Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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143 Menschenherz dringen konnte die gewaltige, weltumgestaltende Gottesrede, die den Menschen einen nie versiegenden Quelle heiligster Regungen und erhabenster Empfindungen eröffnete. So sei denn die Erzählung der Offenbarung, wie sie uns heute ist vorgelesen worden, unser Text, der Quell, aus dem wir Erbauung und Belehrung schöpfen an diesem Tage hochheiliger Erinnerung, den Gott gesegnet sein lasse für unsere Erkenntniß, für unser Glauben und für unser Thun! Amen! I. Die heut verlesene Erzählung der heil. Schrift beginnt mit einer genauen Angabe der Zeit, wann Israel vor den Sinai kam, mit einer Zeitbestimmung, die an den Auszug aus Aegypten anknüpft: בחודש השלישי לצאת בני ישראל מארץ ״ מצרים ביום הזה באו מדבר סיניIm dritten Monat nach dem Auszuge der Kinder Israels aus dem Lande Mizraim am ersten Tage des Monats, an diesem Tage kamen sie in die Wüste Sinai's." Haben wir das Recht schon an diese Zeitbestimmung unsere Betrachtung anzuknüpsen? Oder sollen wir sie als bloßes Außenwerk betrachten, von dem aus sich kein Blick in das Innere der Offenbarung thun läßt? Aber, l. Fr., dann müßten wir vergessen, daß die erste Gottesrede, die an Israel nach seiner Befreiung ergeht, mit den Worten anhebt (II. 19,4): ״ אתם ראיתם אשר עשיתי למצריםIhr habt gesehen, was ich an Mizrainl verübt';" dann nmßten wir vergessen, daß das erste der Zehngebote auf dem Sinai beginnt mit den Worten: ״Ich bin der Ewige dein Gott, der ich dich aus Mizraim herausgeführt habe!" Also zwischen M i z r a i m und Sinai besteht ein Zusammenhang, ein schrittgemäßer Zusammenhang. Und welches dieser Zusammenhang ist? M. A., Religion und Glauben läßt sich nicht lehren wie eine Wiffenschaft, die man dem Andern überliefert und lehrt, — nein, Religion und Glauben läßt sich verkünden nur d e m, der die Grundlagen dazu sich selber errungen, durch äußere und innere Erfahrung sie erworben hat. Wessen Genrüth nicht anfgelockert ist durch das, was er gesehen und erlebt