Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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59 ״daß wir rein werden von allen unseren Sünden vor dem Herrn." Ein rastloses Wogen, Treiben und Drängen ist das menschliche Leben. Auf zahllosen Wegen streben und ringen die Menschen, um das zu erreichen, was sie als ihren Vortheil, als ihr Glück erwünschen. Tausendfachen Täuschungen unterliegen sie dabei. Bald sind es die Stürme und Schläge des Schicksals, welche, auf dunkle Bahnen uns werfend, mit Unruhe und Besorgniß die Seele erfüllen, bald sind es die Stürme in unserem eigenen Innern, denen kein Sterblicher völlig entrinnen kann, welche am schwersten uns heimsuchen und am häuftgsten. So ruhig und gemessen Jeder dem Anderen zu erscheinen sucht, so gleichmüthig und besonnen die Haltung ist, welche die Menschen im Verkehr zu beobachten sich bemühen, es ist Alles nur Oberfläche, tief unten auf dem Grunde des Herzens, da wühlt und wogt es; da wird dem Einen das Gemüth aufgewühlt von Habsucht, Neid und Gehüssigkeit, da verzehrt sich ein Anderer in Ehrgeiz, tu Stolz, in der Sucht, eine Nolle zu spielen, und ein Dritter wird gestachelt von falscher Scham, von der Furcht, seinen sittlichen Verfall oder eine seiner Blößen zu verrathen. Und warum all' diese Unruhe, dieses Jagen und Drängen? Wie ist es nur möglich, daß selbst edlere Naturen sich davon Hinreißen und auf falsche Wege drängen lassen? Welches ist die Macht, die Feindschaft selbst aus dem Boden heraus treibt, der zur Liebe bestimmt ist, — die Macht, die so gewaltig aus uns wirkt, daß wir in unseren Reden und Handlungen vor Unbilligkeit und Engherzigkeit oft gar nicht wieder zu erkennen sind? ״ כל בשרAll' dies ist das Fleisch", das sind die irdischen Triebe, denen die wachsende Begehrlichkeit unserer Zeit immer weiteren Spielraum einräumt; das sinnliche Leben erhebt übertriebene Ansprüche, fordert ungestüm und viel, fordert mehr, als zur Erhaltung des Körpers nothwendig ist, auch das, was wir als Bedürfniß unserem Körper angewöhnt und angekünstelt haben. Daher die fieberhafte Hast und Un-