Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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65 ד lingssänger, welche von der neugeschmückten Bäume Zwei- - gen der Morgenröthe ihren Gruß zurufen, süßer nicht, und berauschender die Musik, welche die heimkehrenden Sieger dem geretteten und befreiten Vaterlande weihen: denn welcher Frühling ist wonnevoller, als der in dem Gottesreiche versöhnender Liebe, welcher Sieg, welche Rettung, welche Freiheit ist herrlicher, als die der Seele im Kampfe mit der gewaltiger Sündesmacht, als die des Sich-ewig-fühlens im Kampfs mit dem Sich-nichtig-fühlen? Bedarf es noch einer Erklärung, warum unsere Religion vor die Zerknirschung die Seelensreude, vor die Zerschmetterung die gottvertrauende Zuversicht setzte? Nicht zitternd und nicht schlotternd wie ein Sklave, dessen Rücken von grausamen Schlägen brennt, der wie ein Wurm vor seinem Zwingherrn sich windet, der vergeht vor Verzweiflung oder hinbrütet in Stumpfheit, nein, wie ein Kind sollen wir die Versöhnung erwarten. Nicht vor den Tisch des unerbittlichen Richters werden wir geladen, nein, an des lieben Vaters Tisch. Bevor er uns prüft, bevor er uns wägt, bevor er entscheidet, zeigt er nochmals alle seine L'ebe, zeigt die ״Herrlichkeit seiner Speisenירחון מדשן ביתך מנחל ״ ׳עדניך תשקם die Süße seiner Huld, und er ruft uns zu: ״Nicht will ich den Tod des Schuldigen, kehret um, ihr theuren Kinder und lebet, lebet ein Leben frohen, aber reinen Genießens." Gott, m. Th., Gott ist ewig und seine Jahre unvergänglich, Gott ist langmüthig und reich an Liebe, Gott will das Leben und nicht den Tod, sind wir auch sterblich und unser Erdensein vergänglich, sind wir auch hochmüthig uno arm an Liebe, suchen wir auch den Tod und unterschätzen das Leben. Und darunr dürfen wir freudig sein, wenn wir zu ihn! uns erheben, und darum sollen wir freudig sein, auch wenn er richtet. Darum verlangt die Religion schon vor der Kasteiung die freudige Hingebung, vor der Demüthigung die sehnende Liebe, vor den: zermalmenden Bekenntniß das jauchzcnde Verehren; darum betrachtet sie beide gleichwerthig, denn was ist ein Knie, das sich beugt, ohne Herz das liebt, was 5? ebner, JcrnclitisLcs Prkdxl-Maen?in. IV. Ihr!;. 1. Heft.