Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 2 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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109 beiden statt? Die Antwort liegt nahe, ist euch bekannt. Das geschichtliche Auferstehungsfest Israels soll mit der Auferstehung der Natur verbunden bleiben, von der Frühlingsperiode aus zählt Israel seine Feste, regelt danach sein religiöses Leben, läßt von Frühlingsgedanken voll frischer Hoffnung sein Dasein durchdringen. Nicht der Nacht- und Schatten- und Winterseite des Lebens sollen unsre Gedanken zugewendet sein. Was wäre aus Israel gewordn, wenn es nicht, wie einst in Egypten, so in allen traurigen Zeiten des Elends, stets dem Ende des Druckes hoffend entgegen gesehen hätte! Immer trugen unsere Vorfahren die Hoffnung in sich: die Zeit wird kommen, dann wird Gott helfen! Mögen Andere alle religiöse Anregung und Erweckung an die Gedanken an Tod und Verwesung knüpfen, mag eine finstere Lebensanschaung immer weitere Kreise erfüllen, Israels Lehre von der herrlichen Schöpfung eines Allgütigen und Allweisen verhöhnen und damit auffo rdern zu zügellosem Genuß, dem dann Vernichtung folge — Israel bleibt das Volk der ewigen Frühlingshoffnung. immer entgegenharrend besserer Zukunft, einer Zeit der Erlösung für alle Menschen aus Nacht und geistigem Tod. Unser Pesachfest, das Gedüchtniß einstiger Erlösung, muß inuuerdar gebunden bleiben an die Zeit der Erlösung der Natur aus dem Winterschlaf — damit Natur und Geschichte Zeichen und Bürgschaft bleiben für die Hoffnung der Zukunft. Und mm laßt uns einen Blick werfen auf die Art, wie die Festbestimmung nach den Frühlingszeichen in der Vorzeit geschehen ist. Da gab es noch keine dem Volk zugängliche Kalenderbüchleiu; nach dem Erblicken des Mondes und nach den Zeichen der Zeit in der Natur wurden Neumonde und Jahresfeste von dem großen Sauhedrin in Jerusalem äugesetzt und verkündet. Da wird uns erzählt, (Sanh. 12, b), wie Rabban Gamliel auf der Anhöhe des Tempelberges saß und das Rundschreiben wegen des Schaltjahres diktirte, also lautend: ״Unfern Brüdern, den Zerstreueteu Israels in Babylon und Medien und beit anderen Ländern Friedeusgruß