Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9616701-9619793-9619794--1155-9619849- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
den, m. l. Fr., die Frucht des Neujahrsfestes war, so ist das Bekenutniß desselben die Weihe des heutigen. Denn das Bekenntniß ist der Gipfelpunkt, der augenscheinliche Beweis der Reue. So lange wie das, was wir als böse in uns erkannt, aus falscher Scham noch zu verdecken suchen, so lange wir dem Bewußtsein unserer Sündigkeit nicht Worte leihen mögen: so lauge ist die Umwandlung, die Umkehr von der Sünde zu der Tugend nicht vollzogen. — מכסה פשעיו ״ לא יצליח ומודה ועוזב ירוחםWer sein Vergehen verheimlicht und verdeckt, dem kanns nicht glücken, nur wer bekennt, kann auf Versöhnung hoffen." Denn das Geständniß unserer Sünden ist nichts anders, als die Erkenntniß unserer Straf- Würdigkeit. Wer da bekennt, daß er gefehlt, der anerkennt, daß er der Züchtigung werth sei. Drum aber auch ist wer bekennt, wer mit der Sünde nicht zurückhält, schon dadurch frei von Strafe, schon dadurch würdig der Versöhnung. Denn was die Strafe in uns soll bezwecken, die Umkehr zu den! Guten, — sie ist ja durch das offene Geständniß schon vollzogen, sie ist ja durch das reuige Bekenntniß, das in die eigene Brust die Fackel der Verdammung wirft, das selbst mit schonungsloser Hand die Brücke hinter uns zertrümmert, — die Umkehr, sagen wir, ist ja dadurch schon innerlich vollbracht. So wie die Thräne eines Kindes, mit der es seinen Fehltritt selbst bereut und eingesteht, den Arm des Vaters lähmt, den Zorn auf seiner Stirne in mildes Lächeln verklärt, so kann auch Gott, wenn wir den Rücken völlig seiuem Zorn beugen, die Geißel über uns nicht schwingen, so kann auch Gott, so wir offenherzig unsere Schuld bekennen, uns nicht den Ausspruch vorenthalten: ״ סלחתיIch will vergeben!" — Es geht die Sage von den Lehrern unseres Volkes, daß sie einst mit erhabener Offenheit die Wahrheit scheinbar gegen Gott selbst vertheidigten, daß sie mit muthiger Hoch- Herzigkeit sich auf die eigne Lehre Gottes gegen Gott beriefen! Und als darauf Elias der Prophet, der unter sie getreten war, die Frage lösen sollte: Was that denn Gott in jenen: Augenblick, wo wir ihm gegenüber in unserem Recht verharr-