Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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33 du hast ja mit Einsicht gehandelt, du hast ja richtig geschaut. Wozu die Prüfung? Du sagst: Meine Ueberzeugung hat mich geführt, und mein Gewissen ist beruhigt. Und dennoch ist's uicht so, in Wahrheit hast du Furcht vor dieser Prüfung, du zitterst vor einem erschreckenden Gedanken, du bebest vor einer verhängnißvollen Möglichkeit, du fliehst, als wenn eine Schreckensgestalt hinter dir her jagte und dich verfolgte. Willst du wissen, was in dir lebt, willst du wissen, was dich schreckt? Es ist die Furcht vor dem Gedanken, dich auf der Sünde zu ertappen, du schreckst bei der Möglichkeit, gefehlt zu haben, du zitterst vor der bittern Wahrheit, die dich gefallen zeigen könnte. Wer hat dir diese Furcht eingeflößt, wer hat dich zittern gemacht, Bruder, Schwester, vor dem Gedanken der gethanen Sünde? Was fliehst du vor deinem innern Richter, der in deine Brust tief eingegraben die Wahrheit, daß die Sünde den Menschen erniedrige, daß nur die Tugend ihn! Werth verleiht? Das ist das Zeugniß, das du, ohne es zu wollen, ja ohne es zu wissen, für das Gottesgesetz ablegst, für den Schöpfer, dem du unterworfen, für die Pflichten, die du übernommen mit deinem Eintritt in diese Welt. Doch, Bruder, glaubst du dieses Gotteszeugniß todtschweigen zu könneu, glaubst du, daß du auf ewig diesem Richter entgehst, wenn du auch dein Ohr verschließt deinem Lehrer, wenn du fliehst die Stätte der Zurechtweisung, wenn du dich abwendest von den Schriften des Lebens, wenn du ihre Göttlichkeit bestreitest, wenn du aus ihnen neue, falsche Schlüsse ziehst und dich auf deine Einsicht, deine Bildung, deine Vernunft stolz stützest, die Lehrer der Vorzeit belächelst und über sie hinwegsiehst. Mein Bruder, meine Schwester, du kannst die Furcht vor der Sünde dadurch nicht scheuchen, das Gesetz ans der eigenen Brust nicht reißen. Und wenn du auch säumst mit deiner Prüfung, bis die Zeit dich wieder mit deiner! irdischen Gedanker! anfüllt und du in der Masse deiner Geschäfte dein Schaffen vergißt und in der heitern Gesellschaft vom Scherze den Sinn kitzeln läßt, o, sie erwacht doch wieder, diese Furch vor der Sünde und diese Scheu vor der Prüfung. Und end- N ahm er, Israelitisches Predigt-Magazin. IV. Jhrg. 1. Heft. 3