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Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens · 1926-07-01 · 2 (7.1926) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungsblatt des Landesverbandes israelitischer Religionsgemeinden Hessens
Volume
1 (1926)
Issue
2 (7.1926)
Date
1926-07-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Tr. Seüt über die alten Mainzer Grabsteine wird von neuem die tausendjährige Verbundenheit von Judentum und Deutschtum beweisen. Somit wird durch die kulturhistorische Arbeit des Vereins und seiner Führer gleichzeitig für die gegenwärtige Zcüt gearbeitet, der Abwehrkampf unterstützt und außerdem berechtigtes jüdisches Selbstbewußtsein geweckt, wie der Sinn für jüdisches Wesen belebt. Gegenstände, die für das religiöse und häusliche, das kulturelle uitd wirtschaftliche Leben der kurmainzischen wie hessischen Judenschaft von Bedeutung sind, in einer Sammlung zusammenzutragen, sie in berufener jüdischer Hand zu bewahren, ist schließlich eine so hehre Ausgabe, daß die jituge Gesellschaft zu hoffen wagt, daß ihr von allen Seiten Ausstellungsgegenstände zur Verfügung gestellt werden. Dies um so mehr, als dem einzelnen Aussteller keine Gefahren und keine Kosten entstehen; denn die Versicherung der im Eigentum der Aussteller verbleibenden Gegenstände trägt der Verein. Mögen sich die Hoffnungen der Gründer erfüllen und der Vorsitzende in der Lage feilt, zahlreiche Anmeldungen von Leihgaben und Mitgliedern entgegenzunehmcn! Dr. jur. Karl L a d e n b u r g. Briefkasten. Antwort an I. W. Ihre zeitgemäße Anfrage hätten wir Ihnen gern beantwortet. Nach dem Wortlaut unserer Satzungen sollen wir uns aber von religionsgesetzlichen Fragen, welche in das Bestimmungsrecht der einzelnen Gemeinden eingreifen, fernhalten. Wir müssen Ihnen deshalb raten und anheimgeben, sich an den für Ihre Gemeinde zuständigen Herrn Rabbiner mit Ihrer Anfrage zu wenden, der gewiß gern bereit fein wird, eine Entscheidung zu treffen. Jubiläen. Jüdische Anteilnahme an der 700-Jahrfeier der Gemeinde Zülz. Tie oberschlesische Gemeinde Zülz feierte am 27. Juni ihr 700jährigcs Bestehen. In dieser Gemeinde, die unter der hebräischen Benennung „Mokaum Zaddik" (Stätte der Gerechtigkeit) bekannt ist, wohnen heute noch zwei jüdische Familien. Seit einem halben Jahrtausend lebten aber dort nnunterbrochen Juden. Beim Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts zählte man in Zülz unter etwa 2000. Gesamtbewohncrn über 1000 Juden, so daß mehr als die Hälfte der Bewohnerschaft jüdisch war. Eine Synagoge in schlichtem Barockbau aus dem Jahre 1774, die Raum für mehrere hundert Personen bat, steht noch als stummer Künder -einstiger Blüte der Judengcmcinde verlassen in Zülz. Auf dem alten Friedhof sprechen die Taufende von Gräbern und die halbversuukeucn Steine die Sprache der Erinnerung. Die oberschlesischen Judengemeinden und besonders führende Juden aus den Gemeinden Glciwitz und Neiße ließen es sich darum angelegen fein, bei der Jubiläumsfeier der Ortsgcmeinde auch die Erinnerung an den jüdischen Anteil an der Geschichte dieser Gemeinde erstehen zu lassen. Bei dem allgemeinen Festakt, in der Synagoge und auf dem Friedhof fanden die geschicktlichen Erinnerungen Ausdruck. Goldene -Hochzeit. Am 27. Juni 1926 konnten Herr Josef Metzger und feine Ehefrau, Frau Lina geb. Oppenheimer, in Weisenau, das seltene Fest der goldenen Hochzeit feiern. Unter großer Beteiligung der Einwohnerschaft Weisenaus aller Konfessionen fand in der dortigen Synagoge ein feierlicher Festakt statt, in dem Herr Rabbiner Dr. S. Levi, Mainz, in einer zu Herzen gehenden Rede das Jubelpaar feierte und ihm nach Ueberreichuug eines Geschenkes den Segen erteilte. -— Herr Bürgermeister Neidecker beglückwünschte das Ehepaar im Namen der politischen Gemeinde und pries es als vorbildliche Bürger, die durch ihr Pflichtbewußtsein und ihr ernstes Streben sich das Ansehen der ganzen Gemeinde erworben hätten. Tienstjubilüum. Am Samstag, den 4. Juli, feierte der allseits beliebte Herr Abraham Oppenheimer sein vierzigjähriges Dienstjubiläum als Lehrer und Hauptkantor der israelitischen' Religiousgesellfchaft in Mainz. Dem Jubilar wurden aus diesem Anlaß viele Ehrungen zu teil. Kalendarisches. Ter Fasttag des 9. Av. fällt in diesem Jahre auf einen Dienstag, das heißt, auf den gleichen Wochentag, an dem wir in diesem Jahre auch den ersten Tag Pessach gefeiert hatten. Dies entspricht einer kalendarischen Regel, die man sich an einer hebräischen Buchitabensormel merken kann. Diese Merkformel zeigt nns aber auch an, daß der zweite Tag Pesfach auf den gleichen Wochentag fällt wie der erste Schevuoth-Tag; der dritte Pessachtag sagt uns, an welchem Wochentage Roschhaschonoh ist; der vierte Pessachtag und Simchath-Thora (Keriath Hathora) fallen auf den gleichen Wochentag, der fünfte Pessachtag stimmt un Wochentag mit dem Jom-Kippur (Zaum) und der sechste Pessachtag mit dem vorangegangenen Purimtage überein. Schließlich sei auch noch darauf hingewiesen, daß Purim und Lag-beomer auf den gleichen Wochentag fallen. Die Buchstabenformel, an der man sich dieses Zusammenfällen der Wochentage leicht merken kann, sieht folgendermaßen aus: In zwei Reihen stehen sich die ersten und die letzten sechs Buchstaben des hebräischen Alphabets in Paarstellung derart gegenüber, daß dem ersten der letzte, dem zweiten der zweitletzte an die Seite tritt. Die Reihe rechts bedeutet daun die sechs ersten Pessachtage, die Reihe links die Anfangsbuchstaben des mit jedem Pessachtage im Wochentage übereinstimmenden Fest- oder Fasttages. Vom Pessachfeste aus, ja schon vom Purim aus, kann man sich die Wochentage ausrechncn, auf welche diese ausgezeichneten Tage fallen. Da z. B. der dritte Pessachtag auf den Donnerstag in diesem Jahre fiel, werden wir Rosch-haschonoh auch au einem Donnerstag haben. (Gimel — R.). Oder da der fünfte Tag Pessach auf Sabbath fiel, wird der Versöhnungstag (Zaum) auch auf Schabbos (fr? — A4 t n n i Sch ^=3 2 R “)=J 3 K p! z ¥ n P D Aus dem Talmud: „Ein Vorsteher, der seine Gemeinde mit Sanftmut leitet, erwirbt sich ein Verdienst und führt die Gemeindemitglieder zum Heil der zukünftigen Welt." (Sanhcdrin, Seite 92). „Wer den Tempel während seines Bestandes nicht gesehen hat, m der kennt einen wahrhaft prächtigen Bau überhaupt nicht." (Sukkoh, Seite 61, b.) Viicherschau. Tie Gedenkreden, welche bei der Beerdigung des Heimgegangenen Altrabbincrs der Mainzer Gemeinde, des Herrn Professor Dr. Salfeld, gehalten worden sind, liegen jetzt int Druck vor. Dieses in der Druckerei von E. M. Mayer, Mainz, hergestellte, schön ausgestattete Heftchen, das mit ^wei Photographie-Wiedergaben des Verewigten geschmückt ist, kann in der Buchhandlung „Magenza", Mainz, Heidelbergerfaßgasse 11, zum Preise von 1.60 JL bezogen werden. Tie Samsonschule in Wolfenbüttel (Realschule und Schülerheim) hat einen Bericht über die Zeit von Ostern 1926 bis Ostern 1926 im Druck veröffentlicht. Dieser Bericht sowie der Prospekt der Anstalt verdient bei Eltern, welche ihren Söhnen eine auf religiöser Grundlage beruhende Erziehung und eine durch zweckmäßige, geistige und leibliche Ausbildung auf einen bürgerlichen Berus hinzielende Vorbereitung zu geben wünschen, vollste Beachtung. Ter Israelitische Unterstübnngsvcrein Worms gibt in einem Jahresbericht über das 66. Vereinsjahr (1926) Rechenschaft über seine Tätigkeit. Der Bericht ist ein Dokument jüdisch-religiöser und sozialer Hilfstätigkeit des genannten Vereins, der unter der Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Holzer, Worms, steht und in der Zeit des Berichtsjahres an nahezu tausend Personen Werke der Menschenliebe geübt hat. Im Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M., ist der dritte Band des Werkes „Für unsere Jugend" als ein Unterhaltungsbuch für israelitische Knaben und Mädchen, herausgcgeben von E G u t, erschienen. Der Verfasser wünscht durch dieses Buch der jüdischen Jugend im Alter von 12 bis 14 Jahren gediegenen Leseinhalt zu bieten und eine Wirkung dahin auszuüben, daß die Kinderherzen angeregt, ihre Seele für Dichtung, Spruch uud Gleichnis erschlossen und daß selbst den Erwachsenen geistiger Gewinn gebracht werde. Wer des Verfassers früher herausgegcbene Werke auf diesem Gebiete kennt, wird auch von diesem Buche die vollkommene Erfüllung seines Vorsatzes zweifelsohne erwarten. Und in dieser Erwartung wird man bei eingehender Prüfung des Inhalts und der Form, in welcher der Inhalt geboten wird, nicht getäuscht. Herr G u t führt die Jugend an der Hand wertvoller, mit pädagogischem Geschick ausgewählter Literaturstücke durch alle Zeiten und durch alle Länder jüdischen Lebens und belebt dadurch die Vorstellung unserer Jugend, weckt ihren Sinn für jüdische Art und regt ihre Willenskraft zu jüdischem Tun an. Dieses Jugendbuch, das in erfreulichster Weise gut ausgestattet und durch zahl- SIEG7AUND STERN & Co., WAINZ, Hindenburgpiatzt Laden im Hofe Feinste Weizenmehle, hergestellt in den bestrenommierten Großmühlen Deutschlands, in Tüten, Beutel, Wischtuch- und Handtuchsäckchen stets zum billigsten Tagespreis frei ins Haus geliefert. ■FERNSPRECHER Nr. 5 5 und 23 5 5 0 6

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