Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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117 diesem allgemeinsten Sinne könnten mir getrost behaupten, baß es kein Volk und kein Zeitalter gegeben, das nicht in sich die Ahnung eines höheren Wesens trug. Hatte aber darum auch jedes Volk und jede Zeit Religion? So wenig, als jede unwürdige Vorstellung vom höchsten Wesen eine religiöse zu nennen ist. Was wußte der Heide von dem Wesen, das er verehrte, außer daß er ihm die eigenen Schmächen und Fehler andicktete, daß er die Laster, die ihn selbst verunzierten, auch auf dieses Wesen übertrug, er schuf sich ja seinen Gott nach seinem Ebenbilde — aber:‘היעשה ל1 אדם אלהי ״ והמה לא אלהיםKann der Mensch sich einen Gott fertigen? das sind auch keine Götter." Nur aus dem Fundamente richtiger Vorstellungen von Gott läßt sich das Gebäude der Religion und der Sittlichkeit aufführen; darum ward zunächst der Sabbath als Grundsäule der Religion eing setzt mit der Bestimmung, Gott als den Schöpfer des Weltalls zu bezeignen, daß -er nicht wie der heidnische Gott, ein Geschaffener, sonderv der Schaffende sei. Im Vollgefühle dieses ersten Grund- Unterschiedes zwischen der heidnischen und jüdischen Weltanschauung ruft der denkende Sänger der Psalmen: כי מל אלהי ״ העמים אלילים •וה׳ שמים עשהDenn die Götter der Völker alle sind Schwächlinge, unser Gott aber hat die Welt erschafsen." — Allein Gott als Schöpfer gefaßt, so sehr auch ohne diese Vorstellung keine Religion möglich ist, reicht nicht aus. Konnte der Schöpfer seine Schöpfung, die Welt, nachdem er sie ausgestattet mit Allem, was zu ihrem Bestände nöthig war, nicht ihrem eigenen Geschick überlassen? Achten wir, m. A., auf dieses weil feinere, darum gefährlichere Heidenthum, das noch in unserer Zeit eine Menge Anhänger zählt, denn es verträgt sich scheinbar mit einer sehr reinen Auffassung des göttlichen Wesens. In diesem nwdernen Heidenthum wird Gott erhoben, damit der Mensch recht niedrig sein könne. ״Das höchste Wesen sei zu erhaben, um mit seinen unwürdigen Creatnren in Beziehung treten zu können. Es sei nur Hochmuth des sich überschätzenden Menschen, wenn er jeden seiner Schritte beobachtet glaubt von dem Auge dessen,