Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Tag der Buße und Besserung, Fest des Friedens und der Versöhnung, Gnadenzeit unseres Bekenntnisses, wie heiligen wir dich recht, wie feiern wir dich würdig? Es giebt eine Feierstille, die nicht nur in das Gemüth unwiderstehlich einzieht, sondern auch nach Außen hinausdrängt und Alles um sich her in feierliches Schweigen versenken will. Wer wird nicht still, wenn er im Angesicht eines weisen, überniächtigen Herrschers steht, w n verlangt es nicht nach Stille, wenn plötzlich die verblaßten Bilder der Pergangenheit Farbe und Bewegung gewinnen, mit vorwurfsvollem Leben uns gegenübertreten. Wohl, der heutige Tag stellt uns vor das Angesicht des Königs aller Könige, unseres Gottes. Der heutige Tag rüttelt in unserem Gemüthe so manche Bilder wieder auf, welche wir im Schooße der Vergangenheit längst begraben und verschollen glaubten. Brauche ich daher erst zu erinnern: Laßt es still sein am heutigen Feste, still in eurer Seele, still um euch her, still im Hause unseres Herrn, daß die Stimme des Tages rein und klar zu uns dringe, daß sie nicht wie die so vieler anderen Tage in Geräusch, Gewühl und Zerstreuung unlergehe. Verbannt bleibe jeder störende Mißklang, jedes unwürdige Geräusch, jeder andachtslose Ton. Das unheilige, das unwürdige, das frevle Wort, es verschwinde, es ersterbe zwischen den Lippen! ״Es schweige alles Fleisch vor dem Herrn" rc. rc. Diese Mahnung, die ich euch nicht dringend genug an das Herz legen kann, ist der einfache Schristsinn, der auf der Oberfläche der Worte obenauf liegt. Aber noch einen anderen will ich euch vorlegen, der in der Tiefe dieser Worte ruht; er besagt: Unser Dasein wird unablässig von Unruhe und Aufregung unhergetrieben; die Dränger und Treiber, es sind die Begierden unseres Körpers, die Bedürfnisse unseres Fleisches; daß sie vor dem Herrn und seinem Gebot schweigen und zurücktreten müssen, deß sollen wir l eute inne werder, zu solcher Selbstklärung und Selbstprüfung ladet uns das Fest ein, an dem der Herr sich erhebt von seiner heiligen Wohnung, um uns zu versöhnen, um uns zu läutern,