Israelitisches Predigt-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt-Magazin
- Volume
- 1 (1874-1875)
- Issue
- 11-12 (8.1875)
- Date
- 1875-08-01
- Page
- Seite 296 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2VV Herr Rabbiner Dr. D. zeigt in dieser Predigt eine große Belesenheit im jüdischen Schriftthum, er weiß die Midraschim mit vielem Geschick §u verwerthen. Der Text ist oft mit bewundernswerther Gewandtheit den Gedanken des Redners angepaßt, doch dürfen wir nicht verschweigen, daß des Guten hierin manchmal vielleicht zu viel geschehen ist, so S. 8 und S. 13. Wir hoffen und wünschen, den Reden des Herrn Dr. Deutsch im ״Predigtmagazin" ebenfalls zu begegnen. M. A. Inauguration de la synagogue de la rue de la Vietoire, le 9 September 1874 (27. Elloul 5634). Paris, Imprimerie D. Jouaust 1874. 31 S. 16. In höchst populärer, einzelne der Feier entspringende Gedanken darffellender Rede vollzog Herr Isidor, Grand-rah bin de France, die Einweihung des Tempels. Wir freuen uns, gegenüber den Zeitungsberichten, daß er in das Revanchegeschrei eingestimmt habe, constatiren zu können, wie im Gegentheit der jüdische Gedanke der Menschenverbrüderung viel schärfer zum Ausdruck gebracht wurde, als die Trauer um das nationale Unglück. Ja, wir glauben kaum, ob ein deutscher Rabbiner, zumal in solch hervorragender amtlicher Stellung und bei solcher Gelegenheit in gleicher Weife gemäßigt und tactvoll sich gezeigt hätte. Freilich erhebt der Redner Bedeutung und Werth seines Vaterlandes — wie uns scheinet — etwas über Gebühr, aber es ist ja sein Vaterland, und wir würden beim Preisen des unsrigen von Nichldeutfchen desselben Fehlers bezichtigt werden. Die auf den religiösen Theil der Feier bezüglichen Stellen der Rede bieten zwar nicht viel Neues, doch Alles ist wahr und in schöne Form gekleidet. Hierauf folgte eine unserem Geschmacke gar nicht zusagende Collecte durch Damen und Herren. Der Ertrag von 3000 M. wiegt die Swrung nicht auf. — Sodann betrat Herr Za d o c Kahn die Kanzel. In schwungvoller, auch an gut gewählten Bibelversen reicher Rede dankte er dem jüdischen Architekten, wies daraus hin, wie der Krieg den Bau unterbrochen und die Einweihung mit ein Zeichen sei der mit gestärkter Kraft auftretenden Friedensarbeit. Besonders geistreich ist die durch Habakuk 2, 11 אבן מקיר תזעק eingeleitete Deutung der Inschriften. Mögen die für das Gedeihen All-Israels ausgesprochenen Wünsche der Redner sich erfüllen, möge das Gottes- Haus — ein Zeichen des neu erlangten Friedens — stets ein Wahr- Zeichen des Friedens bleiben, und die hochgepriesene Billigkeit, Gerechtigkeit und Gleichheit in Frankreich nicht unter ultramontanem Regime zur hochtrabenden, inhaltsleeren Phrase herabsinken! Das Fernbleiben aller höheren Staatsbeamten (Minister, Präfecten u. A.) spiegelt bereits diesen ultramontanen Geist wieder. Der Einweihungsseier der Carlsruher Synagoge wohnten der Großherzog, Thronfolger, Minister u. A. bei. (Ueber diese Einweihungsrede im nächsten Jahrgang. R)