Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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— 216 — Unb diese Aufforderung gehörte, wie unsere Weisen sagen, zu den zehn Prüfungen, die Abraham zu bestehen hatte. Was war aber diese Prüfung im Vergleiche mit der, die Jakob bestanden. Abraham verließ blos die heimathlichen Fluren, aber keine thenern Verwandten, ihm lebte kein Vater mehr von dem er bewegt hätte scheiden' müssen — Jakob mußte eine zärtliche Mutter, mußte den greisen Vater verlassen, der sich dem Tode nahe fühlte. Abraham konnte doch in Begleitung derer, die seinem Herzen theuer waren, konnte begleitet von seiner Gattin und seinem Brudersohne die Wanderung antreten. Jakob mußte seine theuersten Verwandten zurücklassen und zog einsam hinaus in die Fremde; Abraham war reich mit Glücksgütern beladen, — Jakob besaß nichts als seinen Wanderstab; Abraham hatte doch wenigstens d i e Beruhigung, eine Stätte des Unglaubens zu verlassen, das Licht der Gotteserkenntniß anzuzünden und hinauszutragen zu den wahnumnachteten Völkern, — Jakob mußte von der geweihten Stätte scheiden, wo seine frommen Eltern lebten, wo des Glaubens Sonne herrlich strahlte, und mußte dahin ziehen, wo es finstere Nacht war, mußte zu Laban gehen, aus dessen Brust selbst nach zwanzigjährigem Aufenthalte Jakobs in dessen Hause der Aberglauben nicht war gewichen, der zornentbrannt den flüchtenden Jakob zurufen konnte: לטד, גנבת א׳ ״ אלהיWarum Haft du mir meine Götter, meine Theraphim entwendet?" — Schmerzlich mußte unter solchen Umständen dem Patriarchen die Pilgerfahrt werden, und manch Anderer wäre gebeugt worden durch solchen Schmerz, wenn er in ähnsicher Lage wie Jakob sich befunden hätte, manch Anderer winde auf solchen Irrfahrten sich verirrt haben. Aber Jakob wanderte seineu Weg, so sicher, als ob er nicht in der öden Fremde, sondern auf den heimathlichen Fluren sich bewegte. Wir fragen noch einmal: ״Was war's, das ihn aufrecht erhielt, was war's, das ihn sicher leitete?" Nun, es war der Gedanke an Berseba, seine Heimath. So lange er dort war, da war er, wie unsere Weisen sagen, ihre Zierde, ihr Glanz, ihre Pracht;als er sie verließ, da erlosch die Pracht, die Herrlichkeit, da erlosch ein Stern an