Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 3 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9616701-9619793-9619958--1268-9619962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
164 Schaaren des irdischen Daseins kommen und gehen! Und ist es auch derselbe Himmel und dieselbe Erde, derselbe belebende Hauch und dasselbe aufftrahlende Licht, dieselben stoffumkleideten Kräfte in Erscheinung und Wesen, dieselben Wechselbeziehungen von Ursache und Wirkung — es klingen von derselben Welt in derselben Brust so verschiedene Weisen, es weckt dieselbe Natur in demselben Menschenherzen so verschiedene Klänge, und doch sind sie alle nur Bruchtöne der einen großen Harmonie, die der Herr in uns gelegt, der Freude! so daß wir freud-und dankesvoll mit einstimmen in den aufjauchzenden Ausruf des Psalmisten: הגדיל ה' לעשות ״ עמנו היינו שמחיםFührwahr etwas Großes hat der Herr uns damit gethan, daß wir uns freuen können! ״Denn die Freude, sie ist ja nichts anders, als der schöne Einklang des eigenen Innern mit der Außenwelt, die auf dem klaren Grunde unseres Herzens wie in einem Thautropfen sich abspiegelt; sie ist ein köstliches Wiedertönen alles dessen, was von Außen hineinklingt in die Seele. Darum wird auch die Freude nur da sein, wo reine Sinne und ein reines Herz, wo ein reines Gewissen. Denn wie könnte die Seele wiedertönen, wären ihre Saiten nicht rein gestimmt? Wie könnte sie die Offenbarungen der göttlichen Liebe und des göttlichen Geistes ausnehmen in sich, wäre sie selbst nicht durchdrungen von diesem Geiste, die Sinne nicht beherrscht von ihm. In Wahrheit! auch die Freude ist eine Tugend, ist eine Aufgäbe zugleich und ein Lohn echter, treuer Pflichterfüllung, Sittlichkeit und Frömmigkeit אור זרוע לצדיק ולישרי לב ״ שמחהeine Lichtesaussaat für den Frommen und Gradherzigen ist die F r e u d e!" Denn wie Viele vermögen es nicht, sich zu freuen an jeder Gabe der Natur, an jedem Sonnenblick der Schönheit, an jedem heiteren, anmuthigen Wechselspiel der Schöpferkraft, an jeder Offenbarung der göttlichen Liebe — jene, die nur genießen, ohne sich zu freuen, und die, weil sie nur genießen, bald nicht mehr zu genießen vermögen. ״ ושמחתם לפני ה' אלהיבםIhr sollt euch freuen vor dem Ewigen eurem Gotte," ruft uns unser Textwort zu,