Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 109)
- Language
- German
- Belongs to
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269 brandmarkt sie auch durch die Länge der Zeit geworden, so hat sie doch noch Spuren hinter sich zurückgelassen, daß sie doch noch nicht ganz verwischt, noch nicht ganz ausgetilgt. Haß und Vorurtheil füllt noch heute die Welt, wahnbethört will noch heut' gar Mancher nicht lassen von dem Hasse, der durch der Zeiten Dauer geheiligt und geweiht sein soll. Nicht sind sie ausgestorben die Balak und Bileam, nicht gänzlich dem Dasein entrückt, sondern nur in einer äußerlich milderen Form treten sie heute auf. Balak bekannte seinen Haß offen und frei, er machte keinen Hehl daraus, daß Israel ihm in der Seele verhaßt sei; er scheute seinen Anblick, er mied seine Nähe, er ertrug es nicht in seiner rohen, heidnischen Anschauungsweise, daß ein Volt in seiner Nähe sich befände, das mit Gottesgedankeu sich trug, das einen Gott anbetete, der so verschieden war von seinen Götzen, und Hausgöttern, vor denen er sich beugte. Das freilich ist durch den Geist der Zeit anders worden! Mußte man sich doch, ob freiwillig oder unfreiwillig, zu einigen Lehren aus der Lehre Moses bekennen, hat die Welt es doch erfahren, daß sie rechnen müsse mit dem Gotte Israels. Eine mildere, wohlwollendere Gesinnung hat darum Platz gegriffen in den Gemüthern, duldsamer ist man worden. Aber auch nichts mehr als dies! Wenn es sich darum Handelt, die ewigen Wahrheiten, die das Judenthum lehrt, anzuerkennen, wenn man von Tugenden und Vorzügen spricht, die innerhalb des Judenthums allein zur Blüthe und zur höchsten Entfaltung gelangt sind, da wendet man auch heute noch sein Auge von Israel ab. Man bemüht sich, an dem Volkscharakter, an den Nationaltugenden Israels zu mäkeln, man setzt einen Ruhm darein, ihm Fehler anzudichten, Verdienste abzusprechen, nur um der Wahrheit nicht die Ehre zu geben, nur um das Unrecht zu beschönigen, das von jeher geherrscht und in Geltung gewesen. Nimmt doch zuweilen auch die Wiffenschaft jenes Recht des Unrechts für sich in Anspruch, verschmähen es doch selbst Männer der Wissenschaft nicht, wissenschaftlich zu begründen