Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 110)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9619793-9619958--1374-9620068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
270 amb zu erhärten, was die thörichte Volksmenge einst in ihrem Dünkel und in ihrer Verblendung glaubte und aussprach. Ja, selbst in unseren Tagen entblödet man sich nicht, es offen auszusprechen, die Gesetzgebung Moses sei nicht jene gepriesene Wohlthäterin der Menschheit, für die wir sie halten, sie setze vielmehr einen knechtischen Sinn, eine rohe, barbarische Denkungsweise voraus, für wilde Horden sei sie gegeben, die auf keinem höheren Standpunkt standen, die sich allenfalls mit solchen Lehren und Satzungen, wie sie Moses uns vorgeschrieben zufrieden geben konnten?) M. A.I So lange noch solche Erscheinungen zu Tage treten, so lange mail noch, gleich Bileam, mit einigen Worten, die sich wie Zauberformeln eingebürgert haben, die Religion Israels und ihre Bekenner glaubt abthun zu können, so lange ist es Pflicht für uns, Pflicht für Israel, auf den Inhalt unseres heutigen Wochenabschnittes hinzuweisen. Bileam will Israel verwünschen, er zeigt sich Anfangs willfährig dem Verlangen und dem Wunsche Balak's, aber da hatte er noch nicht erkannt, noch nicht durchschaut das Wesen dieses Volkes. Aus fernen: Lande war er herbeige- Lommen, er hatte das Treiben Israels nicht gesehen, nicht gekannt, nur den Haß hatte er mitgebracht, der in ihn: fest wurzelte, den er von seinen Ahnen ererbt und überkommen hatte. Geht es uns etwa heute anders, m. A.? Man urtheilt, inan macht Ausstellungen an der Religion Israels. Kennt man sie auch immer? Kennt man das innere Getriebe dieser Religion, den Geist, von dem sie getragen ist? Die einzelnen Bausteine des Riesenbaues der israelitischen Religion? Gestehen wir es uns doch, nein, man kennt sie oft gar nicht, man verurtheilt ohne zu urtheilen, man richtet ohne gerecht zu sein. Seheil wir, m. A., was unser heutiger Wochenab- *) Dies hatte Dr. F. Strauß in seinem Buche: ״Der alte und meue Glaube" behauptet und ist diese Predigt zu jener Zeit, als die Aufregung über das Erscheinen des Buches sowohl in jüdischen als Nichtjüdifchen Kreisen groß war, als Widerlegung gegen Strauß's Ansichten gehalten worden.