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Israelitisches Predigt-Magazin · 1878-01-01 · 3 (1878) · p. Seite 175

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
4 (1878)
Issue
3 (1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 175 (sequence 15)
Language
German
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175 zu hoch und gewöhnen nicht zu tief zu sehen, dann, m. Theuren, haben wir das Bekenntniß der Myrthe bethätigt. Wenn das Auge nicht sieht auf das Glück des Feindes, wenn es nicht scheel blickt auf den Stolz des Freundes, wenn es nicht krittelnd mustert an dem Fleiße des Nachbars, wenn es nicht lauernd lugt nach dem Fehler des Guten, wenn es aufleuchtet beim Siege des Frommen, wenn es wie Blitz erleuchtet, wann die Tugend Spott erfährt, wenn es vom Feuer der Begeisterung glüht für die Errungenschaften der Wissenschaft, dann, m. Theuren, ldbt das Auge seinen Schöpfer. III. Die Weide gleicht dem Munde Links von dem Lulaw, m. Theuren, auch innig an ihn geschmiegt, aber etwas tiefer stehend, finb die Weidenzweige sichtbar, zwei an der Zahl. Sie gleichen nach der Meinung unserer Lehrer dem Munde, den zwei Lippen öffnen und schließen. So wie sie innig sich an den Lulaw schmiegen als seine zweite Seite, so ist auch der Mund das Organ, mit dem der Mensch mit seinem Gotte, u. den Nebenmenschen in die innigste Verbindung tritt, nicht mehr von ihnen empfangend, nicht mehr ihre Welt in sich aufnehmend, sondern seine Welt schaffend, seine Innenwerke offenbarend, von Seinem mittheilend, auf die Umgebung einwirkend und sie bestimmend. Unsere Lehrer verglichen die Weide nicht mit den Füßen, obwohl sie durch ihre Bewegung das Innere des Menschen offenbaren, nicht mit den Händen, obwohl ihre Handlungen die Ausdrücke der Bestrebungen sind, sondern mit den Lippen wurden die Weiden verglichen, weil die größte Fülle der Werke, die der Mensch schafft, oer entsprechendste Ausdruck seiner Gedanken und Empftndungen die Werke sind, die von den Lippen gebildet werden, weil die Sprache das Erzeugniß, die Blüthe der menschlichen Thätigkeit ist, weil sie seine Hauptstärke, sie seine Zierde sind, die ihn über Thier und Pflanze erhebt. Wie die Weide wächst an allen Wässern, und gedeihet auf jeden: Boden, wie sie in üppiger Fülle gedeiht und sich tausendfach vermehrt, wie die ערבה ein Bild des רבבה ist, so gleicht ihr auch die Sprache,

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