Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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144 hat, wer nicht das Walten des Gottesgeistes um sich und in sich vorher wahrgenommen, zu dem redet die lauteste Gottesrede unvernehmlich und unverständlich. Es genügt nicht Religion durch Unterricht zu empfangen, sondern man muß durch die Schule des Lebens von der Nothwendigkeit und Heilsamkeit der Religion überzeugt, zu ihr gleichsam hingedrängt worden sein, dann erst werden wir sie ganz und fest in uns aufnehmen und sie wird sich immer tiefer in uns befestigen. Seht, darum war die Grundlage, die Voraussetzung, für die Offenbarung das obige אתם ראיתם אשר עשיתי das ״Ihr habt es gesehen, was ich gethan". Das ist der Sinn des Midrasch, der hierzu bemerkt: לא במסורת אני אומר לכם׳ לא כתבים אני משגר לכם׳ ולא עדים אני מעמיד עליכם, ״ אלא אתם ראיתםNicht durch Ueberlieferung theilte ich's euch mit, nicht briefliche Mittheilung war's, nicht ein kaltes Zeugniß, das man im guten Glauben hinnimmt, sondern gesehen habt ihr", mit eigenen Augen wahrgenommen die waltende Gerechtigkeit Gottes. Erscheint nun noch die Zeitbestimmung gleichgültig? Mußte die Offenbarung nicht stattftnden kurz nach dem Auszuge aus Egypten, unter dem frischen Eindrücke einer Gottesthat, die der Offenbarung, so zu sagen, Weg und Zugang geöffnet hatte? Ja man könnte im Gegentheil noch fragen: Warum ist die Offenbarung dem Auszuge nicht noch näher gerückt? Warum mußte erst der dritte Monat abgewartet werden, bis das geschah, was doch der eigentliche Zweck des Auszuges war (11.3,12): בהוציאך את העם ממצרים תעבדון את האלהים עלתר תות- Aber auch darauf haben unsere Weisen eine Antwort. In seiner sinnreichen, gemüthvollen Weise vergleicht der Midrasch das Verhältniß Gottes zu dem erst befreieten Israel mit dem Verhälniß eines Vaters zu seinem eben erst von einer Krankheit genesenen Kinde, — ״ בא פידגגו ואומר, לך לאככולאda mahnt der Lehrer, ob es nicht Zeit sei, das Kind wieder nach der Schule zu schicken." Und der Vater, er möchte dem Kinde gern die nöthige Belehrung, den ihm nöthigen Unterricht nicht länger vorenthalten, aber er erwidert: עריץ לא בא