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Israelitisches Predigt-Magazin · 1875-08-01 · 11-12 (8.1875) · p. Seite 295

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Journal
Israelitisches Predigt-Magazin
Volume
1 (1874-1875)
Issue
11-12 (8.1875)
Date
1875-08-01
Page
Seite 295 (sequence 55)
Language
German
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205 und Schwiegerkinder, fand sie reichlichen Ersatz für alle Duldungen, und konnte sie alle früheren Widerwärtigkeiten des Lebens leicht vergessen. So hat sie denn durch die Gnade Gottes und die Liebe der Menschen den Frieden gefunden, welchen sie gesucht, den Frieden mit sich, den Frieden mit Anderen und den Frieden mit ihrem Gotte. Zufrieden mit Gott und ihrem Geschicke hat sie gelebt und ist sie gestorben; ruhig und sanft ist sie entschlafen. Ehre nun — der Ruhestätte, wo sie beu ewigen Frieden gefunden; sie ruhe da im Frieden Gottes und der Menschen. Niemand störe sie; Niemand ziehe die Thaten ihres Lebens vor Gericht und sein menschliches Urtheil, denn ״der Tod, sagen unsere Weisen, deckt den Mantel der Liebe und Versöhnung über alle Thaten und Vorgänge des Lebens." Der Todte gehört Gott und der andern Welt an, nicht mehr den Sterblichen und dieser Welt. Gott richtet die Verstorbenen — und Gott richtet über sie in Gnade! Seine Liebe verdammt nicht; — sie söhnt uns aus mit dem Tode durch Friede und Seligkeit. Darum lasset uns beten: Gott, der in Gnade und Liebe die Verstorbene im Leben geleitet, er geleite sie nun auch in die Gesilde der Seligen und ewig Lebenden, er senke den Balsam des Trostes in die Brust der Trauernden und schaffe Beruhigung den zerrissenen Herzen der Hinterbliebenen. Der Friede Gottes sei mit den Todten, der Friede Gottes sei mit den Lebenden! Amen. Die jüdische Kanzel. Denlsch, Dr. Immanuel, Rabbiner zu Sohrau, O./S., Rede gehalten bei feinem Amtsantritte am 3. Schebat 5635 (9. Januar 1875). 14 S. 8°. Die vorliegende Antrittsrede entspricht den an derartige Gelegenheiisreden zu stellenden Anforderungen in jeder Beziehung. Anknüpfend an Hiob 32, 6 giebt Herr vr. D. zuerst in ergreifenden Worten den: Schmerze um das frühe Hinscheiden feines vielverehrten Elternpaares Ausdruck und hebt in pietätvoller Weife die hohen Verdienste feines verewigten Vaters hervor, dessen Stelle zu ersetzen er von der Gemeinde bcrufert wurde. Sodann bespricht er die Aufgäbe, welche ihm durch diese Berufung zu Theil geworden und bittet die Gemeinde, feine Bemühungen mit Nachsicht und Milde zu beurtheilen, sowie namentlich die Ettern, ihn in dem schwierigen Geschäfte der religiösen Jugenderziehung zu unterstützen. Die ganze Rede ist von religiöser Wärme und Innigkeit durchweht, die Sprache rein und edel.

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