Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9619793-9619958--1276-9619970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
binden und festhalten wollen, so ist es auch der Lulaw, an den wir Myrthe und Weide knüpfen, der beiden Halt und Stütze gibt und sie mit sich selbst verknüpft, während der Eßrog ihm zugesellt wird, ohne mit ihm unauflößlich verbunden zu werden. So ist der Lulaw das, was zuerst das Auge anregt, und dem Strauße seine Festigkeit gibt. Er gleicht dadurch vortrefflich dem Rückgrats des Menschen, das an dem Gerüste des Menschenkörpers in die Augen fällt und in Verbindung mit seinen Rippen und Häuten alle inneren Theile des Körpers umschließt und den äußern Theilen zur festen Stütze dient. Nimm das Rückgrat hinweg und der menschliche Körper bräche zusammen. Was es aber schon äußerlich andeutet, das ist das Rückgrat auch für das innere Leben des ganzen Körpers durch sein Rückenmark. Das ist der Sitz des festen Gebieters, des Willens im Menschen, von hier aus werden die Befehle an alle einzelnen Organe ertheilt, an den Fuß zum Gehen, die Hand zum Schaffen, den Mund zum Sprechen, die Augen zum Sehen; ohne diesen Willen kann keine Muskel sich dehnen noch sich zusammenziehen, keine Sehne sich spannen oder nachgeben, alles ist ihm unterthan, was du bewußt oder unbewußt thust. So wie wir nun den Lulaw ergreifen, so bekennen wir, daß wir Gott diesen Willen weihen, daß er nur walte zu seiner Ehre und wirke zu seinem Preise, daß er Stütze und Halt sei zu einem gottesfürchtigen Leben, zu einem frommen Wandel, daß er fast alle Glieder schütze, um sie zum Lobe Gottes zu wahren. Unser Wille, meine Theuern, soll nur sein Wille sein, בטל רצונך מפני רצונו. Unser Wille, diese Palmenkraft am Menschen mit ihrem stolzen Wuchs, mit ihrem schwer biegsamen Rücken, mit ihren Dornenspitzen und ihrer enggeschloffenen Blätterdecke, wir weihen sie Gott und sein Lob macht sie zu ihrer Thal. Stolz soll sie bleiben deine Kraft, weil Stolz des Wesens Hoheit ist, dem sie dient, unbeugsam sei sie, wo es gilt, dem Versucher zu widerstehen, sie richte ihre Dornenspitze, um das Gelüst zu verwunden, das sich ihr ungesetzlich nähert, sie bleibe eng in ihre Blätterhülle eingeschlossen