Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Journal
- Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
- Volume
- 1 (1926)
- Issue
- 2 (7.1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Früchten essen, die nicht unter das Gebot der Erstlingsopser sielen, dann sage ich euch, wir dürfen nicht einmal mehr Wasser trinken, denn auch das Wasser-Gußopfer hat aufgehört. Da schwiegen jene Männer. Und Rabbi Iosua schloß mit den Worten: Ueber das erträgliche Maß hinaus ist die Trauer nicht möglich und man treffe keine Be st immun g für eine Gemeinde, bei we.lcher die Mehrzahl der Gemeinde nicht bestehen könnte. Aufforderung. Unsere „Mitteilungen" sollen allen israelitischen Familien des Volksstaates Hessen regelmäßig durch die Post ganz kostenlos zugcstellt werden. Von einer Anzahl Orte, in denen bei der jüngsten Volkszählung (16, Juni 1925) Israeliten gewohnt haben, besitzen wir aber keinerlei Adressen. Wir bitten daher alle Leser unserer Zeitung und insbesondere die Gemeindevorstäude, uns bei der Expedition dadurch behilflich zu sein, daß sie uns die ihnen bekannten Familien namhaft machen, welche an Orten wohnen, in welchen israelitische Religionsgemeinden nicht bestehen. Gleichzeitig bitten wir die Vorstände aller israelitischen Religionsgemeinden des Landes, uns baldigst mitzuteilen, auf welche politischen Gemeinden sich der Bezirk ihrer Religionsgememde erstreckt. M a i n z , den 15. Juli 1926. Büro des Landesverbandes der israelitischen Neligionsgemeindcn Hessens. Bekanntmachung. Hauptsynagoge Mainz. Die derzeitigen Inhaber von Synagogenplätzen können ihre Karten in der Zeit vom 2. bis 12. August 1926 gegen Ausweis und Zahlung des Mietpreises erneuern. Bestellungen auf andere als im Vorjahre innegehabte Plätze können nur vorgemerkt werden, wenn dieselben bis zu genanntenr Tage schriftlich bei uns eingereicht werden. Die Zuteilung erfolgt später. Die Gemeindekasse (Hindcnburgstraße 44, Eingang Gabelsbergcrstraße) ist geöffnet: Montags bis Freitags von 9—12)4 Uhr vormittags. Mainz, den 13. Juli 1926. Vorstand der israelitischen Neligionsgemeinde. Betrügerische Auswandererschädigung. Dreizehn Auswanderer, welche in New-Aork an Bord der „Bremen" angekommen sind, durften das Land nicht betreten, und sollen zurückgeschickt werden, so daß sie die teueren Reisekosten umsonst ausgebracht haben, weil ihre Einreiscpässe sich als gefälscht erwiesen haben. Die Unglücklichen sind die Opfer betrügerischer Agenten geworden, welche Für teueres Geld die gefälschten Papiere allsgestellt uild wahrscheinlich in Warschau ihre Zentrale haben. Da sich Helfershelfer dieser Schwindelunternehmen auch iil Deutschland bcfiilden sollen, wird nachdrücklich davor gelvarilt, sich lnit llichtamtlichen Stellen m Verhandlungen über Besorgung von Ausreisepapieren einzulassen. Die jüdische Gemeinde Worms, eine der ältesten jüdischen Geiilcillden Delitschlands besitzt sehr wertvolle Altertüulcr, die voll vieleil Auswärtigen besucht werden. Vor allein ist es die 1034 erbaute Spnagoge, die Raschikavelle, das alte Frauenbad und der alte Friedhof nlit feinen berühmten, ins 11. Jahrhundert zurückreichenden Grabsteineil. Außerdenl besitzt -die Geiilcinde ein hervorragendes Archiv mit alten Kaiscrurkulldeil uild einer Sammlung von ca. 600 Wimpeln, beginilend mit dem Jahre 1520. Seit einem Jahre besiildet sich lleben der Spilagoge ein M use u m mit wertvollem Inhalt. Das Vorstandsmitglied, Herr Isidor Kiefer, der Schöpfer des Museunls und Lehrer R o t h s ch i l d übernehmen gerne nach vorheriger Allineldling die Führung. Ans bem Friedhofe, der am Sabbat uild Festtagen geschlossen ist, kann die Besichtigllng auch inlter Führuilg des sehr kulldigcil Friedhofsaufsehers Schmidt geschehen. S. Rothschild, Worms. Zur Gründttngsversammlung des Vereins zur Pflege jüdischer Altertümer in Mainz am 23. Juni 1926. Wie allerorts in deutscheil Laildcn hat man auch in Mainz im 19. Jahrhundert der öffentlichen Sammlung jüdischer Altertünicr, voll Ilrkililden. uild Kunstgegenstäiiden, keine Beachtung geschenkt. Ihre Erhaltung blieb der Fürsorge einzelilcr Alt-Mainzer Familien überlassen, deren pietätvollem Sinil wir die Errettung iilanch wcrtvolleil und schöllen Gegcnstaildes zu verdankeil habeil. Während die Kultgegeiistände der Gemeinde eiil verborgenes Dasein iil Truhen und' Schreinen führten, wurde die Oeffentlichkeit lediglich durch die Ailsgrabuiig voll Steincll an die alte Geschichte der' Geiueinde. erinnert. Der verewigte Rabbiner Dr. Lehmann veröffentlichte die Jlischriften der von ihm entzifferten Grabsteine, die inail bei Ausgrabungen uilter der Erde fand, wie liach ihm der kürzlich verstorbene Rabbiner Prof. Dr. Salfeld. Ihm, der bis in feine späteil Tage immer wieder zur Feder griff, um die Geschichte der Maiilzer Juden zu künden, ist auch schon die Notwendigkeit einer Sammlung jüdischer Altertümer in Mailiz nicht entgangen, und so inühte er sich im Jahre 1913 llach Fertigstellung der neuen Synagoge mit dem ersten .Vorsteher der Gemeinde, Koininerzicilrat B. A. Mayer und dem für den Plan begeisterteil Hofantigllar Reiling, iil der alten Synagoge ein jüdisches Museum zu schaffen. Iil dem ehrwürdigen Raume der Syllagogengasse sollte das „Deutsche Mriseuiil jüdischer Altertümer" entstehen. Uilter diesem Namen ist das geplante Werk im Pantheon von 1914, dem Handbuch interilatioilaler Museen, verzeichnet. Leider hat der Krieg Uild die ilachfolgende schwere Zeit den zuiil Stolze der Gemeiilde und zur Zierde der Stadt großzügig gefaßten Plan schon im Keime erstickt. Erst die Kölner Jahrtausend-Ausstellung, iil deren jüdischer Abteiluilg die voll der Gemeinde Mainz entliehenen Gegenstände, besonders ausfielcn, hat von ileucm zum Bewußtsein gebracht, daß hier in der alten heiligen Gemeinde Mainz endlich eine Sammluiig geschaffen werden müsse, die ein Spiegelbild gibt von dem Kulturleben der mit ältesten jüdischen Genwinde am deutschen Rhein, ja, des ganzen deutschen Relches. Darauf bildete sich tm Herbst vergangenen Jahres ein Arbeitsausschuß, dem die Herren Rabbiner Dr. Levi, Kom. B. A. Mayer, Gg. A. Mayer. Regierungsrat Michel Oppenheinl, Isidor Reiling und der Verfasser dieser Zeilen angehörten und der sich zur Aufgabe setzte, in Mainz eiile würdige und beit Augen der Mitbürger sichtbare, bleibende Ausstellung jüdischer Kultur-Denkmäler zu schaffen. Der Vorstand der isr. Religionsgemeinde stellte in seinem Verwaltunasgebäude eillcn passendcil großen Raunl zur Verfügung; der Ausschuß versandte eill Rundschreiben an die Gemeinde, das zum Beitritt zu einem „Verein zur Pflege jüdischer Altertümer Mainz" aufforderte, danlit in einer Sammlung endlich die Dokulneilte aus dem Besitz der Gemeinde und der Stadtbibliothck, der Vereine llild Privatpersoilcn, der Oeffentlichkeit zugäilglich gemacht werden. Der Allfrnf verhallte liicht unaehört, über 100 Mitglieder meldeten sich; durch Spenden und Stiftung von Ausstattungsgegenständcn wurde es möglich, während des Winters den Ausstellungsraum fertig zll stellen. In ibnl ist bereits der reiche Besitz ail Thoravorhängcn der Mainzer Gemeinde wie der der Gcnleinden voil Weisenau und Bretzenheim eingeordnet. Bilder. Bücher, Urkunden und Silbergeräte sind als Geschenke oder Leihaabcn cinaetrosfen, so daß die „historische Samnllung der israelitischen Genwinde Mainz" bald der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Unter dieser günstigen Entwicklung konnte man für den Abend des 23. Juni 1926 zur formellen Gründungsversainmlung des jungen Vereins einladen, zu der sich die Freunde der Mainzer Geschichte unter dem Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Levi cinfanden. Die Richtlinien für die Satzungen der Gesellschaft wurden festgelegt; ihre Ausarbeitung wurde einem besonderen Ausschuß unter Leituna des Herrn Justizrat Dr. Lichten überwiesen. Dem seitherigen Arbeitsausschuß wurden unter Zuwahl des Herrn Rabbiner Dr. Bondi die Vorstandsämter anvcrtraut; die Herren Rcallchrer Efchelbacher und Dr. Leonh. Fulda wurden mit der Aufstellung des Inventars beauftragt. Mit besonderem Interesse folgte die Bersannnlnna dem Berichte des Herrn Rabbiner Dr. Levi über die Eracbnisse seiner Forschuna an den Inschriften der alten Grabsteine, die soeben aus dem städtischen Museum nach dem alten Friedbof überführt wurden, wo auf bemalten „Judensand" ein soa. Denkmalsfriedhof im Entstehen beariffcn ist. Die Beschäftigung mit diesen ältesten Dokumenten jüdischer Seßhaftigkeit auf deutschem Boden soll mit zum Aufgabcnkreise de? neuen Vereins gehören. Die dcmnächstige umfassende Veröffentlichung des Herrn Rabbiner 5