: Der Verkehr Gottes mit den Menschen im alten Testament (Verlag von I. C. B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen 1926). 8. Pflaum, Heinz: Die Idee der Liebe, Leone Ebreo (Verlag von I. C. B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen 1926). Die Besprechung dieser Werke kann erst in der Novembernummer des Blattes erfolgen. Stammbaum der Familie Guggenheim aus Worms. Herausgegeben von Notar Dr. Guggenheim in Ofsenbach am Main in Verbindung mit Rabbiner Dr. M. Dienemann, Offenbach a. M. und Lehrer S. Rothschild in Worms, Druck von Heinrich Cramer in Offenbach a. M. Wenn es eine Schrift nach Ausstattung und Inhalt verdient, gerade in dieser Zeitung rühmend genannt zu werden, so ist es der vor kurzem erschienene „Stammbaum der Familie Guggenheim aus Worms". Ist es doch der kräftige Odem d-:r hessischen Heimaterde, der dem Leser erschrischend aus den Blättern entgegenweht. In Worms wurzelnd, gehört die Familie Guggenheim zu den wenigen jüd. Familien Deutschlands, die ihren Stammbaum um Jahrhunderte — bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts ■— zurückverfolgen können. Mit Recht weist die Schrift darauf hin, „es sei von besonderem Reize, daß das Leben dieser Familie sich innerhalb einer und derselben Stadt, der Stadt Worms, abspielt, so daß man hier an einem Beispiele die Verbundenheit solch einer jüdischen Familie nicht bloß mit der deutschen Landschaft überhaupt aufzeigen kann, sondern zugleich auch die Treue, mit der ihre Angehörigen an einer Stadt hängen und in ihr ihren Lebenskreis vollenden." Aber der Genuß, den die Lektüre des vorliegenden Heftes gewährt, erklärt sich nicht nur aus der Verwurzelung der Familie mit dem Mutterboden der hessischen Heimat, sondern aus der Gläubigkeit, mit der sie immer wieder aus dem geheimnisvollen Ouell des Judentums ihre Kraft schöpfte. Das zeigt sich besonders sinnfällig in dem Wappenspruch der Familie: „Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft". Mit Recht ward dieser Spruch der Schrift als Motto vorangestellt: Er bildet den Schlüssel zum Verständnis der Vergangenheit, zum Verständnis der Lebenskraft nicht nur der Familie Guggenheim, sondern jeder jüdischen Familie. Er bildet aber auch den Wegweiser für die Zukunft. Nur mit diesem Bibelwort im Herzen werden die Enkel das Vermächtnis der Vergangenheit zu hüten vermögen, wird sich an ihnen die Verheißung unserer Lehrer erfüllen: „Das Verdienst der Väter steht ihnen bei und ihre Frömmigkeit besteht immerdar." Italiener, Darmstadt. Kalendarisches. Für jedes jüdische Jahr gibt es ein aus drei hebräischen Buchstaben bestehendes Merkzeichen, welches erkennen läßt, an welchem Wochentage das betreffende Jahr beginnt, wie viel Tage es dauert und auf welchen Wochentag Pessach fällt. Das Jahr 6687, welches wir jetzt begonnen haben, trägt das Merkzeichen: H (— 6) bedeutet: der erste Neujahrstag war an einem Donnerstag (6. Tag). fl (= chosser) bedeutet: das Jahr hat nicht abwechselnd sechsmal 80 und sechs mal 29 Monatstage, was ein regelmäßiges, gewöhnliches Jahr von 864 Tagen wäre, sondern die Monate Cheschwan und Kislew haben je 29 Tage, so daß ein Tag zur Dauer des regelmäßigen, gewöhnlichen Jahres fehlt (ollosKor — mangelhaft). N (— 1) bedeutet, daß Pessach an einem Sonntag (1. Tag) beginnt. (Infolgedessen fällt auch der 17. Tamus und der 9. Av auf Sonntag). Da das Jahr 6687 ein Schaltjahr ist, wird ein Monat (Adar I) von 80 Tagen eingeschaltet, so daß die Zahl der Jahrestage 853+80—383 beträgt. Die Zahl der Sabbathe beträgt in diesem Jahre 55; an sämtlichen Sabbathen wird nur je ein Wochenabschnitt aus der Torah vorgelesen. Die folgende Tabelle veranschaulicht das Jahresbild: Monat Tage Sabbathe Neumondtage 1. Tischri 30 4 1 2. Cheschwan 29 5 2 8. Kislew 29 4 1 4. Teves 29 4 1 6. Sch'vat 80 4 1 6. Adar 1 30 4 2 7. Adar 11 29 5 2 8. Nissan 30 4 1 9. Jjar 29 4 2 10. Siwan 30 4 1 11. Tamus 29 4 2 12. Av 30 5 1 13. Elul 29 4 2 383 66 Eine kalendarische Frage für unsere jugendlichen Leser: In welchem Falle wird an f ü n f aufeinanderfolgenden Tagen f leben m a l ausgehoben und geleient? Zum Sabbath Bereschith: Von allem, was der Heilige, gelobt sei er, geschaffen hat, hat er nicht ein einziges Ding unnütz geschaffen. (Talmud, Sabbath 77.) Briefkasten. Sch. Die wahren Herzensregungen können wir weder bei Freunden noch bei Feinden mit Sicherheit feststellen. Wir wissen nur, daß am Jom-Kippur in der Nähe von geschlossen gehaltenen jüdischen Schuhwarengeschäften ein in der Druckerei von Eugen Straub, Mainz, hergestellter „Neklame"-Zettel folgenden Wortlauts verteilt wurde: Schuhwaren! Heute kaufen Sie der Feiertage wegen zu den billigsten Preisen aller Art Schuhe im Schnhhaus Tardt, Neubrunnenstr. 9. Wir meinen, es wäre ein etwas ungewöhnlich weitgehendes Selbstbekenntnis, wenn das Haus T. mit seinem Reklamezettel hätte kund tun wollen, daß man bei ihm nur so lange am billigsten kaufe, wie die jüdischen Geschäfte der Feiertage wegen geschlossen sind. Ter Denkmalfriedhof der israelitischen Gemeinde Mainz, Wallstraße (Eingang neben der Stadtgärtnerei) ist Mittwochs und Sonntags von 11 bis 1 Uhr vormittags zur Besichtigung geöffnet. I Privatklinik für Chirurgie und Frauenkrankheiten von Dr. Rosenthal, Darmstadt, Escholibrückerstr. Tel. 580. Aufnahme finden Männer, Frauen u. Kinder mit chirurg. Krankheiten sowie Frauen mit Frauenkrankheiten u. zur Entbindung. Für jüdische Patienten streng koschere Küche.