Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9619793-9619958--1277-9619971- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
173 und weiche nicht aus dem sicheren Gehege der frommen Erziehung. Ja, meine Theuern, das ist das erste Bekenntniß vor demWeltenherrn,das ist das L u l a w wort: MeinWille ist nur dir geweiht! Das ist die erste Arbeit, ihm die höhere Bestimmung zu verleihen, der Wille darf nicht seine Urkraft einbüßen, nicht sich beugen vor der lärmenden Anmaßung oder der gewissenlosen Verführung, oder dem verblendeten Wahnwitze, nicht morsch werden von dem süßen Gifte der Genüsse, dem Schmeichelsaft tödtender Gewürze, nicht zerfallen vor den Qualen der Reue der Un- und Halbwissenheit, oder gar der Lauge des Spottes, fest sei er wieder Lulaw. II. Die Myrthe gl eicht dem Auge. Zur rechten Seite in größerer Höhe sehen wir am Lulaw 3 Myrtheuzweigchen, sie sind dem Werthe nach ihm am nächsten stehend, in ihrem Wirken mit ihm innig verbunden, sie sind ihm auch ein o wesentlicher Schmuck, wie dem Menschen seine rechte Hand. Die Myrthen haben einen au;enehmen Geruch, der weit reicht, sie sind reich an Blättern, die schön geformt wie eine Familie den Stengel umstehen. Aehnlich sind die Augen des Menschen dasjenige Organ, das für den Willen die höchste Bedeutung hat, dessen Kraft weit hiuausreicht, das die Höhen des Himmels und die Weiten der Erde zu messen sucht, das den Menschen in innigste Verbindung nüt der gesammten Welt der Erscheinungen setzt und eine neue Welt dem Menscheu schafft, einen Spiegel der wirklichen. So reich wie die Gestaltungen der Schöpfung, so reich sind die Bilder unseres Auges, der Bäume dichte Schaaren, der Thiere mannigfache Fülle, der Gesteine wunderbare Gruppen, der Farben blendendes Spiel, der Flüsse silberner Laus, der Seen glänzender Spiegel, der Meere schäumende Wogen, der Thäler dunkele Schluchten, der Berge mächtige Steigung, der Himmel azuren Wölbung, der Gestirne glänzende Saat, das Alles umspannt ein Menschenauge und ist reich an den Blättern seiner Bilder, wie die Myrthe. Unsere Westen haben die Myrthen, ge-