Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 4 (1878)
- Issue
- 1 (1878)
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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14 gegeben. Sei freundlich gegen den, der dich zu einer Wohlthat auffordert, unterstütze deine leidenden Brüder und wirf ihnen nicht hartherzig ihre Fehler vor. Saget, Brüder, Schweftern, geben wir i m m e r mit solchem Herzen, mit solchen Hänoen? Ich liebe die Wahrheit, — sagst du von dir. Aber wenn man sie uns sagt, und wir Haffen unsere Brüder, wir meiden den Freund, der aufrichtig rügt, wenn wir urtheilen, bevor wir geprüft, wenn wir sprechen, wovon wir Nichts verstehen, wenn wir Uebles Nachreden, ohne zu wissen, ob es wahr, wenn wir freundlich unfern Nebenmenschen anreden, ihn bewundern, ihm unsere Freundschaft versichern und hinter seinem Rücken ihn tadeln, von ihm Böses reden, ihn anschwärzen, wenn wir um des Gewinnes halber übertreiben und verkleinern, lieben wir da die Wahrheit? Und wieviel Vorurtheilvolles, wie viel Irriges und Unwahres sprechen wir oft ohne Ueberlegung Andern nach, wie wollen wir auf unsere Wahrheitsliebe uns berufen? Wir halten uns für fromm! Aber sind alle unsere Gebete wirklich voller Andacht, von keinem fremden Gedanken je gestört, bekennen wir mit vollem Herzen, wie die Lippen sprechen, verstehen wir, was wir reden, versäumen wir kein Gebet, beginnen wir jedes Werk mit Gott, danken wir ihm für jede Freude, bekennen wir ihn vor aller Augen, entweihen wir keinen Sabbath und widmen wir uns der Lehre? Können wir dies Alles von uns sagen und rühmen! Und wenn wir dies könnten, hätten wir dann mehr als unsere Pflicht gethan, und könnten wir deshalb um Leben um unsertwillen, um dieserPflichterfüllung wegen bitten? Nein, m. Th., wir haben gar keinen Anspruch, durch unser Verdienst, denn es ist keines vorhanden, durch unsere Tugend, denn wie gering ist sie, auf unsere Frömmigkeit, denn ohne Werth ist sie; sie sind, wenn sie sind, gering, und so gering sie sind, zum großen Theile Gottes Gnadengüter; wunderbare Gunst der Verhältnisse, Mangel an Versuchung machen uns die Tugend oft leichter, als sie sonst uns siele, und wir sind, ohne es zu wissen und zu wollen, fromm und tugendhaft. Wenn wir zählen unsere sittlich-religiösen Ver-