Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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256 werfen vermag nur Einer: Der Schöpfer und Bilder desselben nämlich. Jerem. 17,20. אני ה' חקר לב בחץ בליות• Rächselhaft und zu den'Zvielen unlösbaren Problemen, die das Menschenherz uns darbietet, gehörend, ist u. v. A. beispielsweise die Mannigfaltigkeit der Gefühle in. einem und demselben Herzen. Wer bat es nicht bereits vernommen, wenn er es nicht selber erfahren, daß, selbst in einem Herzen voll Haß und Bosheit, voll Tücke und Verderbtheit, oft noch nebenher ein großer Schatz von Liebe geborgen, einer Liebe, die selbst in dieser Verworfenheit noch soviel an göttlicher Kraft besitzt, daß sie zu den größten Opfern, zu unzähligen Entbehrungen und Anstrengungen befähigt, während andererseits noch so edle und liebedurchtrünkte Herzen oft einen beträchtlichen Theil böser Neigungen und Gewohnheiten in sich schließen, die ihnen selber, wie allen ihnen näher Stehenden gar manche Stunde tiefen Weh's ver- Ursachen, gar oft sie, gegen ihr besseres Wollen und Wissen, zu manch' unlauteren und schwer zu rechtfertigenden Handlungen Hinreißen. — Wie viel gemeine Verbrecher sind oft zärtliche Väter, liebevolle Gatten! Wie viel niedriges Einpstnden, wie viel sinnliches Begehren, wie viel Unkeuschheit und Unzüchtigkeit der Gesinnung sind dagegen oft unter schöner, bezaubernder Hülle verborgen, zu der wir in der Regel mit Recht den anschaulichen Vergleich aus der in gar vielen Beziehungen uns als unübertrefstiche Lehrmeisterin gelten könnenden Natur holen, in der so viele giftige Thiere und Pflanzen durch ungewöhnliche Schönheit des Aeußeru durch Herrlichkeit der Formen, durch Pracht und Glanz der Farben das Auge entzücken, während sie Tod und Verderben in sich bergen. — Wie oft wünschten wir ernstlich, die menschlichen Größen, die uns als Ideale gegolten, die unser Streben und Ringen, unsere Ausdauer und Beharrlichkeit mächtig angeregt und gefördert, niemals in nächster Nähe kennen gelernt zu haben, um ihre unserer Phantasie stets in erhabenster Reinheit und Vollkommenheit vorgeschwebten Bilder nicht durch Flecken getrübt zu sehen, die ihren hohen, unvergleich-