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Israelitisches Predigt-Magazin · 1878-01-01 · 1 (1878) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
4 (1878)
Issue
1 (1878)
Date
1878-01-01
Page
Seite 66 (sequence 68)
Language
German
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66 eine Zunge die stammelt, ohne ein Auge das sehnsüchtig schaut? Wie kann der auf Verzeihung hoffen, der an sie nicht nnerschütterlich glaubt, wie der Liebe empfangen, der ihr nicht ganz vertraut? Wer zweifelt, der sündigt, ״wer glaubt, der ist ein Frommer" ׳וצדיק באמונתו יחיה und in solchem Gottglauben liegt Leben, süßes, herrliches Leben. Ein Leben, das nicht schwärmt in Träumen.von Vollkommenheit, welche Menschen niemals finden, und nicht zusanunenbricht im Grolle über Hohlheit und Verwesung, die doch nur Schein und Trug ist, ein Leben, das sich nicht aufbläht mit dem Hochmuth eigener Größe und das nicht zusammenschrumpft unter der Dürre brennender Selbstverachtung, ein Leben, das nicht schwelgt in hohlköpftger Verhimmelung und nicht fieberhaft erschauert in starrer Verzweiflung. Nein, ״ גילו ברעדהein Jubel mit Zitlern", das ist der Ton des Menschenherzen in Israel am Kolmidon-Abend. Wie die Saiten der Harfe erzittern, wenn der Windhauch durch sie weht, so erzittert auch unser Herz, wenn Gottes Liebesnähe es anhaucht, und wie die Saiten lieblich ertönen, so tönt auch unser Herz. Eine Harfe, die tönen will, sie muß auch zittern lernen, und versteht sie richtig zu beben, dann ist ihr Ton auch ein höheres Leben. So wenden wir uns zu dir, Allgütiger und Allbarmherziger! O, viel, viel hätten wir Alle dir zu sagen, viel, viel haben wir Alle der Thränen in unfern Augen, wir stehen hier vor dir und bringen dir Alles, was du uns gegeben, wieder; o, gib es uns zurück, laß uns das Leben und stärk uns im Bekennen! Hör auf unsere Gebete und Hab Erbarmen mit unsern Schwächen! Viel haben wir gefehlt, aber groß auch ist unser Schmerz. Höre aus dein Volk Israel; sind wir doch heute noch dein erstgebornes Volk, dein Diener, den du salbtest. Kannst du denn vergessen, was unsern Vätern du verheißen? Nein! Gott ist kein Mensch und nimmt nicht zurück. O, so neige dein Ohr, wir beginnen mit unserm Gebete, nimm es wohlgefällig auf. Amen!

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